LEIPZIG/BERLIN
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Urteil in Leipzig setzt Hersteller weiter unter Druck

Im Kampf gegen schmutzige Luft in deutschen Städten sind Fahrverbote für Dieselautos grundsätzlich erlaubt. Nach jahrelangem Streit entschied das Bundesverwaltungsgericht am gestrigen Dienstag, dass Kommunen Straßen oder Gebiete für Dieselautos sperren dürfen. Dies muss aber der einzige Weg zum schnellen Einhalten von Grenzwerten zum Gesundheitsschutz sein. Außerdem soll es Ausnahmen etwa für Handwerker und bestimmte Anwohner geben. Nach der Entscheidung steigt auch der Druck auf die Autobauer, bei Abgas-Nachbesserungen nachzulegen.

Autofahrer sind die Leidtragenden

Konkrete Folgen dürfte es bereits für Dieselfahrer und Anwohner in Hamburg geben. Dort soll es schon in zwei Monaten begrenzte Diesel-Fahrverbote geben. Kommunen und Umweltschützer wollen eine blaue Plakette, um damit relativ saubere Autos zu kennzeichnen und Verbote einheitlich und kontrollierbar zu machen. Obwohl die Luftbelastung mit Stickoxiden in vielen Städten deutlich zurückgegangen ist, überschreiten laut Umweltbundesamt weiter rund 70 Kommunen die Grenzwerte.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) betonte, das Gericht habe „kein „Muss“ für Fahrverbote ausgesprochen.“ Es müsse sorgfältig vor Ort abgewogen werden, welche Instrumente „zielführend und verhältnismäßig“ seien. Es liege nun in der Hand der Politik, einen Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen zu vermeiden. Bislang weigerten sich die Hersteller, btetroffene Fahrzeuge umzurüsten.

Die Diskussionen um ein Ende der Steuerprivilegien für Dieselkraftstoff sorgen für weitere Unsicherheit. „Die Zukunftsperspektiven für den Diesel stehen nicht besonders gut, die Möglichkeiten zur Umrüstung sind begrenzt und schon gar nicht günstig“, sagt Prof. Manfred Fischedick, Energie- und Klimaforscher und Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Aus einem Diesel lasse sich ohne immensen Kostenaufwand nun mal kein Elektro-, Erdgas- oder Wasserstoff-Fahrzeug machen.

Anders sieht das Thomas Korn, Geschäftsführer des bayerischen Start-ups Keyou, das Fahrzeuge von Diesel- auf Wasserstoff umrüstet: „Unser Ziel ist es nachhaltig erzeugte Wasserstoff-Mobilität auf die Straße zu bringen, die sauber und wirtschaftlich zugleich ist.“ Zwar bieten einige Hersteller mittlerweile solche Fahrzeuge an. Deren Vorteile gegenüber Elektroautos liegen in der bisher deutlich höheren Reichweite von mehr als 500 Kilometern sowie im nur wenige Minuten dauernden Tankvorgang. Allerdings muss man erst einmal eine Tankstelle finden. Aber nicht nur die fehlende Infrastruktur, auch der Preis von Brennstoffzellen-Autos ist eine hohe Hürde.

So kostet etwa ein Toyota Mirai das Doppelte oder gar mehr als E-Autos wie VW E-Golf, Kia Soul EV oder Renault Zoe. Ob Wasserstoff, Strom oder Gas - schmerzlich ins Geld ginge eine Anschaffung eines entsprechenden Neufahrzeugs als Ersatz für einen Diesel auf jeden Fall. „Letztlich kann man Diesel-Besitzern nur empfehlen, Ruhe zu bewahren und ihr Auto erst einmal zu behalten“, rät Kolke, der nicht an das kurz bevorstehende Aus der Dieseltechnologie glauben mag.