FRANKFURT/MAIN
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Frankfurter Währungshüter halten sich weiter alle Optionen offen

Europas Währungshüter dämpfen die Sorgen vor fallenden Preisen im Euroraum - und stemmen sich zunächst nicht mit noch billigerem Geld gegen niedrige Inflationsraten. Zwar erwartet die Europäische Zentralbank (EZB) auch in den kommenden Monaten Teuerungsraten, die weit von ihrem Stabilitätsziel von knapp unter 2,0 Prozent entfernt sind. Notenbank-Präsident Mario Draghi betonte jedoch gestern in Frankfurt: „Sowohl nach oben als auch nach unten sind die Risiken der Preisentwicklung begrenzt.“

Neue Sorgen vor einer Deflation

Im Januar war die Jahresteuerung im Euroraum - vor allem wegen sinkender Energiepreise - auf 0,7 Prozent gefallen. Das hatte neue Sorgen vor einer Deflation entfacht, also einer Spirale sinkender Preise, bei der Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiterer Rückgänge in einen Käufer- und Investitionsstreik treten. Diese Gefahr sieht Draghi derzeit nicht: „Gibt es eine Deflation? Die Antwort ist Nein.“

Zum Teil sei die niedrige Inflation auch mit den Preisanpassungen in den Krisenländern verbunden, die wettbewerbsfähiger werden müssten. „Und das ist willkommen“, erklärte Draghi. Zudem deuteten aktuelle Konjunkturdaten eher darauf hin, dass die Nachfrage anziehe statt nachzulassen.

Insgesamt sah der EZB-Rat somit zunächst keine Veranlassung, die Zinsen noch weiter zu senken. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Das hatten die meisten Volkswirte so auch erwartet.

Einige Beobachter rechnen nun im März mit dem nächsten Zinsschritt nach unten: Dann veröffentlichen die Währungshüter ihre neuesten Wachstums- und Inflationsprognosen. Bisher prognostiziert die EZB im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent. Diese Erwartung befeuerte Draghi gestern allerdings nicht. Helaba-Experte Ralf Umlauf erklärte: „EZB-Präsident Mario Draghi machte deutlich, dass weiterhin alle Optionen offen stehen, akuten Handlungsdruck scheint es aber nicht zu geben.“ Damit sei eine weitere Lockerung der Geldpolitik keineswegs ausgemacht.

„Bereit und gewillt zu handeln“

Draghi betonte, die EZB unterschätze die Risiken anhaltend niedriger Inflationsraten nicht: „Wir stehen bereit und sind gewillt zu handeln, falls nötig.“ Die Notenbank beobachte die Inflationsentwicklung sehr genau. Draghi bekräftigte zudem erneut die Einschätzung der Notenbank, dass die Niedrigzinsphase noch für einen längeren Zeitraum anhalten werde. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt normalerweise den Preisauftrieb.

Turbulenzen an den Finanzmärkten in Schwellenländern als größtes Risiko

Ein Risiko für die allmähliche wirtschaftliche Erholung des Euroraums sieht Draghi in den Turbulenzen an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer. Schwächere Exporte könnten die Euro-Wirtschaft ebenso gefährden wie mangelnde Binnennachfrage und verschleppte Strukturreformen in einigen Mitgliedsländern der Währungsunion.

„Sollte sich die Situation in den Emerging Markets zu einer länger anhaltenden Krise auswachsen, könnte das, wie Draghi heute betont hat, die Situation auch für die Eurozone eintrüben und die EZB zum Handeln veranlassen“, schreibt Jan Holthusen, Leiter Anleihenresearch der DZ Bank. Nach Draghis Einschätzung ist die konjunkturelle Erholung im Euroraum ohnehin noch fragil und ungleich verteilt, aber sie komme voran.