LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Zeichentrickfilm „Aladdin“ als Realverfilmung

Es scheint definitiv der Wurm bei den Disney-Studios in Sachen originelle-Filme-Drehen drin zu sein. Waren und sind es Fortsetzungen zu erfolgreichen Filmen, wie „Toy Story“, „Monsters, Inc.“, „Cars“ oder rezent der zweite Teil von „Mary Poppins“, sind es nun auch die Realverfilmungen von klassischen Zeichentrickfilmen, wie „The Jungle Book“, „Beauty and the Beast“ oder „Dumbo“, welche die Fantasielosigkeit bei den Geschichten-Erfindern in den Reihen der Produktionsfirma demonstrieren. Einer der letzten Streiche von Disney ist die nun in den Kinos gestartete Verfilmung des Zeichentrickfilms „Aladdin“ aus dem Jahr 1992 mit realen Schauspielern. Regisseur Guy Ritchie zeichnet für diesen Film verantwortlich. Ritchie war von 2000 bis 2008 mit Madonna verheiratet und wurde durch nicht unbedingt meisterhafte Filme wie „Snatch“, „Sherlock Holmes“ oder „King Arthur: Legend of the Sword“ bekannt.

Vom Dieb zum Prinzen

Bis auf ein paar Details wurde das Drehbuch des Trickfilms beibehalten, aber auch nicht wesentlich Neues erfunden. Die Realverfilmung beginnt mit dem Lied „Arabian Nights“, das ein Seefahrer seinen Kindern singt und ihnen die dazu passende Geschichte erzählt. Aladdin (Mena Massoud) streift mit seinem Affen Abu durch die Gassen von Agrabah und klaut alles, was er zum Leben braucht. Als er eine junge Frau, die sich Dalia nennt, vor der Anschuldigung verteidigt, sie wäre eine Diebin, nimmt ein neues Schicksal seinen Lauf. Dalia ist nämlich die Prinzessin Jasmine (Naomi Scott). Ihr Vater der Sultan (Navid Neghaban) will, dass sie heiratet, aber niemand ihrer Anwärter gefällt ihr. Der Wesir Jafar (Marwan Kanzari) will die Macht an sich reißen und das mit Hilfe einer Wunderlampe. Um jedoch an diese zu gelangen, braucht er einen jungen Mann, der wie ein „ungeschliffener Diamant“ ist. Als er Aladdin begegnet, steht fest, dass dieser der besagte Edelstein ist. Aladdin findet die Lampe in einer Grotte voller Gold und Edelsteinen. Weil Abu einen Diamanten berührt - eine streng verbotene Tat -, verschließt sich die Höhle. In der Grotte ist ebenfalls ein fliegender Teppich eingesperrt. Als Aladdin an der Lampe reibt, um eine Inschrift zu lesen, wird der Geist der Lampe befreit. Der Dschinni (Will Smith) gewährt seinem Befreier drei Wünsche. Als erstes will Aladdin ein Prinz werden, um Jasmine zu beeindrucken.

Umgeschriebene Songs

Wenn man genau hinhört, fällt auf, dass die Liedtexte anders klingen. Effektiv wurden die Songtexte von „Arabian Nights“ und „Prince Ali“ von Komponist Alan Menken und dem Duo Benj Pasek und Justin Paul, alias Pasek and Paul, umgeschrieben. Das Duo komponierte die Musik zu „La La Land“ (Oscar für das beste Originallied „City of Stars“) und „The Greatest Showman“ (Golden Globe für das Lied „This Is Me“). Sie waren außerdem sehr erfolgreich mit den Musicals „Dogfight“ und „Dear Evan Hansen“. Menken schrieb seine Filmmusik teilweise um und komponierte den neuen Song „Speechless“, mit den Texten von Pasek and Paul. Der Hitsong „A Whole New World“ fehlt natürlich nicht und wird im Abspann zusätzlich von Zayn Malik und Zhavia Ward gesungen.

Der Anfang des Films lahmt etwas, weil die Songs „Arabian Nights“ und „One Jump Ahead“ nicht mit dem nötigen Tempo und Fantasie präsentiert werden. Erst mit „Prince Ali“ fängt die Realverfilmung an zu gefallen, weil zu diesem Moment auch Will Smith als Dschinni zur Hochform aufläuft - natürlich mit Hilfe der Tricktechnik, die ihn wie einen blauen Hulk aussehen lässt. Die beiden Hauptdarsteller sind eher unbekannt. Als Sängerin kann Naomi Scott gefallen, während Mena Massoud eher Mittelmaß ist.

„Aladdin“ hinkt dem Charme und Witz des Trickfilms hinterher, wie ebenfalls der Bühnenfassung, die momentan noch in London und Stuttgart läuft, so dass der Film nicht unbedingt ein Muss ist. Man darf sich bereits auf die im Juli startende Realverfilmung von „The Lion King“ freuen - oder auch nicht -, wie auf „Toy Story 4“ (Juni), auf „Maleficent: Mistress of Evil“ (November), der zweite Teil der Realverfilmung von „Dornröschen“, und auf „Frozen 2“ (November). Ja, die Fantasie hält sich bei Disney zurzeit in sehr engen Grenzen.