LUXEMBURG/MAINZ
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Niederanven: Bankomat der Postfiliale gesprengt - Ein grenzüberschreitendes Phänomen?

Mitten in der Nacht ertönt der laute Knall einer Explosion. Zurück bleibt ein erschreckendes Bild der Zerstörung: Zerstörte Fensterscheiben, heruntergefallene Decken, quasi die Überreste durch Verwüstung eines Gebäudes. Ein solches Bild bot sich der Polizei in der gestrigen Nacht in Niederanven, wo gegen 3.50 Unbekannte den Bankomaten der Postfiliale aus der Wand gesprengt haben. Durch die Explosion wurde das angrenzende Postbüro komplett verwüstet, wie die Luxemburger Polizei mitteilte. Die Ermittlungen laufen, wie präzisiert wurde.

Sonderarbeitsgruppe in Rheinland-Pfalz

Das Sprengen von Geldausgabeautomaten ist ein Kriminalitätsphänomen, das zurzeit auch in allen deutschen Bundesländern bearbeitet wird, wie die Pressestelle des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA) gegenüber dem „Journal“ bestätigt. In Rheinland-Pfalz steigen die Fälle von gesprengten Geldautomaten. In Rheinland-Pfalz bewegten sich die Fallzahlen in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen einstelligen Niveau.

„Im Jahr 2017 gab es 23 Straftaten im Bereich Sprengung von Geldausgabeautomaten in Rheinland-Pfalz. In zwölf Fällen handelte es sich um Versuche, bei denen kein Bargeld erlangt wurde. Im Jahr 2016 kam es zu fünf Delikten, davon zwei Versuchsstraftaten. Eine Fallzahlensteigerung ist damit erkennbar“, wie es von der Pressestelle des LKA weiter heißt. So wurde eine Ermittlungsgruppe unter der Führung des Polizeipräsidiums Mainz, die „AG Bandenkriminalität“, übernimmt zentral die Ermittlungen in Rheinland-Pfalz. Zudem setzt das Landeskriminalamt auf intensiven fachlichen Austausch beziehungsweise Beratung der Banken. Das LKA arbeitet in bundesweiten Gremien zur Aktualisierung von Konzeptionen und Richtlinien zur Sicherung von Geldautomaten und Banken. In diesem Zusammenhang veröffentlichte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2017 beispielsweise die VdS-Richtlinie 5052, die insbesondere Geld- und Kreditinstitute für ihre Sicherungskonzepte nutzen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund veranstaltete das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Mainz Anfang März eine internationale Arbeitstagung zu diesem Kriminalitätsphänomen. Teilnehmer sind Vertreter der Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Mainz, Ermittler aus Rheinland-Pfalz, Vertreter aus anderen Bundesländern und von Europol.

Keine Infos zu den Tätern

Um was für Täter handelt es sich bei Sprengung von Geldautomaten? Wo kommen diese her? „Zu den Tätern können wir aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen“, wie die Leiterin der Pressestelle des LKA, Dagmar Meyer, präzisiert.

Anfang März haben Täter den Automaten einer Deutsche-Bank-Filiale in Konz (Landkreis Trier-Saarburg) gesprengt. Die Täter haben hier Beute in zunächst unbekannter Höhe gemacht und entkamen unerkannt - unbekannte Täter hatten am 15. März einen Geldautomaten in einem Supermarkt in Kaisersesch gesprengt. Der Sachschaden beträgt 30.000 Euro, die Täter flüchteten in einem dunklen Kombi.

Bei dem Tatvorgang in Niederanven handelt es sich wohl um eine sogenannte „Gassprengung“. Man werde diesbezüglich sicher mit den Kollegen aus Deutschland zusammenarbeiten, wie es von der Pressestelle der luxemburgischen Polizei heißt. Weitere Informationen zu Tat gibt es aus ermittlungstaktischen Gründen natürlich nicht. Für die Post ist dies der erste Fall einer solchen Automaten-Sprengung, wie die Pressestelle der Post bestätigte, doch sei es vor einigen Jahren an gleicher Stelle bereits zu einem Überfall gekommen.

Andere Variante: Mit dem Traktor in die Bank

Dass es auch anders geht, zeigten Einbrecher in der Nach auf Mittwoch. Mit einem Traktor sind Unbekannte in eine Bank im Saarland in Lebach gefahren und haben einen Geldautomaten gestohlen. Wie die Polizei mitteilte, fuhren die Täter mit dem Fahrzeug durch die Glastür der Filiale im Lebacher Stadtteil Aschbach (Kreis Saarlouis) und rissen den Automaten mit einem Seil aus der Verankerung. Danach luden sie ihn auf einen weißen Kastenwagen und flohen vom Tatort. Den Traktor ließen sie zurück. Die Täter hatten die Landmaschine zuvor von einem Bauernhof nur wenige Kilometer entfernt gestohlen.

Zunächst ging die Polizei von vier bis sechs Tatverdächtigen aus. Ob die Unbekannten Bargeld erbeuteten, wollten die Beamten mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Automaten-Bande in Nancy vor Gericht

Zwischen 2014 und 2015 verübte eine Bande mehrere Geldautomaten in Haute-Marne, Maas, Vogesen und Moselle an. Der geplante Prozess wurde letzte Woche allerdings ausgesetzt. In Nancy stehen aktuell sieben Männer und eine Frau im Verdacht, zwischen 2014 und 2015 Geldautomaten in Ostfrankreich in dieser Manier gesprengt zu haben (das „Journal“ berichtete).

Von den acht Angeklagten im Alter zwischen 20 und 59 Jahren sind drei seit ihrer Festnahme im November 2015 inhaftiert. Die übrigen fünf sind auf freiem Fuß. Die Verdächtigen bohrten ein Loch in den Automaten, um eine gasförmige Mischung aus Sauerstoff und Acetylen einzuführen, die frei über den Ladentisch verkauft wurden. Bei den acht vorgeworfenen Angriffen sollen aus zwei insgesamt 97.000 Euro erbeutet worden sein. Der Gesamtschaden, der mit den Explosionen entstanden ist, beträgt mehrere 100.000 Euro.