LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Pierre Bourgeois steht den Kunden der Antiquitätenhändler für Expertisen zur Verfügung

Nach 40 Jahren Erfahrung im Antiquitätenhandel gibt der Kunstexperte Pierre Bourgeois schon seit einigen Jahren den Kunden der Luxemburger Antiquitäten- und Kunstmesse Expertenunterstützung beim Kauf.

Sie sind Kunstexperte wie kommt man zu einem solchen Beruf?

Pierre Bourgeois Das wird man durch Erfahrung. Mit 20 Jahren kann man kein Kunstexperte sein. Zuvor war ich 40 Jahre lang Antiquitätenhändler, habe ge- und verkauft, gereinigt, repariert. Ein guter Experte muss sich ebenfalls mit der Technik und der Herstellung beschäftigen. Hinzu kommt die genaue Beobachtung, beispielsweise ob die Proportionen eines Möbels stimmen und wie es aufgebaut ist.

Eine Expertise ist wie eine polizeiliche Ermittlung. Der Experte muss alle Indizien zusammentragen, die beweisen, ob ein Möbel gut oder schlecht ist.

Das lernt man sicher nicht in einer Schule, oder?

Bourgeois Nein, das sind  Erfahrungswerte. Ich selbst habe viel von alten Antiquitätenhändlern gelernt, die mir erklärten wie die Handwerker damals arbeiteten und auch dass man sich das Möbelstück zuerst von weitem anschauen sollte. Man muss sich die Objekte verinnerlichen, in die Epoche einsteigen und dann ins Detail gehen.

Sie sind nicht nur Möbelexperte, sondern begutachten auch andere Objekte…

Bourgeois Ich habe eine allgemeine Ausbildung, da ich in meinem Metier alles gekauft habe und bin Mitglied der französischen Expertenkammer CNES. Spezialisiert bin ich auf Zinn und Möbel aus der Zeit vom 16. bis 19. Jahrhundert. Falls es sich bei einer Expertise um andere Epochen oder ganz spezielle Dinge handelt, kann ich immer einen weiteren Experten zu Rate ziehen. Man darf sich trotz Erfahrung nicht immer auf seinen Status berufen, da man noch lange nicht alles kennt.

Ist ihr Expertenwissen hier in Luxemburg oft gefragt?

Bourgeois Ja, man kann zwar mit eigenen Objekten kommen, aber in erster Linie sind wir für die Besucher da, die einen Expertenrat zur Epoche oder dem Zustand eines Möbels oder Objekts möchten, das sie kaufen wollen. Wir geben diese Expertise vor den Verkäufern und den Käufern. Das beruhigt die Kunden.

Kaufen junge Leute heute denn noch Antiquitäten?

Bourgeois Das kommt auf die Ware an. Bei den klassischen Möbeln des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sind es die 50- bis 75-Jährigen. Die jungen Leute mögen eher zeitgenössische Vintage-Objekte.  Aber es gibt schon einige, die noch antike Stücke kaufen. Dann besitzen sie ein Objekt, das bestimmt einmalig ist und mit dem jede Einrichtung eine individuelle Note erhält.