LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Fabula Rasa“ in den Rotondes: „Fenrir, de Risewollef“ entführt ins Reich der Elfen und Götter

Vor einer lang gezogenen Bühne inmitten des Saals „Black Box“ der Rotondes nehmen die kleinen Zuschauer auf roten Kissen zu beiden Seiten Platz. Sie sitzen quasi mitten im Geschehen, wenn sich die Tür öffnet und das Stück „Fenrir, de Risewollef“ mit Saxofonklängen untermalt beginnt. Die beiden Protagonisten Ask (Tänzer Giovanni Zazzera) und Embla (Saxofonistin/Tänzerin Anaïs Lorentz) betreten tanzend und musizierend die Bühne, wo sie eine goldene Kiste entdecken.

Begegnung mit Zwergen und Riesen

Wie von Zauberhand erklingt daraus eine Melodie, dann eine Stimme, die erzählt, was das Publikum erwartet: „Eng Geschicht iwwer dat, wat kënnt. Eng Geschicht iwwer dat, wat war. Eng Geschicht iwwer dat, wat erëm wäert vergoen. E Kampf tëscht Gutt a Béis. Eng Geschicht aus enger laang vergaangener Welt“. Berichtet wird von Elfen und Zwergen, von Göttern und Riesen. Von der Welt des Odin, die untergehen musste, weil ihre Bewohner ganz unterschiedliche Wünsche und Begierden hatten. Alles war fortan in Schnee gehüllt. Die Sonne zeigte sich nicht mehr. Es herrschte Krieg. Und plötzlich war Fenrir, der mächtige Wolf, wieder frei.

Fesselnde Geschichte

Doch was ist passiert? Wie konnte aus dem niedlichen, verspielten Wolfskind bloß ein solches Monster werden? Genau das wird den Zuschauern in dieser magischen Geschichte erzählt, die ab der ersten Minute fesselt - zweifelsohne auch das erwachsene Publikum - und in eine fantastische Welt entführt. Spannend erzählt und ebenso dynamisch von den Tänzern dargestellt, lebt dieses Tanztheaterstück besonders von der Musik (komponiert von Pierre Cocq-Amann), sei es durch das Saxofonspiel von Anaïs Lorentz oder die Soundkulisse vom Band. Mal sind die musikalischen Passagen spannungsgeladen, mal stimmen sie aber auch traurig.

Regisseurin Ela Baumgarten hat „Fenrir, de Risewollef“ nach einer alten nordischen Sage inszeniert. Konzepte wie Schicksal, Schuld und Unschuld werden in dieser zweiten Produktion der im Sommer 2016 gegründeten Vereinigung „Kopla Bunz“ hinterfragt. Nicht nur bei den kleinen Besuchern - geeignet ist das Stück ab acht Jahren - wird die Vorstellungskraft ihre ganze Macht entfalten, sodass man sich tatsächlich in einer Fantasiewelt voller Fabelwesen wiederfindet.

„Fenrir“ wird nach den Vorstellungen in den Rotondes in einigen anderen Kulturzentren Station machen. Das Stück ist indes nur eine der Produktionen, die momentan im Rahmen der Reihe „Fabula Rasa“ in Koproduktion mit anderen Häusern oder Partnern in den Rotondes auf dem Programm stehen.

„Fabula Rasa“ für Groß und Klein

Die Freude am Erzählen, beziehungsweise Zuhören soll wieder geweckt werden. Auch in der blitzschnellen digitalen Welt gibt es nichts Spannenderes, als seiner Fantasie durch das Erzählen freien Lauf zu lassen und sich auf der anderen Seite während des Zuhörens in eine andere Welt hineinzudenken.

In „Dëppchen Dëppchen“ der Kompanie „Theater Traverse“ werden die Besucher (ab drei Jahren) am 27. und 28. Januar selbst zu Erzählern, dies nachdem ihnen von Betsy Dentzer die wichtigsten Anhaltspunkte geboten wurden. An den gleichen Tagen bietet die „Märechersnuecht“ den Teilnehmern (ab acht Jahren) die Gelegenheit, klassische Märchen auf kreative Art und Weise neu zu interpretieren. Vom 28. bis 30. Januar steht mit „Remember the dragons…“ dokumentarisches Theater für Kinder ab zehn Jahren auf dem Programm.

Debatte, Slam und Expo

An ein erwachsenes Publikum richtet sich dagegen die Vortrags- und Debattenreihe unter dem Motto: „Prinz_innen: Contes et diversité des genres“, die am 25. Januar um 19.00 startet. Diskutiert wird über die Stereotypen in Märchen oder Cartoons und damit gleichzeitig über die Hartnäckigkeit bestimmter Rollenklischees bezüglich Jungen und Mädchen. Im Mittelpunkt der ersten Konferenz steht deshalb die Frage: Was ist eine Prinzessin?

Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene dürften während des Slam-/Theater-Abends „Dead or alive?“ am 31. Januar um 19.30 auf ihre Kosten kommen. Schauspieler und Slammer werden auf der Bühne mit Versen und Sätzen gegeneinander antreten, die in den Werken bereits verstorbener Dichter (dead) oder aber in zeitgenössischen Texten (alive) vorkommen. Dieses innovative musikalisch-literarische Format, bei dem sich die Grenzen zwischen Literatur und Slam auflösen, wird von der luxemburgischen Regisseurin Claire Thill inszeniert.

Ab dem 25. Januar wird zudem zur Ausstellung „Spicy Cloud“ der Zeichnerin und Illustratorin koreanischer Herkunft Keong-A Song eingeladen. Neben Kunstdrucken - inspiriert an altkoreanischen Sagen - werden an die 100 Zeichnungen, Kunstinstallationen, Skulpturen und Veröffentlichungen sowie die Serie „Food of the world“ gezeigt. Außerdem wird das Kinderbuch „Wooow!!! Luxembourg – Charlotte et Monsieur Hibou“ - mit Zeichnungen von Keong-A Song -, das in Zusammenarbeit mit Thomas Schoos im Binsfeld Verlag erschienen ist, vorgestellt.

Zusätzliche Infos unter www.rotondes.lu