Diekirch Am letzen Verhandlungstag des Prozesses um den Tod von Nancy Wolff hatten der Verteidiger des Angeklagten, Gilbert Reuter, und der Vertreter der Nebenkläger des Opfers, Pol Urbany, vor der Forderung des Staatsanwaltes Philippe Kerger das Wort.

Da durch die Autopsie keine groben Gewalteinwirkungen am Opfer festgestellt wurden, sprach Reuter von einer Tat im Affekt, ohne Absicht zu töten, welche unter dem Einfluss von Medikamenten, vermischt mit Alkohol, ausgeführt wurde. Laut dem Psychiater hätte der Angeklagte nach Diagnose einer Schizophrenie starke Beruhigungsmittel genommen, welche unter Einfluss von Alkohol zu unüberlegten Taten führen könnten. Außerdem wies er auf den familiären Hintergrund der Partnerschaft hin, wo es aufgrund von Geld- und Alkoholproblemen bereits öfters zu Streitereien gekommen wäre. Schließlich forderte er beim Strafmaß die Anwendung von Artikel 71.1, einer verminderten Zurechnungsfähigkeit zur Tatzeit. Zehn bis 14 Jahre Haft, teils mit Bewährung für eine psychiatrische Behandlung, wären angemessen, so Reuter.

Viele Ungereimtheiten

Urbany wies auf die vielen Ungereimtheiten bei den Aussagen des Angeklagten, dem er eine selektive Vergesslichkeit vorwirft, hin. Laut Anwalt müsste aufgrund der Aussagen der Nachbarin die Tatzeit genau definiert werden, um zu wissen, ob der Angeklagte vor der Tat überhaupt Medikamente und Alkohol konsumiert hätte. Als erschwerend sieht Urbany auch den Zeitraum von sieben Monaten, ehe der Angeklagte die Tat gestanden hat und das Opfer geborgen wurde. Auch deute das Verhalten des Angeklagten während und vor der Tat nicht auf eine Affekthandlung hin. Dies sei keine fahrlässige Tötung ohne Tatvorsatz, sondern ein Mord mit Absicht, so Urbany abschließend.

Strafmaß

Staatsanwalt Kerger seinerseits sprach von einem schwierigen Fall mit vielen Fragezeichen. Er bewertete den Wurf über das Geländer der Stauseebrücke, welcher vom Angeklagten zugegeben wurde, als Totschlag mit der Absicht zu töten. Aufgrund der diagnostizierten Schizophrenie schlug er die Anwendung von Artikel 71.1 (verminderte Zurechnungsfähigkeit mit Strafminderung) vor. 21 Jahre Haft , davon ein kleiner Teil mit Bewährung für eine angemessene psychiatrische Behandlung, lautet seine Forderung. LJ
Das Urteil wird am 21. Februar auf dem Bezirksgericht in Diekirch
gesprochen