LUXEMBURG
DR. BIRGIT KAUSCH

Am morgigen Sonntag ist der Tag des Geotops! Der Begriff Biotop als „Lebensraum von Organismen“ der Biowissenschaften ist wohl weitgehend bekannt, wenn er auch meist mit einem Schutzstatus in Verbindung gebracht wird. Streng genommen zählt aber auch das Zimmer des pubertierenden Teenagers dazu. „Denn ein Biotop hat neben den dort lebenden Tieren oder Pflanzen immer auch einen unbelebten Rahmen - im Fall des Teenagers die Zimmerwände, in der Natur die abiotischen Grundlagen wie Boden, Gestein, Luft und Wasser, die die Basis des Ökosystems bilden“, führt Dr. Birgit Kausch, Leiterin des Fachbereichs Geologie beim Natur- & Geopark Mëllerdall, aus.

„Geotope werden dagegen vor allem durch die Gesteine im Untergrund definiert. Diese erzählen die oft Millionen Jahre alte Geschichte der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Erde und beinhalten vielerlei Informationen über die Entwicklung des Klimas und des Lebens. Gleichzeitig beeinflussen die Gesteine des Untergrundes das Aussehen der heutigen Landschaft (im Ösling anders als im Gutland) sowie das Vorkommen von Rohstoffen wie Grundwasser und Baumaterialien. Damit sind sie auch für die heutige Gesellschaft von großer Relevanz: Der Reichtum Luxemburgs entwickelte sich aus dem geologischen Vorkommen des Eisenerzes der Minette, der Luxemburger Sandstein ist als wichtiger Grundwasserspeicher einer der wesentlichen Trinkwasserlieferanten des Landes. Beide Beispiele sind zentrale Bestandteile von zukünftigen Bewerbungen für Unesco Programme: im Süden des Landes für ‚Man and the Biosphere‘, im Osten für ‚Global Geoparks‘. Auch unsere Kulturgeschichte ist eng mit den Steinen verknüpft: Landschaftsformen wie Felsüberhänge und Felssporne wurden bereits in der Ur- und Vorgeschichte als Siedlungsplätze genutzt, die Farben der regionalen Bausteine prägen das gebaute kulturelle Erbe. Kenntnisse über die Eigenschaften der Gesteine helfen auch, aktuelle Prozesse und Naturgefahren zu verstehen. So können wir aus den Zeugnissen der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Besonders anschauliche geowissenschaftliche Objekte, zum Beispiel natürliche oder künstliche Aufschlüsse von Gesteinen, einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile, werden als Geotope definiert. Sie sind für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für Natur- und Heimatkunde Orte von besonderem Wert. Je nach Situation können sie durch natürlichen Zerfall, Abbau oder Verschmutzung gefährdet sein. Sie bedürfen bei besonderer erdgeschichtlicher Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit eines konsequenten rechtlichen Schutzes, der über die – unzweifelhaft wertvolle – Einzelausweisung als Nationales Monument (wie z.B. der Champignon bei Nommern, oder des Kalktuffvorkommens ‚Dauschsteen‘ (‚La Pierre de Cron‘) bei Lasauvage) hinausgehen sollte. Aus geologischer Sicht wäre deshalb ein expliziter Geotopschutz wünschenswert.

Erste Schritte zu Erhalt und Pflege (schutzwürdiger) Geotope sind zunächst einmal deren systematische Erfassung. In der Region des Natur- & Geopark Mëllerdall wurde im Zuge eines LEADER-finanzierten Projektes bereits eine erste Aufnahme von Geotopen durchgeführt. Die geologischen Sachverhalte werden auf Informationstafeln und Flyern für den Laien verständlich erklärt. Eine weitere Aktion ist die jährliche Durchführung des Tages des Geotops, an dem der interessierten Bevölkerung die Bedeutung jeweils eines Geotops und des Geotopschutzes vor Ort nähergebracht wird. Geotop des Jahres 2019 sind die ehemaligen Steinbrüche von Befort und Dillingen, die am 15. September auf einer Wanderung entdeckt werden können. Übrigens: Auch der Teenager muss mal wieder an die frische Luft!“