Die traditionelle Schueberfouer wird in diesem Jahr schon zum 674. Mal organisiert. Wie in jedem Jahr sind auch diesmal viele Schausteller mit ihren Fahrgeschäften und Attraktionen anwesend, unter ihnen auch Cheryl Pelzer, deren Urgroßeltern schon mit einem Pferdekarussell auf der Fouer für Unterhaltung sorgten. Anschließend entwickelte sich daraus eine Familientradition, welche von den Großeltern und dann von den Eltern mit einem Autoscooter-Fahrgeschäft weitergeführt wurde.
Cheryl Pelzer ist in diesem Jahr mit ihrem neuen Fahrgeschäft, der Kinderschleife Panamericana auf dem Limpertsberg dabei: „Mein Mann, Arne Kalk, und ich haben vor fünf Jahren das Kinderfahrgeschäft meiner Eltern übernommen. Meine Eltern sind inzwischen in einem Alter, in dem man es schon gerne etwas langsamer angehen lässt und daher fragte mein Vater mich, ob ich die Familientradition nicht weiterführen wolle.“
Die 26-jährige wusste schon in jungen Jahren, was sie wollte: „Ich wurde quasi auf einer Kirmes geboren. Ich kam zwar in einem Entbindungsheim zur Welt, verbrachte dann aber sofort die erste Nacht im Wohnwagen meiner Eltern. In Kelmis bei Eupen besuchte ich die Grundschule und später das Gymnasium. ‚Wenn ich groß bin, werde ich Schausteller‘, sagte ich damals zu meinen Freunden.“
Sechs Monate beim Großhändler
Diesen Schritt machte sie aber nicht sofort nach dem Gymnasium. Erst einmal stand ein Marketing-Studium in Lüttich auf dem Programm, anschließend arbeitete sie rund sechs Monate bei einem Großhändler: „Nach einem Praktikum bei Trendy Foods in Belgien, wurde ich auch dort eingestellt. Nach einigen Monaten merkte ich aber, dass ein Bürojob nicht wirklich das Richtige für mich ist. Es war mir einfach zu viel routiniert, obwohl die Arbeit mir Spaß gemacht hat.“
Cheryl Pelzer und Arne Kalk, den sie 2011 geheiratet hat, sind jetzt schon zum sechsten Mal mit einem Fahrgeschäft bei der Schobermesse am Start. Das neue Fahrgeschäft wurde im Februar dieses Jahres erstanden und war schon auf einigen größeren Jahrmärkten im Ländchen im Einsatz: „Panamericana wurde in Spanien zusammen gebaut. Wir haben alles nach unseren Vorstellungen bauen lassen. So ein Fahrgeschäft kostet in der Regel so viel, wie ein kleines Haus. Es ist also schon ein durchaus großes finanzielles Projekt, auf das man sich einlässt, das obendrauf natürlich mit einem Darlehen der Bank verbunden ist.“
Mir der aktuellen Saison ist Cheryl Pelzer bislang sehr zufrieden: „Wir sind ja ausschließlich in Luxemburg unterwegs und hatten bislang größtenteils gutes Wetter. Ich hoffe natürlich, dass wir auch bei der Fouer ein gutes Resultat machen, sie macht nämlich 60 bis 70 Prozent des Jahresumsatzes aus. Sie kann eine schlechte Saison retten oder eine gute Saison zunichte machen.“
Ein Fahrgeschäft muss indes auch gepflegt und gewartet werden: „Es ist wie ein Auto: Anfangs fallen wenig Unterhaltskosten an, nach etwa fünf Jahren macht sich das aber mehr und mehr bemerkbar. Natürlich fallen auch weitere Kosten an: Das Fahrgeschäft wird von vier bis fünf Leuten aufgebaut, während des Jahrmarktbetriebs haben wir immer zwei Leute im Einsatz. Im Schnitt fallen wohl pro Kirmes 1.000 Euro an Unkosten an: Dazu gehören auch der Transport, Wasser, Stromverbrauch oder auch noch Werbung.“
Cheryl Pelzer sagt, sie brauche den Jahrmarkttrubel und die ganzen Leute um sich herum. So lange es sich rentiert wollen sie, ihr Mann und der kürzlich bestätigte Nachwuchs - die 26-jährige ist im vierten Monat schwanger - das Schaustellerleben bis zur Pension durchziehen.



