LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Installation in der „CeCiL’s Box“: „meanwhile“ von Serge Ecker

Wenn man gestresst ist oder in Gedanken versunken, läuft man vielleicht einfach vorbei, ohne zu merken, dass es hier etwas zu sehen gibt. Wir reden von der „CeCiL’s Box“, in gewisser Weise der kleinsten Kunstgalerie der Stadt. Eigentlich ist es nur ein Schaufenster. Alle drei Monate stellt das Cercle Cité diese Vitrine einem anderen Künstler für ein originelles Projekt zur Verfügung. Kunst wird in den öffentlichen Raum gebracht, direkt vor die Nase der Passanten. Serge Ecker ist bereits der 19. Künstler, der den Auftrag erhielt, die „CeCiL’s Box“ kreativ und originell zu „füllen“. Sein Werk heißt
„meanwhile“. Einfach daran vorbeilaufen, sollte man nicht. Wir haben uns mit dem luxemburgischen Künstler über seine Arbeit unterhalten. Dem breiten Publikum dürfte er vor allem als Schöpfer der lilafarbenen Melusina-Statue im Stadtgrund und möglicherweise auch als Mitglied des DKollektiv bekannt sein.   

Was war für Sie die Motivation, die „CeCiL’s Box“ zu gestalten?

Serge Ecker Ich wurde bereits letztes Jahr gefragt, ob ich Interesse hätte. Da hat es aber zeitlich nicht für mich gepasst, jetzt aber schon. Der öffentliche Raum hat für mich einen besonderen Reiz. Das ist nicht mit einer Galerie zu vergleichen. Hier bietet sich tatsächlich die Möglichkeit, mit der Öffentlichkeit zu spielen und etwas Interaktiveres auszuprobieren. Das habe ich noch nicht so oft gemacht.

Das Format ist allerdings ziemlich klein. Macht einem das nichts aus, wenn man doch eher daran gewöhnt ist, in größeren Räumen auszustellen?

Ecker Nein, das hat nichts mit der Größe des Ausstellungsraums zu tun. Für mich ist es eine Möglichkeit, zu arbeiten, und ich arbeite gerne. Wo ich das tue, spielt keine Rolle, allerdings muss ich schon einen gewissen Sinn darin sehen. An irgendeinem ultraprivaten Ort für ein paar elitäre Leute auszustellen, ist nicht mein Ding. Aber das hier ist wirklich direkt auf der Straße, jeder hat Zugang, niemand muss Eintritt zahlen, und ich kann etwas auszuprobieren, was ich noch nicht gemacht habe. Da ich in den letzten Jahren viel digital gearbeitet habe, war dies für mich eine willkommene Gelegenheit, mit einem kleinen Budget etwas zu machen, das dennoch eine Wirkung hat.  

War es denn eine besondere Herausforderung, einen derart kleinen Ausstellungsraum zu bespielen?

Ecker Es ist immer eine Herausforderung. Ob es sich jetzt um einen großen oder kleinen Rahmen handelt, man macht immer seine Arbeit und passt sich an. Wenn man einen riesigen Raum zur Verfügung hat, kann man anfangs auch etwas ratlos dastehen. Schritt für Schritt hangelt man sich dann weiter, bis das Ganze stimmig ist. Hier war es an sich ähnlich.

Wie ist „meanwhile“ also Schritt für Schritt entstanden?

Ecker Zuerst habe ich mir die Box etwas genauer angeschaut, die Maße genommen und auch recherchiert, was andere Künstler vor mir gemacht haben, um nicht etwas zu Ähnliches auszuarbeiten.

