LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„The Strange Tale of Charlie Chaplin and Stan Laurel“ im Kapuzinertheater

In der Autobiografie von Charlie Chaplin fehlt der Name von Arthur Stanley Jefferson, alias Stan Laurel, obwohl beide im September 1910 mit der Schauspielertruppe von Fred Karno von England aus auf dem Viehfrachtschiff „Cairnora“ nach Quebec schifften, um anschließend mit dem Zug nach Amerika zu fahren, wo eine Tournee von 21 Monaten folgte. Stan Laurel soll allerdings sein ganzes Leben von Charlie erzählt haben. Dies ist der Ausgangspunkt des pantomimischen Theaterstücks „The Strange Tale of Charlie Chaplin and Stan Laurel“, das Paul Hunter inszenierte und welches am 14. November 2019 im „Theatre. Royal: The Drum“ in Plymouth Premiere feierte. Knapp zwei Monate später gastiert die Truppe im Kapuzinertheater, bevor sie dann nach Großbritannien zurückreist.

Tatsachen und viel Fantasie

Das fast komplett wortlose Theaterstück spielt sowohl auf dem Schiff, das die Truppe von Karno (Nick Haverson) nach Nordamerika übersetzt, es gibt Rückblenden in Charlies (Amalia Vitale) Vergangenheit oder Szenen aus den 1950er und 1970er Jahren, die ebenfalls Stan (Jerone Marsh-Read) betreffen. Das Ensemble wird von Sara Alexander auf dem Piano begleitet, die ein paar Mal in die Rolle von Charlies Mutter Hannah schlüpft. Die Namen der Protagonisten kann man den Aufschriften auf ihren Koffern entnehmen.

Charlie entsteigt einem auf der Bühne liegenden Koffer von Karno, während Stan regelrecht auf dem Schiff auftaucht, dies mit Tauchmaske und Schnorchel. In einer Rückblende dreht Hannah durch, und ein Arzt legt ihr eine Zwangsjacke an. Entspricht dies noch der Realität, so muss man an der Begegnung zwischen Stan und seinem späteren Filmpartner Oliver (Ollie) Hardy (Nick Haverson) beim Golfspielen zweifeln. Hier hat sich Paul Hunter sicher am Film „Should Married Men Go Home?“ inspiriert, in dem die beiden Komiker Golf spielen.

Recht fantasievoll wird Charlies Geburt dargestellt. Aus dem Bauch der Mutter plumpsen auch gleich die Melone und der Spazierstock, die Charlie in seiner Figur des Tramps berühmt gemacht haben. Hier wird vergessen, dass Charlie diese Figur erst 1914 erfand. Schlussendlich legt das Schiff in New York an, was auch nicht der historischen Wirklichkeit entspricht.

Unnötiger Slapstick

Die Geschichten sind mit viel Slapstick vermischt, der aber nicht immer zum Lachen anregt, denn die pantomimischen Einlagen erfüllen oft keinen Zweck und führen zu unnötigen Längen. Der Autor findet nicht immer den richtigen Weg zwischen Komik und Emotionen. Kurz bevor Ollie stirbt, besucht ihn Stan. Der Anfang dieser Szene ist witzig. Dann wird der Tod von Ollie jedoch zur Nebensache, und Stan schließt den Vorhang zum Sterbebett, so als wären die beiden Komiker nie Freunde gewesen. An Emotionen fehlt es auch in der „The Reunion“-Szene. 1957 besucht Stan Charlie, der sich über ein mitgebrachtes Foto der Karno-Truppe freut. Allerdings stellt sich dies nur als Wunschdenken heraus, denn dasselbe Ereignis wird wiederholt, und Charlie macht seinem alten Kumpel nicht mal die Tür auf.

Amalia Vitale spielt Charlie Chaplin. Sie ähnelt ihm etwas und kann seine Gesten gut nachahmen. Jerone Marsh-Read hat nun rein gar nichts, was an Stan erinnern würde. Darum tut man sich schwer, ihm diese Rolle abzukaufen. Einzig Nick Haverson überzeugt als Fred Karno und speziell als Ollie, dem er mit Schnurrbart und Kissen unterm Hemd ähnelt. Sara Alexander spielt Originalmusik von Zoe Rahman, aber das Lied „Smile“ aus „Modern Times“ klingt öfters mit.

Aus der seltsamen Geschichte von Charlie und Stan ist somit nicht unbedingt die ultimative Hommage an die beiden größten Komiker der Filmgeschichte geworden. Vielleicht überzeugt „Chaplin - Das Musical“ im Ettelbrücker CAPE am 8. Februar mehr.