LUXEMBURG
DANIEL OLY

Nachhaltige Kleidungskampagne gestartet

Wie steht es um die Kleidungsindustrie und das Wissen um schlechte Praktiken, horrende Arbeitsbedingungen und die unnachhaltige Produktion der Textilindustrie in der dritten Welt bei den Käufern im Großherzogtum? „Die Käufer sind sich zwar bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten etwas ändern können“, fasste es Tommy Klein des Umfrageunternehmens TNS Ilres gestern zusammen. Immerhin 55 Prozent gaben demnach an, ihr Kaufverhalten nach einem Skandal zu verändern. „Trotzdem sind die Themenbereiche Soziale Verantwortung und Naturschutz bei der Herstellung nur für 9 bis 13 Prozent der Befragten ein Kaufargument.“

Deutlich Luft nach oben also, wie der Minister für soziale Sicherheit, Entwicklungshilfe und Humanitärfragen Romain Schneider gestern befand. Gemeinsam mit den Partnern von Caritas Luxembourg und Fairtrade Lëtzebuerg wird deshalb die Kampagne „ReThink your clothes“ ins Leben gerufen.

Informationsgehalt und Appell

Ziel der Kampagne: „Wir wollen wieder ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es auch alternativen bei den Produkten gibt“, meinte Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs. „Wieder ein Verständnis dafür aufbauen, was der Konsum und die ungebremste Produktion vor Ort in den Entwicklungsländern mit den Menschen - der Großteil davon Frauen - anstellt“, meinte sie.

Die Kampagne, die gemeinsam mit Fairtrade und dem Ministerium gestartet wird, soll deshalb auch an die Opfer der mitunter schrecklichen Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern erinnern. Weltweit arbeiten rund 60 Millionen Menschen in der Textil- und Kleidungsindustrie, „oft unter schlechten Bedingungen und teilweise im Verbund mit Kinderarbeit“, unterstrich Schneider. Mit dieser Initiative nehme die Regierung selber das Szepter in die Hand, anstatt weiter auf internationale Richtlinien, etwa seitens der EU, zu warten.

Um wirklich etwas zu bewegen, müssten neben den Herstellern selbst deshalb vor allem die Kunden wieder mehr einbezogen werden. „Wir konzentrieren uns deshalb auf Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen, damit Käufer besser verstehen, dass alternative Produkte und Upcycling für Kleidung auch weiter ein Thema sind“, sagte Schneider. Der Reflex sei derzeit indes schon nicht schlecht, wie die Ilres-Umfrage zeigt: 42 Prozent gaben an, ihre alten Kleider zu spenden.

Ein anderes Konsumverhalten heiße natürlich nicht, gar nichts mehr zu kaufen; vielmehr gehe es um Bewusstsein. „Unsere Kleidung ist unser engster Begleiter im Alltag, aber nicht jeder macht sich viele Gedanken über Herstellung“, meinte Jean-Louis Zeien von Fairtrade Lëtzebuerg. „Während in Entwicklungsländern Trendfarben ganze Flüsse färben und Baumwollfelder mit Pestiziden besprüht werden, kommt davon hier nichts an.“ Deshalb setze die Kampagne den Fokus auf die wichtigen Teilnehmer im ersten Glied der Produktionskette an: Den Konsumenten. „Wir haben schon solide Grundarbeit für einen bewussten Handel, unter anderem mit dem Fairtrade-Baumwolle-Label und Fairtrade-Labels für bessere Produktionsbedingungen“, sagte er. Diese Alternativen gelte es nun, ins Rampenlicht zu rücken. Denn: „Solange wir uns nicht umstellen, leben die wahren Fashion Victims woanders.“