LUXEMBURG
INGO ZWANK

Tommy Schlesser über die „leichte“ und „schwere Kost“ der Schauspielerei - und „Superjhemp“

Ein Blick in den offiziellen schauspielerischen Steckbrief: Spielalter: 25 - 35 Jahre, Größe: 191 cm, Instrumente: Perkussion, Tanz: Freestyle, Sport: Basketball, Fitness, Haarfarbe: blond, Augenfarbe: blau, Statur: athletisch-sportlich. Das ist die Karte von Tommy Schlesser, der aktuell als „Tom Jitée“, Chefredakteur von RTHell, in „Superjhemp retörns - de Film“ zu sehen ist. Doch ehe es zur Rolle in diesem „luxemburgischen Blockbuster“, wie er es formulierte, kam, blickt der Schauspieler im Gespräch mit unserer Zeitung auf gute 20 Jahre Schauspielerei in den unterschiedlichsten Rollen und Intentionen zurück.

Zuerst ging es recht amateurhaft zu

Alles begann bereits im Alter von acht, neun Jahren. „Da haben wir bereits unsere eigenen Filme gedreht, vor allem Krimis“, erzählt Schlesser mit einem breiten Grinsen. Diese hätten er und seine Geschwister mit der Kamera des Vaters produziert. ,,Die waren natürlich amateurhaft, keine große Handlungen“, so Schlesser - der seine frühen Werke eingestaubt auf VHS in einer Kiste vermutet - doch hier wurde wohl die Begeisterung zum Film geweckt.

Eigentlich, ganz eigentlich und früher wollte Schlesser Jurist werden, die familiär vorgegebene Richtung einschlagen. „Mein Vater, Großvater und Ur-Großvater waren Juristen“, erzählt er, doch schnell merkte Schlesser, dass das Strafrecht, was ihn interessierte, aber nicht die Lebenserfüllung darstellte. Richter, Staatsanwalt, als Anwalt Straftäter verteidigen, nein, das war dann doch nicht das Richtige für Schlesser, „auch wenn Anwälte ja irgendwie auch Schauspieler sind.“

Gab es den Schlüsselmoment, wo der Traum für die Schauspielerei geboren wurde? „Ich glaube eigentlich nicht. Ich fand es immer faszinierend, begeisternde Filme zu sehen“, sagt Schlesser, der auch hier und da Theater gespielt hat, „in der Jugend“ - er nennt die James Bond-Filme, „die ich in den 90er wohl geschaut habe. Eintauchen in ein Filmuniversum, mit Popcorn-Becher, wo man regelrecht eintauchen kann…“

Und genau das will Schlesser auch erreichen: „Die Zuschauer sollen ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmen. Es soll ein bleibender Eindruck erzeugt werden.‘‘

So zog es ihn an die „Film Acting School“ nach Köln, ganz mit dem Segen der Familie - doch ein Angebot für die Sitcom „Comeback“ bei RTL in Luxemburg, in der er Jacques spielte, kam dazwischen. „In Köln an der Akademie sagte man mir, ein Platz werde freigehalten, ich sollte aber unbedingt das Angebot in Luxemburg annehmen.“ Dabei ginge es darum, Erfahrungen zu sammeln, im Umgang mit dem Regisseur, der Kamera - und Text lernen. 2015 folgte eine Gastrolle in „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. „Hier habe ich den klassischen Frauenschwarm gespielt, den Sunnyboy“, sagt Schlesser mit einem Schmunzeln. „Aber ich bin sehr froh über die Rolle, auch wenn es nur ein Gastauftritt für ein paar Folgen war.“

Zwei Ziele hatte sich der 29-Jährige bereits am Anfang seiner Karriere gesetzt: „Eine Rolle in GZSZ zu bekommen und bei Rosamunde Pilcher“ - beides hat er in nun jungen Jahren bereits erreicht. Dabei gerät er ins Schwärmen von den Dreharbeiten zum Rosamunde Pilcher-Film in Cornwall. „Es war toll. Drei Wochen in einer solch wunderschönen Kulisse drehen zu dürfen und dann auch noch in so einer außergewöhnlichen Rolle (für einen Pilcher-Film) ist ein Geschenk. Ich spiele im Film nämlich einen homosexuellen Arzt. Es war mir eine Ehre mit so tollen Kollegen wie Joscha Kiefer, Helmut Zierl, Manuel Mairhofer und Anna Hausburg zusammenarbeiten zu dürfen.“ In der Geschichte „Die Braut meines Bruders“ hat der Fußballprofi Marc, gespielt von Joscha Kiefer, eine Beziehung zu seinem Mannschaftsarzt Sam, gespielt von Tommy Schlesser. Sam ist es leid, sich verstecken zu müssen, er möchte, dass sie die Beziehung endlich öffentlich machen. Doch Homosexualität ist immer noch ein Tabuthema in der Welt des Fußballs - und „es ist auch eine Premiere bei Rosamunde Pilcher“, sagt Schlesser mit Blick auf die Rolle.

