LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert 36 Monate Haft für Medium Sekou D.

Von der Staatsanwaltschaft in Diekirch angeklagt ist ein „Grand Médium“, Sekou D. (27), der Wert darauf legt, ein „Grand Voyant“ zu sein. Der Lebensberater - wie er sich selbst nennt - hatte am Donnerstag am Bezirksgericht in Diekirch Erklärungsbedarf, denn er könne als Medium Kontakt zur Geisterwelt aufnehmen, sagte er fast entschuldigend. „Es geschieht von allein, es ist für mich etwas ganz Natürliches.“

Er nannte sich Professor Diama. Sechs gut betuchte Frauen und zwei Männern hatte er dazu gebracht, ihm insgesamt 115.805 Euro zu überlassen. Er habe die Menschen aber nicht betrogen, versicherte der wortgewandte Angeklagte, der sich seiner rhetorischen Stärke bewusst sein dürfte. „Alle lügen“, sagte er. Was den Vorsitzenden Richter Robert Welter stutzig machte, war der Umstand, dass „gerade alle Opfer lügen würden!“ Auf die Frage, was er denn mit dem vielen Geld gemacht habe, sagt der Angeklagte: „Um Geister zu beschwören“ - bot er doch den Kunden auch an, sie durch Rituale zu heilen oder ihnen zu helfen. Das Geld habe er für den Kauf von sieben Kühen, Hühnern, Schafen und diverser Produkte gebraucht.

Immer das gleiche Szenario

Oft haben Menschen, die irgendwelche Probleme hatten, diesen Geisterbeschwörer aufgesucht und sind durch Rituale, durch Einnehmen einer Flüssigkeit oder durch irgendeinen geschickten Kunstgriff ihr Geld los geworden. Einer 47-jährigen Frau machte der 27-Jährige laut Anklage vor, zwischen Januar und Juni 2018, ihr bei ihren Problemen helfen zu können. Die Frau war Opfer eines Autounfalls und psychisch nicht gut drauf. Er habe von der Situation profitiert, die psychisch instabile Frau psychologisch auszunutzen und sie in den Glauben zu versetzen, er könnte mit Geistern in Kontakt treten, die der Frau helfen könnten. Er habe die Frau überredet, ihm eine Summe von 85.000 Euro zu geben. Im Laufe seiner Gaunerei habe er auch falsche Namen und falsche Identitätspapiere benutzt. Er soll die Dame mit seinem Hokuspokus auch noch dazu gebracht haben, einen Stoffsack mit 17.500 Euro unter das Bett zu legen - laut Staatsanwaltschaft habe er dafür gesorgt, dass das Geld nicht lange da liegen blieb. Weil das Opfer einen Betrug vermutete, benachrichtigte die Frau die Polizei, die den Betrüger in flagranti erwischen und festnehmen konnte. In der Nebenklage forderte die Frau eine Entschädigung von insgesamt 105.000 Euro. Einem 54 Jahre alten Mann luchste er 650 Euro ab, um mit Geistern in Kontakt zu treten.

Einer anderen 51-jährigen Frau soll er im Oktober 2017 für 895 Euro geholfen haben, dass ihr verstorbener Mann in den Himmel kommt. Zwischen Juli 2017 und April 2018 sorgten seine Geister dafür, dass ihrer Familie nichts geschieht. Im Januar 2018 waren die Geister besonders gierig. Einer 47-jährigen Frau habe er in diesem Zeitraum 23.050 Euro abgenommen. Er soll die Geister dazu gebracht haben, ihrem Mann eine besonders gute Gesundheit zu besorgen. Zuerst wollte er 50 Euro, sagte die Frau. Es ging dann darum, die bösen Geister in den Griff zu bekommen. Würde sie ihm die 23.050 Euro nicht geben, würde ein Mitglied der Familie sterben. Das Opfer gab zu Protokoll, sie habe ihm geglaubt. „Ich fühlte, wie er mein Unterbewusstsein angezapft hat“, sagte die Frau. Das Geld will sie von ihm zurückhaben.

Voll schuldfähig

Im Oktober 2017 soll er dafür gesorgt haben, dass bei einem Mann (44) dessen Probleme verschwanden. Dafür kassierte er 1.950 Euro. Einem weiblichen Opfer (45) nahm er mit seinem Hokuspokus 930 Euro ab. Als die Frau nicht mehr bezahlen wollte, drohte er ihr. Die Geister, die er gerufen habe, würden sich gegen sie wenden. In ihrer Nebenklage fordert die Frau als Entschädigung die Summe von 1.500 Euro.

Einem weiteren Opfer (56) versprach er, dafür zu sorgen, dass die Seele ihres verstorbenen Ehegatten in den Himmel kommt. Laut Staatsanwaltschaft hätte das mindestens 1.700 Euro gekostet. Der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis meinte, der Angeklagte würde sich seinen Taten nicht stellen. Der Gutachter erklärte den Mann für schuldfähig.

Der Staatsanwalt kam zu dem Ergebnis, die Öffentlichkeit sei durch Tricks verschaukelt worden. Professor Diama hätte Personen, die leichtgläubig, zu vertrauensvoll und naiv gewesen seien, in betrügerischer Absicht Geld aus den Taschen gezogen. Die Staatsanwaltschaft beantragt 36 Monate Gefängnis ohne Bewährung. Das Urteil ist für den 30. Januar 2020 vorgesehen.