LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Die EU ist nach wie vor eine tolle Sache, auch wenn die gute alte Dame mittlerweile ziemlich viele Sorgenfalten im Gesicht trägt. Deshalb wollen auch alle der Union ein Facelifting verpassen“, meinte die „Wort“-Wochenrückblickerin angesichts der Europawahlkongresse der Parteien. „Ein bisschen Sozial-Botox und ein grüner Lidschatten und schon reitet die verjüngte Europa wieder in alter Frische den Stier“. Na schön wär’s! Die alte Dame EU, die allerdings noch etwas jünger ist als Astrid Lulling, leidet vor allem unter den schäbigen Machtpolitikern, die sie dauernd als Vogelscheuche missbrauchen, um beim Wahlvolk zuhause zu punkten. Und unter der Inkonsequenz der EU-Oberen aus der gleichen „politischen Familie“, diese schlimmen Finger in die Schranken zu weisen. In Ungarn drischt der Machthaber mit steuerfinanzierten Kampagnen im Nazi-Propaganda-Stil auf den EU-Kommissionsboss ein und was passiert? Die Fidesz-Mitgliedschaft in der Europäischen Volkspartei wird zeitweilig auf Eis gelegt. Nur weil der dröge Manfred Weber (CSU) sich die Unterstützung der Ungarn für den EU-Kommissionsboss-Posten nicht verscherzen will. „Heh? Ein bisschen schwanger oder was?“ hinterfragt das „Wort“ zu Recht die Pirouette, die zeigt, dass der Europäische-Werte-verteidigen-Diskurs nur Sonntagsrederei ist.