LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Theaterverfilmung: „Juste la fin du monde“

Der kanadische Schauspieler, Drehbuchautor, Synchronsprecher, Produzent und Regisseur Xavier Dolan hat gerade mal 27 Jahre und mit seinen sieben Filmen als Regisseur bereits die Filmwelt erobert. Das Kino-Wunderkind gewann eine Menge wichtige Preise, wie unter anderem den „Bayard d’Or“ 2009 in Namur für „J’ai tué ma mère“, den „Prix de la Jeunesse“ in Cannes 2010 für „Les Amours imaginaires“, den FIPRESCI-Preis in Venedig 2013 für „Tom à la ferme“ oder den César 2015 für „Mommy“. Sein neuster Film „Juste la fin du monde“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Jean-Luc Lagarce (1957 - 1995) aus dem Jahr 1990 und wurde im Mai in Cannes mit dem Grand Prix du Jury ausgezeichnet.

Wiederkehr nach zwölf Jahren

Louis (Gaspard Ulliel) wird bald sterben. Er ist auf dem Weg zu seiner Familie, um sie wiederzusehen und um ihnen die schlechte Nachricht mitzuteilen. Vor rund zwölf Jahren verließ er sie, einerseits um sich dem Schreiben hinzugeben und andererseits seiner Homosexualität nachzugehen, und weil niemand auch nur halbwegs normal ist.

Seine Mutter Martine (Nathalie Baye) schminkt sich in allen möglichen Farben und hat eine Manie mit dem Kochen. Zuhören ist ihr schwächster Punkt. Sein Bruder Antoine (Vincent Cassel) ist ein regelrechtes Arschloch. Am laufenden Band redet er dasselbe, spielt sich auf und versucht alle zu verarschen, obschon er überhaupt nichts von der Welt versteht und seinen Bruder eigentlich hasst, weil er die Familie verließ. Seine Schwester Suzanne (Léa Seydoux) scheint noch die Normalste in der Familie zu sein. Sie will wie Louis weg von Zuhause, hat aber nicht den Mut. Und da wäre noch Catherine (Marion Cotillard), die Frau von Antoine, die unter dessen cholerischen Anfällen leidet. Da sie aber zu gutmütig ist, gibt sie immer wieder nach.

Ursachenforschung

Regisseur Dolan versucht mit Großaufnahmen, die Gefühle der Protagonisten einzufangen, was ihm auch im ersten Drittel gut gelingt. So gibt es eine flotte Gegenüberstellung zwischen Catherine und Louis, wo man merkt, dass Sympathien fließen. Speziell Catherine scheint sich ihres Fehlers bewusst zu werden, dass sie eben Antoine geheiratet hat und nicht einen anderen. In Louis regen sich versteckte Gefühle einer Frau gegenüber, die er aber unterdrückt.

Die Ursachen für Louis‘ Verschwinden sind nach einer halben Stunde geklärt, und danach folgt nicht mehr viel, außer dass man sich Antoines Dummheit während einer Autofahrt mit Louis nochmals bewusst wird, und letzteren verstehen kann, dass er in einem solch debilen Umfeld nicht leben konnte. Der Film weicht zwar dem Theaterstück in manchen Punkten in der Geschichte ab, bietet aber genauso eine huis-clos-Atmosphäre, sodass man sich eher in einem Theater fühlt, als in einem Kino.