Dann habe ich über die Themen nachgedacht, die mich ohnehin interessieren, und überlegt, was ich daraus machen könnte. Für mich war es wichtig, mit Wiederverwertungsmaterial zu arbeiten, in diesem Fall mit Holzbrettern. Thematisch passt das Ganze zur aktuellen Zeit. Geschäfte, die schließen, Häuser, die mit Brettern zugenagelt sind…. Das hatte ich auch damals für die Architektur-Biennale in Venedig schon dokumentiert. Diese Idee des Vorhangs aus Holzbrettern habe ich also jetzt noch einmal aufgegriffen. Das Holz stammt übrigens vom Dachgebälk eines abgerissenen Hauses, das nun in Stücken hinter der Halle des DKollektiv liegt. Die Bretter habe ich selbst mit dem Brecheisen rausgebrochen und dann hier hinter der Glasscheibe als eine Art Filter installiert. Dahinter befinden sich eine Kamera und ein Bildschirm. Wirft man aus Neugierde einen Blick durch die Spalten zwischen den Brettern, schaut man sich selbst ins Gesicht. Symbolisch steht das für Überwachung oder Selbstüberwachung, was unbeabsichtigt ja gerade wegen der Corona-Pandemie auch zu einem aktuellen Thema geworden ist.

In der „CeCiL’s Box“ vermischen Sie demnach verschiedene Techniken miteinander. Ist Ihnen das in Ihren Arbeiten im Allgemeinen wichtig?

Ecker Immer mehr auf jeden Fall. Am Anfang habe ich eher digital gearbeitet, jetzt kommen immer häufiger analoge Elemente hinzu. Ich konzentriere mich auf diese Mixtur. Wenn ich von 3D-Scans ausgehe, arbeite ich übrigens gerne mit richtig guten Handwerksbetrieben zusammen, die eine Spezialisierung haben, die ich nie erreichen werde. Mit ihnen zusammen versuche ich dann, einen Weg zu finden, das umzusetzen, was ich mir vorstelle.

Das hört sich nach einer ausgewachsenen Lust am Experimentieren an oder wollen Sie irgendwo ankommen und sich festlegen?

Ecker Nein, es ist tatsächlich ein ständiges Experimentieren, genau das reizt mich, sonst wäre es ja nicht spannend. Es ist nicht mein Ziel, mich irgendwann auf etwas Bestimmtes zu fokussieren und dann nur noch das zu machen. Ich spiele gerne, und ich langweile mich ungerne.

Hat die Corona-Krise Ihre Aktivität als Künstler eigentlich ausgebremst?

Ecker Es geht, man wurstelt ja sowieso meistens alleine in seinem Atelier herum. Natürlich sind Projekte weggefallen. Ich kenne auch Leute, deren Künstlerresidenzen abgesagt wurden, die jetzt in New York oder sonstwo sein sollten. Es ist eine unsichere Zeit, weil man nicht weiß, wie es weitergeht und wie sich die Zahlen entwickeln. Ich halte mich zurück und bin an sich jetzt nicht viel unterwegs.

Woran arbeiten Sie als nächstes?

Ecker Momentan liegt mein Hauptfokus auf der Arbeit im DKollektiv. Der Beitrag für die „CeCiL’s Box“ war meine letzte persönliche Aktion für eine gewisse Zeit. Im Hinblick auf die Kulturhauptstadt 2022 müssen wir jetzt mit unserem Projekt „Tiers-Lieux culturels“, das wir mit der Unterstützung der „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ zusammen mit der Gemeinde Düdelingen umsetzen, anfangen, um rechtzeitig fertigzuwerden. Das ist wirklich eine große Baustelle. Es handelt sich dabei um eine partizipative Renovierung einer Halle, nämlich dem „Bâtiment Vestiaires-Wagonnage“, auf dem Areal der Neischmelz. Dort wollen wir uns als Kollektiv dann auch permanent niederlassen. Momentan sitzen wir in unserem Atelier in der „Hall Fondouq“ etwas im Schleudersitz, weil sie abgerissen wird. Ideal war die Halle sowieso nicht, weil es keine Heizung gibt. Im Winter friert uns immer alles zu, und im Sommer kocht es. Verschiedene Techniken wie Serigrafie sind dort nur schwer umsetzbar. Ein Fotolaboratorium ist zwar eingerichtet, kann aber nur bedingt genutzt werden.

Das soll dann alles in dem neuen Gebäude möglich werden, das wir also jetzt teils mit Material vom „Site Neischmelz“ wie Fenster, Ziegel, Holz und Metallstrukturen in Schuss setzen werden, und zwar in einem partizipativen Prozess mit lokalen Vereinigungen.

Bis zum 18. Oktober kann man „meanwhile“ in der „CeCiL’s Box“ (rue du Curé) entdecken