LUXEMBURG
RAJAA MEKOUAR

Private Equity (PE) ist eine Anlageklasse, die seit der globalen Finanzkrise 2008 sehr beliebt ist. In der Coronakrise fragen sich viele, ob PE weiterhin in der Gunst der Anleger stehen wird, nachdem die Krise ihr volles Ausmaß des Schadens für die Wirtschaft offenbart hat. Rajaa Mekouar, CEO der Luxembourg Private Equity Association (LPEA), nimmt dazu Stellung.

„Die Langfristigkeit von PE und die anhaltende Ungewissheit über die Dauer und das Ausmaß des weltweiten Lockdown erschweren die Einschätzung der kurzfristigen Auswirkungen. PE-unterstützte Unternehmensbewertungen werden nicht wie öffentliche Aktien täglich, sondern vierteljährlich auf den Markt gebracht, so dass die Auswirkungen erst nach der Veröffentlichung der Bewertungen für das zweite Quartal im Spätsommer 2020 bekannt sein werden. Nichtsdestotrotz wird es je nach Sektor mit großer Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf die Leistung und die Arbeitsplätze geben. Sie sind vielleicht nicht so stark ausgeprägt wie auf den öffentlichen Märkten, aber sicherlich korreliert.

Insgesamt haben die General Partner, also die Teams, die die PE-Fonds verwalten, schnell gehandelt, um Notfallpläne zu entwickeln und ihre Beteiligungsunternehmen zu unterstützen. Je höher das Fachwissen, desto besser die Chancen, das Unternehmen zu erhalten. Wir gehen davon aus, dass die am meisten exponierten Unternehmen zuerst und am stärksten leiden werden, und zwar zusammen mit den Unternehmen mit knapper Kassen, zu denen auch dünn kapitalisierte Neugründungen mit hohen Liquiditätsverlusten gehören; vor allem solche, die nur geringe Einnahmen erzielen und viel für die Kundenakquise ausgeben. Die Frage lautet: retten oder fallen lassen? Auf der anderen Seite werden sich Investitionen in weniger zyklische Sektoren wie dem Lebensmitteleinzelhandel und solche, die innovativ sind, gut entwickeln, wie beispielsweise das Gesundheitswesen, Cloud-basierte B2B-Software oder Cybersicherheit. PE-Fonds werden gut positioniert sein, um in Unternehmen zu investieren, die unter Covid-19 gelitten haben und daher neue Kapitalspritzen benötigen, aber über starke Fundamentaldaten verfügen. Hier liegt die Gelegenheit für PE, ihren Wert zu beweisen, um auf nachhaltige Weise Renditen zu erwirtschaften.

Auf luxemburgischer Ebene teilen die PE-Investoren vor Ort die gleichen Sorgen wie alle anderen, in einer Wirtschaft, die offen und globalisiert ist. Parallel dazu sind zahlreiche Experten, von führenden Rechts- bis hin zu Buchhaltungsfirmen und Fondsverwaltern, damit beschäftigt, ihre PE-Kunden zu beraten und gleichzeitig Notfallpläne für ihre eigenen Teams auszuarbeiten. Nicht zuletzt erwarten alle eine starke Unterstützung durch die Regierung, die bisher sehr groß war. Letztendlich ist es die positive Koordination zwischen öffentlichem und privatem Sektor, die jetzt mehr denn je die Fähigkeit Luxemburgs unter Beweis stellen wird, sich an die gegenwärtigen außergewöhnlichen Zeiten anzupassen und so unsere stabile Wirtschaft und unser wettbewerbsfähiges Betriebsumfeld langfristig zu erhalten.“