LUXEMBURG
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SOPACDI Kooperativ-Gründer Joachim Munganga auf Werbetour im Großherzogtum

Zwei Milliarden Tassen Kaffee werden jeden Tag konsumiert, was rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr generiert. „Kaffee ist somit weltweit der zweitwichtigste Exportrohstoff und war 1988 das Fairtrade-Pionierprodukt“, wie gestern Geneviève Krol von Fairtrade Lëtzebuerg betonte. So beschäftige der Anbau von Kaffee weltweit rund 25 Millionen Menschen, was eine wichtige wirtschaftliche Säule in vielen Ländern bilde - so auch in der Demokratischen Republik Kongo.

SOPACDI, die „Solidarité Paysanne pour la Promotion des Actions Café et Développement Intégral (Landwirtschaftssolidarität zur Förderung von Kaffee und integraler Entwicklung)“, eine Organisation von über 9.000 Kleinbauern und Farmern, von denen etwa 20 Prozent Frauen sind, produziert hier in der Nähe des Kivu-Sees auf einer Höhe von 1.460 bis 2.000 über dem Meeresspiegel Kaffee. Joachim Munganga, der selbst Bauer war und 2002 SOPACDI gründete, war gestern mit Evelyne Sifa vom Frauenkomitee der Kooperative zu Gast bei Fairtrade Lëtzebuerg.

Erste Fair-Trade-Zertifizierung in der Demokratischen Republik Kongo

Jeder Landwirt habe eine sehr kleine Ackerfläche für seinen Kaffee, die geernteten Kaffeebohnen übergebe der Bauer dann der SOPACDI Kooperative, die den Kaffee weiterverarbeitet und entsprechend vermarktet, wie Munganga erzählt. Seine Kooperative sei so die erste gewesen, deren Kaffee eine Fair-Trade-Zertifizierung und Bio-Zertifizierung in der Demokratischen Republik Kongo erhielt. „Jetzt wird den Landwirten in unserem extrem abgelegenen Hochland ein Service und Marktzugang angeboten“, freut sich Munganga.

Das war aber auch mal anders. Er beschrieb in seinem Vortrag die schwierige Lage in seiner Region. Krisen und Kriege hätten den Kaffeeanbau in den vergangenen Jahren fast zum Stillstand gebracht. Viele Kleinbauern hätten all ihre Perspektive verloren, „denn sie waren schlecht ausgestattet und hatten eben keinen Marktzugang.“ So sei SOPACDI vor Jahren angetreten, um den Kaffeeanbau und -verkauf wieder auf die Beine zu stellen und die lokale Ökonomie zu stärken. Denn die Bedingungen rund um den Kivu-See seien nun einmal für den Kaffeeanbau ideal, erklärt Munganga. Anfangs sei ein Großteil des Kivu-Kaffees ohne weitere Säuberung in der Sonne getrocknet worden - so sei er nur noch für den Massenmarkt rentabel gewesen. „Es war eben eine schlechte Situation mit vielen Problemen“, so Munganga. Ohne technische oder staatliche Unterstützung sei ein Vorankommen nicht möglich gewesen. Internationale Nichtregierungsorganisationen hätten sich zwar für die Entwicklung der Region eingesetzt, der Kaffeesektor und die Landwirtschaft seien aber auf der Strecke geblieben. Die wirtschaftlichen Bedingungen hätten daher auch Bauern gezwungen, ihren Kaffee ins benachbarte Ruanda zu schmuggeln, ein recht gefährliches Unterfangen. So konnte es also nicht mehr weitergehen, sagte sich Munganga. Er baute eine Kaffeebohnen-Waschstation in der Region auf, um den Grundstein für die Veränderungen zu legen. Munganga betonte, dass in der Kooperative auch die Frauen ihren rechtmäßigen Stellenwert haben, was auch Sifa im Namen der Produzentinnen unterstrich.

2008 konnte die Kooperative erstmals Kaffee vermarkten, und der zähle zu den besten auf dem Markt. In der Kooperative mit den entsprechenden Vorteilen wie unter anderem Sozialprämien sind nun Tausende von Kleinbauern zusammengeschlossen, dies ganz ohne staatliche Hilfen. Jean-Louis Zeien von Fairtrade Lëtzebuerg ging wie Krol auch auf eine Studie ein, die belegt, dass „Fairer Handel das erfolgreichste Alternativmodell im Bereich des Kaffeesektors ist, auch mit Blick auf das Einkommen für die Produzenten.“ So habe Fairer Kaffee in Luxemburg aktuell einen Marktanteil von rund zehn Prozent. „Doch der Faire Handel muss weiter unter fairen Bedingungen vorangetrieben werden - mit aller notwendigen Transparenz“, sagte Zeien, „denn auch in dieser Kooperation von Joachim wird nur ein Drittel der Produktion fair gehandelt. Daher ist der direkte Kontakt mit dem Markt hier in Europa wichtig.“ Eine Notwendigkeit, um Preise sicherzustellen, von denen auch die Produzenten leben können.

 

fairtrade.lu