CAROLE RECKINGER

In einer nicht verbindlichen Resolution hat sich das Europaparlament Anfang des Monats für einen schrittweisen Ausstieg aus landwirtschaftlich gewonnen Biokraftstoffen ausgesprochen. Hintergrund ist die Tatsache, dass knapp die Hälfte des von der EU eingeführten Palmöls zur Herstellung von Biodiesel verwendet wird, was mit der Nutzung einer Fläche von etwa einer Million Hektar in den Tropen einhergeht. Außerdem fordert es eine einheitliche Zertifizierung für nachhaltig hergestelltes Palmöl. Wie das funktionieren soll, kann sich Carole Reckinger von „Plaidons responsable“ von Caritas Luxemburg allerdings nur schwer vorstellen.

„Palmöl ist das in der Herstellung günstigste Pflanzenöl. Das erklärt, warum die Anbaufläche von Ölpalmen in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen ist - mit extremen Auswirkungen auf Natur und Mensch. Auf den Inseln Borneo (Indonesien, Malaysia und Brunei) und Sumatra (Indonesien) gibt es fast keinen Tieflandregenwald mehr. Die indigenen Einwohner verlieren ihr Land und falls sie denn auf den Plantagen die ihnen versprochene Arbeit bekommen, dann können die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, nur als katastrophal bezeichnet werden. Auf Ölpalmplantagen, wo zudem viele Kinder arbeiten, kommen massiv Pestizide zum Einsatz. Auch die Tier- und Pflanzenwelt leidet unter dem Vormarsch der Palmöl-Monokulturplantagen. Der Lebensraum von Sumatra-Tiger und Sumatra-Nashorn wird durch die Felder kleiner und zerteilt. Die Tiere werden zudem zu Störenfrieden in einen von den jeweiligen Regierungen geförderten Geschäft.

In den vergangenen Jahren gab es in Indonesien - zusammen mit Malaysia der größte Palmölproduzent weltweit - viele Waldbrände, die von offizieller Seite zu Unfällen deklariert wurden. Und wo es durch diese Brände dann schon keinen Regenwald mehr gibt, spricht ja auch nichts dagegen, neue Plantagen einzurichten. Inzwischen ist die Nachfrage nach Palmöl noch weiter gestiegen, sodass auch in Afrika der Anbau von Ölpalmen im großen Stil Fahrt aufnimmt. Bedenken muss man, dass die Böden nach etwa 20 bis 30 Jahren völlig erschöpft sein werden, mit dem Risiko einer Wüstenbildung dort, wo früher einmal Regenwald war. Wenn ein nachhaltiger Palmölanbau angesichts der gewaltigen Anbauflächen und des Pestizideinsatzes ohnehin kaum vorstellbar ist, wird er unter Berücksichtigung dieser Tatsache eigentlich unmöglich.

Palmöl findet sich in fast allen Produkten wieder, die wir konsumieren und die pflanzliche Öle enthalten. Fast die Hälfte des 2015 in die EU importierten Palmöls (insgesamt mehr als sieben Millionen Tonnen) wurde indes Agrokraftstoffe (also das, was irreführenderweise als ‚Biodiesel‘ bezeichnet wird) beigemischt.

Als Gesellschaft müssen wir unseren Konsum überdenken. Es gibt noch viel Spielraum, wie wir unseren Konsum reduzieren und beispielsweise durch den Rückgriff auf regionale Produkte überdenken können, ohne unseren Lebensstandard in Frage zu stellen. Darüber hinaus können wir als Verbraucher aber auch Forderungen an die Politik stellen. Zum Beispiel, dass bei der neuen Richtlinie über erneuerbare Energien Agrokraftstoffen keine Lebensmittel mehr beigemischt werden dürfen - so lange, wie Menschen anderswo Hunger leiden.“