LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Claude Wiseler und Octavie Modert fragten vor Ort nach Sorgen und Wünschen der Winzer

Was machen der Wein und der luxemburgische Weinbau? Wie ist der Stand der Dinge und wie sehen die Herausforderungen an die luxemburgischen Winzer für die Zukunft aus?

Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten haben der Fraktionschef der CSV, Claude Wiseler, und Octavie Modert, CSV-Abgeordnete und ehemalige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, einen ganzen Tag lang Winzerbetriebe und Weingüter an der Mosel besucht.

Reaktion

Weinbauminister kann Kritik der CSV nicht nachvollziehen

Der Fraktionschef der CSV, Claude Wiseler, und Octavie Modert, CSV-Abgeordnete und ehemalige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, hatten die Woche einen ganzen Tag lang Winzerbetriebe und Weingüter an der Mosel besucht und im Anschluss daran heftige Kritik am Weinbauministerium geübt.

Am Rande des Grevenmacher‘ Weinmarktes auf diese Kritik angesprochen, meinte Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen (DP), dass er die Standpunkte der CSV-Politiker nicht nachvollziehen könne. Insbesondere die Kritik von Octavie Modert an der so genannten „Maschinenliste“ (Liste der bezuschussungsfähigen landwirtschaftlichen Geräte) gehe an der Realität vorbei. Modert hatte die Liste des Ministeriums als innovationsfeindlich und „ultrafalsch“ bezeichnet. Dem entgegnete Minister Etgen, dass man selbstverständlich innovative Gerätschaften fördere.

Nach Auffassung einiger Ostabgeordneter der Regierungsparteien hängt auch die von den beiden CSV-Politikern geäußerte Kritik an einer zu starken Förderung des Bio-Weinbaus vom jeweiligen CSV-Vertreter ab. Es gebe aus den Reihen der CSV nämlich auch andere Stimmen zum Bio-Weinbau. (pw)

Claude Wiseler betonte dem „Journal“ gegenüber die Notwendigkeit, einen Sektor wie den Weinbau, der mitten in einem Strukturwandel steckt und der vor vielen Zukunftsfragen steht, vor Ort zu erleben und nicht nach Aktenlagen zu betrachten. Es gehe um den direkten Austausch von Ideen, Alternativen und Feedback. Der luxemburgische Weinbau stehe unter starkem Druck der ausländischen Konkurrenz, so Wiseler, und das nicht nur auf den Exportmärkten, sondern auch im Inland verzeichneten ausländische Weine einen großen Zuwachs.

Unnötige Hürden

Am meisten wurde gegenüber den beiden Oppositionspolitikern über die Zunahmen von administrativen Hürden geklagt. Die neuen Vorschriften seien oft lebens- und praxisfern und machten vor allem eines: Viel Arbeit. Egal ob es sich um Verbote zum Verbrennen von Grünschnitt oder Vorschriften über Versicherungspolicen handelt. Octavie Modert nannte als weiteres Beispiel die Liste der zuschussfähigen Landmaschinen, die gegenüber der normalen Landwirtschaft besonders restriktiv und alles andere als innovativ sei. „Die Maschinenliste für den Weinbau ist ultrafalsch“, so Modert. Der Effekt sei, dass innovative und besonders umweltfreundliche Maschinen nicht bezuschusst würden, weil sie nicht auf der „Maschinenliste“ geführt werden. Diese Liste sei sowieso unsinnig, so Modert, eine Deckelung der finanziellen Zuschüsse hätte es auch getan.

Für Octavie Modert ist es unverständlich, dass sich die Weinbauexperten des Ministeriums bei der Formulierung des neuen Agrargesetzes nicht gegen die Eingriffe des Umweltministeriums durchsetzen konnten. Zahlreiche Vorschriften des Gesetzes seien strenger ausgefallen als von der EU-Kommission gefordert. Die Auflagen gingen weit über das Nötige hinaus.

Alles Bio oder was?

Neben der zunehmenden Verwaltungsarbeit sorgt, so die Auffassung der beiden CSV-Politiker, eine unverhältnismäßige Bevorzugung des biologischen Weinbaus gegenüber den konventionell wirtschaftenden Winzern für zunehmende Missstimmung im Sektor. Dabei würden die starken ökologischen Fortschritte, die auch der konventionelle Weinbau in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat, in keiner Weise berücksichtigt. Beide Bereiche der heimischen Weinwirtschaft seien gleichermaßen förderungswürdig, so Claude Wiseler.

Wiseler und Modert unterstützen die Forderung zahlreicher Winzer, endlich die Ergebnisse der seit drei Jahren laufenden Marketingstudie für den Absatz von Luxemburger Wein im Ausland und vor allem im Inland vorzulegen. Es gehe vor allem darum, junge Luxemburger und die vielen nicht-luxemburgischen Einwohner des Großherzogtums zu erreichen - eine Forderung die sich mit denen der Weinbauverbände und des Weinbauministeriums deckt. Dies müsse einfach möglich sein, da die Luxemburger Weine in den letzten Jahren einen extremen Qualitätszuwachs erlebt haben.

Für Octavie Modert ist besonders erschreckend, dass im Großherzogtum mittlerweile mehr importierte als einheimische Weißweine verkauft werden. Dabei spricht für CSV-Abgeordnete allein die räumliche Nähe zwischen Konsumenten und Produzenten für den luxemburgischen Wein, der dazu noch ein hervorragendes Qualität-Preis-Verhältnis bietet.