LUXEMBURG
JEFF KARIER

Was hinter dem Konzept Au-pair steckt und was potenzielle Gastfamilien wissen müssen

Mehrere Monate in einem anderem Land verbringen und dies nicht als Tourist, sondern als Einwohner: das ermöglicht die Arbeit als Au-pair. Alleine 2018 waren 221 Au-pairs in Luxemburg, Tendenz steigend. „Die Grundidee hinter dem Programm ist der kulturelle Austausch in einer Familie. Dass ein junger Mensch ein neues Land, dessen Kultur und vielleicht auch die Sprache kennenlernen kann“, erklärt die stellvertretende Direktorin des „Service National de la Jeunesse“ (SNJ), Nathalie Schirtz.

Klare Bedingungen

Der SNJ ist für den Empfang und die Betreuung der Au-pairs, die nach Luxemburg kommen, zuständig. Auch die Genehmigung des zuständigen Ministeriums für die Au-pairs wird vom SNJ ausgestellt. Dabei muss die Person mindestens 18 und maximal 30 Jahre alt sein, einen Gesundheitsnachweis sowie eine Reihe an weiteren Dokumenten vorlegen.

Hinzu kommt, dass der SNJ auch die Anfragen von Familien, die ein Au-pair bei sich aufnehmen möchten, prüft. „Diese Zulassung ist dabei an verschiedene Bedingungen geknüpft“, betont Schirtz. So muss mindestens ein Familienmitglied jünger als 13 sein, nachweisen, dass eine grundlegende Kinderversorgung von etwaigen Kindern unter sechs Jahren gegeben ist, ein aktueller Auszug aus dem Strafregister von allen erwachsenen Familienmitgliedern vorlegen sowie eine aktuelle Bescheinigung über die Zusammensetzung des Haushalts und den Wohnort. Eine genaue Auflistung finden Sie unter www.accueil-aupair.lu.

Die Bearbeitung der Anfrage einer potenziellen Gastfamilie ist innerhalb von vier Wochen durchgeführt und die Familien können mit der Suche nach einem Au-pair beginnen. Die Kontaktaufnahme zwischen Au-pair und Gastfamilie läuft jedoch nicht über den SNJ, sondern etwa über spezielle Internetportale oder private Kontakte. Es gibt auch spezielle Au-pair-Agenturen, die unter anderem beim Zusammentragen der Dokumente oder etwaigen Problemen mit Behörden – etwa bei Au-pairs aus nicht EU-Ländern – helfen.

Im Rahmen der Betreuung der Au-pairs finden regelmäßige obligatorische Informationsveranstaltungen des SNJ statt. Bei diesen werden Neuankömmlinge über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt und ein Austausch zwischen den Au-pairs angeregt. Außerdem können Au-pairs im Falle von Fragen und Problemen auf die Mitarbeiter des SNJ zukommen.

Wer als Au-pair in eine Gastfamilie kommt, bekommt von dieser Kost und Logis gestellt sowie ein Taschengeld. „Dieses beträgt in Luxemburg ein Fünftel des Mindestlohns, also 410 Euro im Monat. Wenn die Familie möchte, kann diese auch mehr zahlen“, erläutert Schirtz. Außerdem zahlt die Gastfamilie die Versicherung, Krankenkassenbeitrag sowie die Sprachkurse. Denn Teil des Konzeptes ist es auch, dass die Au-pairs während ihrem Aufenthalt eine neue Sprache lernen oder eine bereits bekannte verbessern können. „Welche Sprachen, das sein können, ist vom Gesetz nicht festgelegt. Beliebt sind aber vor allem Französisch oder auch Deutsch. Einige lernen sogar Luxemburgisch, das ist jedoch sehr selten“, erklärt die stellvertretende Direktorin.

