SIMONE MOLITOR

Langsam aber sicher nimmt die Diskussion Fahrt auf, beziehungsweise kocht die Stimmung hoch. Manch einer wird den Begriff „Referendum“ indes bereits zum Unwort des Jahres erklärt haben. Nicht wenige sind zweifelsohne genervt, andere fühlen sich unter Druck gesetzt. Dabei hat die offizielle Referendumskampagne der Abgeordnetenkammer gerade erst begonnen. Zu spät? Davon sind zumindest viele überzeugt. Warum? Weil sich ein Großteil der Wählerschaft laut Umfragewerten ohnehin nicht mehr von der bereits getroffenen Entscheidung abbringen lässt. Ist das nun wirklich ein Beweis dafür, dass die Kampagne zu spät begonnen hat? Darf man nicht schlicht seine eigene Meinung haben, sich seine eigenen Argumente zurechtlegen und für oder gegen etwas sein? Scheinbar nicht. Andererseits könnte man sich aber auch durchaus die verschiedenen Argumentationen anhören und sich vielleicht sogar richtig damit auseinandersetzen. Dümmer wird man dadurch nicht. Die zwei Lager sind jedenfalls darauf bestrebt, nun aber wirklich Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht lässt sich ja doch noch jemand umstimmen…

Wie die Volksabstimmung am 7. Juni ausgehen wird, ist immer noch offen, denn so repräsentativ Umfragen auch sein mögen, hundertprozentig sicher sind sie nie. Anders sieht man das allerdings in der „Wort“-Redaktion, wo zumindest „die Schlacht für ein Ja beim Herabsetzen des Wahlalters auf 16 Jahre“ als „wohl endgültig verloren“ gesehen wird, immerhin würden laut jüngstem Politmonitor 68 Prozent der Wähler diese Initiative ablehnen. Schlacht? Manche Nein-Sager erwecken tatsächlich den Eindruck, als würden sie gegen die Regierung in die Schlacht ziehen, fast so als würde es in dieser Angelegenheit um eine Desavouierung der Dreierkoalition gehen. Die Regierung sei dabei, „sich eine schwerwiegende Niederlage einzuhandeln“, orakelte gestern auch der „Wort“-Leitartikler. In der gleichen Ausgabe zeigte man sich relativ sicher, dass sich ein „Dreifach-Nein“ abzeichne. In der Tat hat die Fraktion der Gegner laut TNS-Ilres in den drei Fragen zugelegt.

Die Nein-Sager triumphieren bereits und können es kaum erwarten, an die Wahlurne zu treten. Die Ja-Sager lassen sich zumindest dem äußeren Anschein nach nicht beirren, sind sich aber wohl bewusst, dass es jetzt gilt, überzeugende Argumente zu liefern, immerhin gibt es noch Unentschiedene. Um die wird sich nun gestritten.

Das einzige, was nun wirklich Sinn macht - und wahrscheinlich von Anfang an sinnvoll gewesen wäre - ist, die Debatte ausgeglichener zu gestalten, das heißt die Vertreter beider Seiten an einen Tisch zu bringen. Die bisherigen Versammlungen waren nur von mäßigem Erfolg gekrönt, wohl teils weil sie eben nicht ausgewogen waren, also entweder nur Befürworter oder nur Gegner ans Rednerpult traten. Nicht einmal CSV-Fraktionschef Claude Wiseler himself erwies sich als Publikumsmagnet: Am Mittwochabend konnte er gerade mal 30 Interessierte in Sandweiler um sich scharen. Schuld soll übrigens die Champions League gewesen sein. Ach so. Heute Abend findet die erste offizielle Informationsversammlung in Mamer statt. Intensive Recherchen haben ergeben, dass diesmal kein wichtiges Fußballspiel stattfindet. Dem „Fang-die-Stimme-Spiel“ steht demnach nichts im Wege.

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