LONDON/MENLO PARK/BRÜSSEL
DPA

Börsenwert ist nach Datenskandal um 35 Milliarden Dollar gesunken

Nach dem Facebook-Skandal um den massiven Missbrauch von Nutzer-Informationen durch eine Datenanalyse-Firma mahnt der europäische Datenschutzbeauftragte Giovanni Buttarelli grenzübegreifende Lösungen im Umgang mit Internet-Giganten an. „Gesetze sind national, Daten sind es nicht“, sagte Buttarelli gesternin Brüssel. Deshalb müssten auch internationale Lösungen gefunden werden.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschaffen konnte. Die Firma soll im US-Wahlkampf entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook Anhänger des heutigen Präsidenten Donald Trump zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Dieser Fall sei nur die Spitze des Eisberg, sagte Buttarelli. Er zeige, wie Daten zur Manipulation genutzt werden könnten. „Das Problem ist real und riesig.“ Das Facebook-Unternehmen selbst schlittert unterdessen in eine schwere Krise. Rufe nach mehr staatlicher Aufsicht über Online-Plattformen werden lauter. Die US-Aufsichtsbehörde FTC habe Ermittlungen zu dem Fall eigeleitet, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutz-Regeln feststellen, kann sie hohe Strafen verhängen.

International laufen Ermittlungen an

Die Facebook-Aktie fiel bereits am Montag um rund sieben Prozent, und das löschte über 35 Milliarden Dollar Börsenwert aus. Am gestrigen Dienstag geriet das Papier nach dem Bericht über die FTC-Ermittlungen erneut unter Druck.

Gründer und Chef Mark Zuckerberg und seine rechte Hand Sheryl Sandberg würden sich erst zu dem Fall äußern, wenn interne Untersuchungen abgeschlossen seien, berichtete Bloomberg. Die „New York Times“ berichtete, dass der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos Facebook verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden, schrieb die Zeitung. Facebook sperrte inzwischen die Analyse-Firma aus, weil sie die unrechtmäßig erhaltenen Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht habe. Allerdings zeigen sich Politiker entsetzt, dass es für Cambridge Analytica überhaupt möglich war, leicht nicht nur an Informationen der Nutzer zu kommen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sondern auch von deren Freunden. In den USA baten Senator Ron Wyden aus Oregon und der Generalstaatsanwalt von Connecticut, George Jepsen, Facebook um eine schriftliche Stellungnahme. Der US-Staat Massachusetts kündigte zudem Ermittlungen an.

Die britische Datenschutzbehörde beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica. Cambridge Analytica geriet weiter unter Druck, nachdem ihr Chef vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt haben soll. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle.