ROODT-SUR-SYRE
PATRICK WELTER

„Fairtrade“ verzeichnet Erfolge am Markt, aber es bleibt noch viel zu tun

Es geht nicht um die Frage Protektionismus oder freier Welthandel, das Ziel muss fairer Handel sein!“ So lautet die zentrale Aussage bei der Jahresbilanz von „Fairtrade“-Luxemburg, die Jean-Louis Zeien und Geneviève Krol gestern vorstellten. Das Ziel aller „Fairtrade“-Organisationen ist es, für gerechte Entlohnung und erträgliche Arbeitsbedingungen in den Ländern der Dritten Welt zu sorgen. Damit nicht nur der Handel, sondern auch die Bauern und Genossenschaften von Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao am Endprodukt in unseren Geschäften verdienen.

Immerhin haben die Luxemburger 2017 für einen Umsatz von 19 Millionen Euro mit „Fairtrade“-Produkten gesorgt. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben für fair gehandelte Produkte liegt Luxemburg auf einem hervorragenden sechsten Platz - weltweit. Luxemburger geben 32 Euro pro Kopf und Jahr „fair“ aus. Ganz vorne sind Irland mit 71,6 Euro, die Schweiz mit 71,3 Euro und Finnland mit 42,5 Euro. Die luxemburgischen Nachbarländer folgen abgeschlagen: 16 Euro pro Kopf in Deutschland, 11,8 Euro in Belgien und nur acht Euro in Frankreich.

Natürlich sei dieses Ergebnis für Luxemburg gut, aber insgesamt hat der faire Handel noch Luft nach oben. In Luxemburg wurden im letzten Jahr 2.563 Produkte mit dem Fairtrade-Label in 200 Verkaufsstellen vertrieben. Darüber hinaus nützen 25 luxemburgische Hersteller für ihre hierzulande gefertigten Endprodukte faire Rohstoffe. Als Beispiel für eine perfekte Ergänzung heimischer Anliegen und der Sorgen südlicher Produzenten gilt die „faire“ Schokoladenmilch, die aus fairen Importen und fairer Milch von luxemburgischen Höfen hergestellt wird.

Bananen first!

Die Rangliste der in Luxemburg gehandelten fairen Produkte führen die Bananen an, die einen erstaunlichen Marktanteil von 28 Prozent erreicht haben. Mittlerweile gehen auch biologischer Anbau und fairer Handel bei den Bananen Hand in Hand. Der massive Einsatz von Pestiziden auf konventionellen Bananenplantagen hat nicht nur Folgen für die Umwelt, sondern vor allem für die Arbeiter und Anwohner der Plantagen. Bei 40 Kilogramm (!) Pestiziden, die etwa in Costa Rica pro Jahr und Hektar ausgebracht werden, ist die schleichende Vergiftung der Landbevölkerung kein Wunder - chronische Erkrankungen und Missbildungen bei Kindern sind die Folge. Partner von „Fairtrade“ setzen sich diesen Gefahren nicht aus.

Lasst Blumen sprechen

Erfolgreich ist man auch mit den „Fairtrade“-Blumen. Im Nachbarland Deutschland sind sie der Renner unter den „Fairtrade“-Produkten, in Luxemburg liegen sie immer hin auf Platz zwei. Der Erfolg der „fair“ behandelten Rosengärtner in Kenia übt jetzt auch Marktdruck auf die konventionellen Plantagen aus. Soll heißen: Der Einsatz von wenigen oder keinen Giften, die vorgeschriebene Nutzung von Schutzanzügen, angemessene Preise und entsprechende Löhne schlagen sich direkt bei den Genossenschaften und Arbeiterinnen nieder. Gute ökologische Bewertungen der Ware in Europa sorgen für weiteren Absatz - übrigens hinterlässt eine aus Kenia eingeflogene Freiland-Rose einen kleineren ökologischen Fußabdruck als eine Rose aus einem europäischen Gewächshaus.

Ein trauriges Kapitel ist hingegen weiterhin der Kakao-Anbau. Die Zusage, dass ausbeuterische Kinderarbeit auf den konventionellen Kakaoplantagen bis 2010 verschwinden wird, konnte nicht eingehalten werden. Kinderarbeit ist weiter an der Tagesordnung - Süßer Schokolade bleibt dadurch weiterhin ein sehr bitterer Beigeschmack.

www.fairtrade.lu