ASSELBORN
CLAUDE KARGER

Beim 8. „International Glass Festival“ in Asselborn sind spektakuläre Glasgebilde zu sehen

David holt das glühende Stück aus dem Ofen. Es scheint abbrechen zu wollen, er präsentiert die Stange, auf dem es steckt, einem Kollegen, der in einer Art Gerüst sitzt. Der stützt das Glas mit einem nassen Magazin und dreht es. David bläst ein paarmal in die Glasbläserstange hinein, die Materie dehnt sich, man sieht: hier entsteht eine Vase. Der Prozess wird immer wieder wiederholt, es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn der Werkstoff kühlt relativ schnell ab.

Hochkarätige Besetzung

Alle diese spannenden Prozesse und ihre faszinierenden Resultate können Besucher derzeit und noch bis morgen Sonntag in Asselborn erleben, wo das alle zwei Jahre stattfindende „International Glass Symposium“ über die Bühne geht. Glaskünstler aus aller Welt haben sich hier in der Nähe von Clerf eingefunden, wo Robert Emeringer gemeinsam mit der lettischen Glaskünstlerin Zaiga Baiza sein Atelier betreibt. Der gebürtige Differdinger hatte 2006 erstmals ein „Glass Festival“ in Asselborn organisiert, seit 2007 findet das erfolgreiche Event im Zweijahresrhythmus statt. Welche Künstler eingeladen werden, entscheidet eine internationale Jury mit sechs bis sieben Mitgliedern aus verschiedenen Ländern.

„Wir wollen ein gewisses Niveau halten“, sagt der weitgereiste Glaskünstler, der sich schon in jungen Jahren für den Werkstoff Glas begeisterte, den er bei einem Glasbläser im Landessüden entdeckte, bei dem er als Jugendlicher für ein Taschengeld jobbte. Statt die von seiner Mutter gewünschte Karriere als Polizist einzuschlagen, kehrte Rob nach dem Armeedienst in den 1960ern zurück zur Glaskunst und verbrachte Jahre im Ausland, um die Techniken zu lernen und im Glashandwerk zu arbeiten. „Es ist das einzige Symposium in Europa, wo man alle Glasherstellungstechniken sehen kann“, sagt Emeringer. Man hat hier sogar schon einen römischen Glasofen rekonstruiert, der 24 Stunden auf 24 mit Holz befeuert werden musste.

Lëtzebuerger Journal

Filigrane Augenweiden

Augenweiden sind jedenfalls die Glasskulpturen, die in dem weitläufigen Garten des Künstlers stehen. Oder hängen, wie die gläsernen Flieger von Kitija Almane. Die Studentin der Glasabteilung der lettischen Kunstakademie hat mit verschiedenen Techniken und Glasarten gearbeitet, um sie herzustellen. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit für mich, meine Werke hier zu zeigen“, sagt Kitija, die vor allem auch schätzt, dass sie sich mit erfahreneren Künstlern austauschen kann. In Asselborn sind noch bis Sonntag Spezialisten aus aller Welt versammelt, darunter Alexander Fokin, einer der besten Glasgraveure Russlands oder Jiri Suhajek, einer der originellsten Glasbläser Tschechiens.

Noch bis Sonntag kann man diesen Künstlern in dem kleinen Dorf in der Nähe von Clerf über die Schulter schauen. Die letzte Ausgabe des Festivals 2017 hatte rund 7.000 Personen angezogen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

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Glass Festival

Künstler aus aller Welt

Die Teilnehmer in diesem Jahr: David Yule (Australien), Alfred Collard, Daniel Olislagers (Belgien), Lachezar Dochev, Elizar Milev (Bulgarien), Petr Stacho, Jirí Šuhájek (Tschechische Republik), Julie Anne Denton (Großbritannien), Kairi Orgusaar, Peeter Rudash, Mare Saare (Estland), Patrick Roth (Deutschland), Louis Sakalovsky (Israel), Takeshi Ito (Japan), Zaiga Baiza Emeringer, Baiba Dzenīte, Inita Ēmane, Agnese Gedule, Dainis Gudovskis, Anda Munkevica, Arnolds Vilbergs (Lettland), Remigijus Kriukas, Paulius Rainys, Indre Stulgaite (Litauen), Robert Emeringer (Luxemburg), Ed Van Dijk, JanHein van Stiphout (Niederlande), Kazimierz Pawlak (Polen), Ioana Stelea (Rumänien), Anna Afinogentova, Elena Esikova, Alexander Fokin, Anton Fokin, Taisiia Fokina, Igor Frolov, Konstantin Litvin (Russland), Andrej Németh (Slowakei), Yuliia Prus, Victoria Stefanivska (Ukraine) und eine ganze Reihe von Studenten aus Bulgarien, Lettland und Polen.