Ergänzende Versorgung

Als Au-pair hilft man in den meisten Fällen, die Kinder der Familie zu versorgen, macht mit ihnen Hausaufgaben, fährt sie zu oder holt sie von der Schule ab und ähnliches. „Das ist jedoch nur ergänzend zur eigentlichen Versorgung der Kinder“, betont Schirtz. Ein Au-pair ist somit kein Ersatz für ein Elternteil oder Kindermädchen. Neben der Kinderversorgung erlaubt das Gesetz auch leichte Haushaltsarbeit. Dabei sind die Arbeitsstunden jedoch auf 25 Stunden die Woche begrenzt. „Das ist seit etwa Oktober des letzten Jahres der Fall. Zuvor waren es 30 Stunden die Woche. Grund war die Umsetzung einer EU-Direktive.“ Falls diese Zahl überschritten wird, soll das Au-pair die Familie darauf aufmerksam machen oder sich in einer der Versammlungen an den SNJ wenden, die dann das Gespräch mit der Familie sucht. Falls die Familie gegen die festgehaltenen Regeln und Auflagen verstößt, wird ihnen die Zulassung entzogen. In dem Fall hat ein Au-pair einen Monat, um eine neue Familie zu finden oder muss wieder in seine Heimat reisen.

Die stellvertretende Direktorin betont dabei, dass man sich als Au-pair sowie als Gastfamilie bewusst sein soll, auf was man sich einlässt. „Die Arbeit als Au-pair ist nicht für jeden etwas und auch nicht für jede Familie. Denn hierbei nimmt man ein weiteres Familienmitglied zu sich, das man zuvor nicht wirklich kennt.“ Das ist, wie Schirtz unterstreicht, eine große Verantwortung und etwas, das man sich entsprechend gut überlegen sollte, ob es auch zu einem passt.

Wer sich hier in Luxemburg über die Au-pair-Angebote im Ausland informieren möchte, der findet im „Centre National d’Information pour Jeunes“ (CIJ) viel Informationsmaterial. Alle weiteren Informationen und Details, wie man eine Gastfamilie oder Au-pair in Luxemburg wird, finden Sie unter www.accueil-aupair.lu

Lëtzebuerger Journal

Magdalena war 2018 mehrere Monate als Au-pair in Luxemburg und ist nachhaltig begeistert | Gefallen gefunden

Für Magdalena war Luxemburg nach Finnland bereits das zweite Land, in dem sie als Au-pair war. „Mein Hauptkriterium bei der Suche war in erster Linie die Gastfamilie selbst, nicht das Land“, erklärt die heute 20-jährige Österreicherin. Da sie einen Hang zum Außergewöhnlichen hat, waren Finnland und Luxemburg, keine typischen Reiseziele für Österreicher, nur natürlich. „Womöglich wäre ich sonst nie hierhin gekommen“, meint sie. Auch der Kontrast zu Finnland und zu ihrem Heimatland Österreich sowie die Möglichkeit, zusätzlich auch in naheliegende Städte und Länder zu reisen, hatten sie überzeugt.

Der Kontakt zu den Gastfamilien kam über eine Au-pair-Seite im Internet zustande. „Dort hat jedes Au-pair und jede Gastfamilie ein detailliertes Profil und man kann sich ganz einfach gegenseitig finden und bei Interesse Nachrichten schreiben.“

Von Luxemburg ist Magdalena nach wie vor sehr angetan. „Ich bin immer noch begeistert vom einzigartigen Flair in der Stadt wie auch auf dem Land, der Internationalität und der Sprachenvielfalt Luxemburgs - alleine im Haus meiner Gastfamilie finden vier Sprachen Platz!“ Auch für die öffentlichen Verkehrsmittel in Luxemburg findet sie nur positive Worte. „Es ist nicht nur günstig, man kommt auch so gut wie überall damit hin. Im Nachhinein bin ich unfassbar froh, Luxemburg so hautnah erlebt zu haben.“

Für die junge Frau bietet das Au-pair-Sein nicht nur die Möglichkeit, ein neues Land zu bereisen, sondern völlig in eine andere Kultur einzutauchen und diese unmittelbar bei der Gastfamilie zu erleben. „Man macht unendlich viele neue Erfahrungen, sieht viele neue Orte, lernt diverse neue Leute kennen und gewinnt auch Freunde fürs Leben.“ Ich wurde in beiden Gastfamilien sehr herzlich aufgenommen und hatte richtig viel Spaß mit meinen jeweils drei Gastkindern. Außerdem habe ich so innerhalb eines Jahres insgesamt 12 Länder bereist.

