PASCAL STEINWACHS

Drei Mal haben sich die Delegationen von DP, LSAP und „déi gréng“ nun bereits in großer Runde getroffen. Bestand das erste Treffen, das letzte Woche einberufen wurde, nachdem der Großherzog Xavier Bettel zum „Formateur“ ernannt hatte, jedoch ausschließlich darin, den Verlauf der Verhandlungen festzulegen und die - elf - Arbeitsgruppen zu bilden, so ließen sich der Regierungsbilder sowie die Delegationsmitglieder diese Woche von den Experten der wichtigsten Verwaltungen über die momentane Situation des Landes ins Bild setzen: Am Dienstag über die finanzielle Situation des Staates, gestern über sozialpolitische Themen, so dass, auf ausdrücklichen Wunsch von Bettel, erstmals auch die Sozialpartner angehört wurden.

Heute kommen die Verhandlungsdelegationen indes ein weiteres Mal zusammen - angehört wird diesmal aber nur der ständige Vertreter Luxemburgs bei der EU, müssen die drei Parteien das bislang Gehörte doch erst einmal verdauen -, bevor dann eine Woche Pause ist, wobei in den Arbeitsgruppen aber die ganze Zeit weitergearbeitet wird. Bis zum 14. November (an dem das Expertendefilee mit einem Vertreter der Zentralbank und des neu geschaffenen „Comité économique et financier national“ beendet wird) sollen die Anhörungen abgeschlossen sein und die Arbeitsgruppen, so hofft jedenfalls Bettel, ihre jeweiligen Berichte abgeliefert haben, auf dass hierauf mit den eigentlichen Koalitionsverhandlungen angefangen werden kann. Dann, wenn der Expertenreigen vorbei ist und die Stellungnahmen sämtlicher Arbeitsgruppen vorliegen, wird es auch zum ersten Mal so richtig um die roten, blauen und grünen Linien gehen, die, man kennt sich ja schließlich, allerdings keine unüberwindbaren Hürden darstellen dürften, auch wenn das die größte Oppositionspartei natürlich immer noch hofft, und ein Scheitern der Koalitionsverhandlungen regelrecht herbeiredet.

Außer dass die Stimmung während der bisherigen Sitzungen ausgezeichnet gewesen sei (was sich an der Körpersprache der Delegationsmitglieder ablesen lässt), die Arbeit gut vorankomme und das Land besser da stehe als vor fünf Jahren, wie von den Verhandlungsführern unisono beteuert wird, war bislang nicht viel von den Delegationsteilnehmern zu erfahren, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten, auch wenn sich die Journalisten momentan vor dem Außenministerium die Beine in den Bauch stehen, um vielleicht doch noch etwas aufzuschnappen, was von Interesse sein könnte.

Einen ersten Aufschluss über die zukünftige Zusammensetzung der Ministerien könnte indes die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen geben, was von den Delegationsteilnehmern aber natürlich verneint wird. So wird zum Beispiel in der Arbeitsgruppe über die nachhaltige Entwicklung auch über die Landwirtschaft diskutiert, derweil die Bereiche Wohnen und Kommunen, wie auch die Justiz und die innere Sicherheit ebenfalls zusammen in einer Arbeitsgruppe behandelt werden.

Und ganz zum Schluss, so heißt es, wird dann über die Postenverteilung gesprochen, wo die Grünen als Wahlgewinner und als Retter der Dreierkoalition ihren Anspruch auf den Posten des Vizepremiers geltend machen dürften. Es bleibt spannend...