„Schwere Kost“

Und nun? Gerne möchte er mehr bei ARD und ZDF vor der Kamera stehen, dabei sei es egal, ob im Film oder in Serien. Schlesser könnte sich so auch durchaus vorstellen, weitere Pilcher-Filme oder das Traumschiff zu drehen. Doch ein Schubladen-Denken fällt schwer in Bezug auf Schlesser. Ein Soap- oder Sitcom-Schauspieler ist Schlesser bestimmt nicht. Auch wenn er selbst seine Rollen - ganz grob gesehen - in „leichte“ und „schwere Kost“ einteilt. 2016 zeigte er in dem Kurzfilm „Long Lost“ besagte „schwere Kost“. Er schlüpfte in die Rolle eines Obdachlosen, hat sich mit Obdachlosen bei der „Stëmm vun der Strooss“ unterhalten und sich so auf die Rolle vorbereitet.

Im neuen „Superjhemp retörns - de Film“ ist Schlesser - neben seiner aktuellen Fernsehpräsenz in „Zëmmer ze verlounen“ - ebenfalls mit von der Partie. Anders als im Rosamunde Pilcher-Film musste Schlesser für den Superjhemp-Film zum Casting antreten. „Beim ZDF muss man im Rahmen der Besetzung viele Instanzen durchlaufen. Regisseur, Produzent, Redaktion, alle müssen mit der Schauspieler-Besetzung einverstanden sein“ - und Schlesser nennt in einem Atemzug den Luxemburger und Pilcher-Regisseur Marco Serafini, mit dem er nun bereits viel zusammengearbeitet hat. „Ein Freund, dem ich einiges zu verdanken habe...“

Beim Casting zum „Superjhemp“ musste Schlesser, wie alle anderen, vorsprechen, „zwei Szenen und eine Improvisation“, wie der Schauspieler erzählt, „es war, glaube ich, das längste Casting, was ich bisher machen musste.“ Ganze 1,5 Stunden hätte das Vorsprechen im Winter 2016 gedauert - doch dann hatte er die Rolle des Chefredakteurs von RTHell, eines „extrem arroganten Vogels“, so Schlesser, der sich beim Anschauen des Films vor einiger Zeit selbst erschrocken hatte, wie er doch diesen Charakter gespielt hat. Dabei sei der Film über den Luxemburger Nationalhelden längst überfällig gewesen. „Das ist der erste echte Blockbuster von Luxemburg für Luxemburg“, schließlich gebe es bisher auch nichts Vergleichbares. „Mit einem Hauch vom großen Amerika“, sagt Schlesser, der ein Strahlen ins Gesicht bekommt hat, als er über den Film erzählt. „In den 90er Jahren wollte man ja schon einmal einen Film über ihn machen. Doch heute hat man ganz andere Möglichkeiten, auch um Superjhemp fliegen zu lassen. Und in den 90er hätte ich nicht mitspielen können, da war ich noch zu jung“, so Schlesser.

Käme man nun auf die Idee, bei Schlesser entsprechende Starallüren aufgrund seines vorhandenen Erfolges zu vermuten, so täuscht man sich gewaltig, das absolute Gegenteil ist der Fall. Unkompliziert und offen präsentiert sich der frischgebackene Vater - und überraschend ausgeschlafen. „Alles ist toll mit Marie“, sagt der Familienvater, der von seinen ganzen Familienleben schwärmt - und den es auch nicht stört, „wenn Leute auf der Straße mich ansprechen. Es zeigt mir, dass meine Arbeit den Leuten gefällt.“ Wenn dies der Fall ist, „man also Erfolg hat“, sollte man dankbar dafür sein, sagt Schlesser, da seien Selfies mit Fans „eine Bestätigung der eigenen Arbeit“, von der Schlesser selbst sagt: „Ich arbeite in einem Job, wo ich nicht weiß, was morgen ist…“ Doch die wird dem wandelbaren Schauspieler sicherlich so schnell noch nicht ausgehen.