LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Lob für Minister Hansens Diskussionsrunde über sozialen Wohnungsbau

Es war das erste Mal, dass alle Akteure des sozialen Wohnungsbaus in dieser Form zusammenkamen und es war ein großer Erfolg: Gestern hatte Wohnungsbauminister Marc Hansen zum Rundtischgespräch über den „Sozialen Wohnungsbau in der Zukunft“ geladen und hörte aufmerksam zu, was Mario Schweitzer (Generalkoordinator vom „Fonds du Logement“), Gilles Hempel (Direktor der „Fondation pour l’acces au logement“), Robert Urbé (Caritas), Jos Piscitelli (Dachverband der Sozialämter), Georges Andrade („Wunnéngshëllef“), Katia Santi („Chantier de la Fraternité“) sowie Gilles Rod (Direktor des „Comité national de défense sociale“) dazu zu sagen hatten.

In seiner Einleitung zeichnete Hansen lediglich den Kontext für die Diskussion auf. Sein Ministerium subventioniere zu 70 bis 75 Prozent den Kauf oder Bau von Sozialwohnungen, der größte Teil seines Budgets, das anfangs bei 150 Millionen Euro pro Jahr lag und mittelfristig bei 240 Millionen Euro liegen soll, werde darauf verwendet. Man habe einen historisch gewachsenen Rückstand, den es zusätzlich zum heutigen Bedarf zu decken gelte: 2.000 Personen stünden allein auf der Warteliste des Fonds du Logement. 11.000 Sozialwohnungen seien in den nächsten Jahren geplant. Deswegen wollte er nun dem betroffenen Sektor auf den Zahn fühlen: Wie definieren sie sozialen Wohnungsbau, was sind ihre Erwartungen und ihr Bedarf, welche Typologie an Wohnungen wird gebraucht, wer ist das Zielpublikum, wie ist es mit sozialen Mieten und wie bekommen wir die gesellschaftliche Mixität hin, um keine Ghettos zu schaffen, umriss er die Themen, die er im Vorfeld gerne geklärt habe.

Urbé war der Meinung, dass die öffentliche Hand den Bedarf nicht allein decken könne. Wenn aber Private beteiligt würden, müsse man ihnen Vorgaben machen, welche Mieten sie verlangen können. Rod wies darauf hin, dass sich an die sozialen Agenturen mittlerweile auch Personen wenden, die keine Wohnung bekommen, nur weil sie prekäre Arbeitsverträge haben - sie nehmen die soziale Betreuung dann eben mit in Kauf. Die sozialen Kunden bekämen es so immer schwerer.

„Der Fonds du Logement darf keine Menschen anziehen, die auch auf dem ersten Markt etwas finden und finanziell zurechtkommen“, warnte auch Santi, die darauf verwies, dass es am schwersten die Alleinstehenden mit geringem Einkommen oder RMG hätten, die ein Studio suchen. Sie würden immer hinter all den anderen hintenangestellt. „Es fehlen Wohnungen für Familien mit mehreren Kindern und wir brauchen auch mehr Wohnungen für Haushalte mit mehreren Erwachsenen“, sagte dagegen Schweitzer, der für große Projekte plädierte mit vielen Wohnungen. Hempel sagte: „Es gibt keinen triftigen Grund, eine staatlich subventionierte Wohnung als Eigentum zu vergeben.“ Er plädierte dafür, sie ausschließlich als Mietwohnungen zu vergeben und schlug auch vor, dass bei den großen privaten Bauprojekten der Staat einen Teil der Wohnungen aufkaufen sollte - so könne man soziale Mixität erreichen.

Beratende Kommission ins Leben rufen

Die einzelnen Punkte konnten gestern nur angerissen werden. Es kristallisierten sich aber verschiedene Wünsche heraus. So möchte man, dass eine gemeinsame Austausch-Plattform im Sinne einer beratenden Kommission ins Leben gerufen wird und möchte auch in den sozialen Wohnungsbau mit einbezogen werden. Man fand auch die Idee gut, eine Anlaufstelle für die Vereinigungen zu gründen, die die Auslese der Kunden macht und sie gezielt an die richtige Adresse schickt. Hansen wird nun sechs Versammlungen organisieren, um mit den Bürgern zu sprechen. Die gestrige Kick-off-Veranstaltung soll auf alle Fälle ein Follow-up bekommen.