Da ihre bisherigen Erfahrungen als Au-pair durchaus positiv und „wirklich unvergesslich“ waren, würde sie es wieder tun. „Am liebsten sofort! Ich bin sogar momentan schon wieder auf der Suche nach einer neuen Gastfamilie.“ Als Studentin sei man zwar auf die drei Monate Sommerferien beschränkt, aber manche Familien suchten ohnehin explizit für die schulfreie Zeit eine Betreuung für ihre Kinder. „Als Au-pair ins Ausland zu gehen ist eine der allerbesten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und die ich nur jedem und jeder wärmstens empfehlen kann!“

Lëtzebuerger Journal

Seit fast einem Jahr arbeitet Nur in Luxemburg und würde am liebsten hier bleiben | In das Land verliebt

Nachdem Nur bereits mehrere Jahre in ihrer Heimat Singapur als Forschungsassistentin gearbeitet hat, wollte sie einige Zeit in Europa leben und die verschiedenen Länder bereisen. Um das zu tun, wollte sie jedoch keine Vollzeitstelle annehmen aber dennoch etwas Geld verdienen. „Die Arbeit als Au-pair ist da die perfekte Möglichkeit“, erklärt die 26-Jährige. Dazu meldete sie sich auf der Internetseite www.greataupair.com an und wurde von einer französischen Familie, die in Luxemburg lebt, angeschrieben. „Nachdem ich etwas über Luxemburg recherchiert hatte, dachte ich mir, dass es ein schönes Land ist, in dem ich gerne für eine Zeit leben würde. Auch, weil es im Herzen Europas liegt und man somit viele umliegende Länder und Städte bereisen kann.“

Nachdem Nur in Luxemburg war, erinnerte sie das Großherzogtum in vielen Bereichen an ihre Heimat. „Es ist sowas wie die europäische Version von Singapur. Klein, auf den ersten Blick etwas langweilig, aber als ich dann Aktivitäten gefunden hatte, die mir gefielen und das Land mit seinen Sehenswürdigkeiten erkundet hatte, habe ich mich in Luxemburg verliebt“, meint Nur. Auch sie nennt als eines der Dinge, mit denen sie ganz zufrieden ist, den öffentlichen Verkehr. „Nur am Sonntag ist es nahezu unmöglich, irgendwo hinzukommen.“ Das sei deswegen besonders ärgerlich, da Sonntag der Tag ist, an dem sie nie arbeiten muss. Dann etwas zu unternehmen, sei nicht immer einfach, vor allem, wenn es nicht in der Stadt ist.

„Meine Erfahrung als Au-pair war bislang großartig. Ich habe das Glück, eine wirklich gute Familie erwischt zu haben. Es war das Beste, was ich in meinen 20ern getan habe, denn ich bekam nicht nur einen Eindruck davon, was es heißt Kinder zu haben. Ich konnte auch durch Europa reisen und so viele neue Leute kennenlernen“, stellt Nur fest, die durch diese Erfahrung wachsen und sich als Person weiterentwickeln konnte.

Allerdings würde sie es nicht nochmal tun. „Ich habe von anderen Au-pair viele Horrorgeschichten gehört, über das, was sie in ihren Gastfamilien erlebt haben.“ Entsprechend befürchtet sie, beim nächsten Mal vielleicht eine nicht ganz so nette Familie zu erwischen. „Außerdem verdient man am Ende doch zu wenig.“ Schade findet Nur, dass man als Au-pair maximal ein Jahr in Luxemburg sein kann. Sie habe das Land wirklich lieben gelernt und wäre gerne noch einige Monate länger hier geblieben.