LUXEMBURGMADY LUTGEN

Die Fantasy-Autorin Farina de Waard (24) im exklusiven „Journal“-Interview

Ein Traum im Teenageralter veränderte Farina de Waards Leben: Durch ihn wurde sie vom Schreibfieber gepackt. Seitdem haucht sie Charakteren Leben ein, erschafft Orte, Landschaften und Kulturen und lässt dies alles in ihre Geschichten einfließen. Im Alleingang veröffentlicht Farina, die Naturwissenschaften studiert hat, ihre Buchreihe bei ihrem eigenen Verlag. „Zähmung“ erschien im Dezember 2013 als Taschenbuch und im Frühjahr 2014 als Ebook, im Frühjahr 2015 folgte dann „Zorn“. Dem „Journal“ erzählt die deutsche Autorin, warum sie sich ein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen kann.

Wie kamst Du zum Schreiben?

Farina de Waard Mit 14 Jahren hatte ich einen Traum, der so lebendig und faszinierend war, dass ich ihn spontan aufgeschrieben habe. Vorher hatte ich ans Schreiben als Hobby nie gedacht, doch der Traum entführte mich das erste Mal nach Tyarul, ich steckte in der Haut meiner Hauptperson und erlebte alles mit … und so kamen die ersten Seiten zustande.

Woher nimmst Du Deine Ideen?

De Waard Manchmal tauchen sie einfach in meinem Kopf auf, wenn ich Szenen durchspiele und mir vorstelle. Ich setze an einem Punkt an, spiele die Möglichkeiten durch - und dann fallen mir meist noch neue ein und es kommen mehr und mehr Zusammenhänge zustande. Oft stelle ich mir auch Fragen, über die Charaktere, ihre Motivation, welche Konsequenzen ihr Handeln oder Zögern haben könnte … so baut sich ein großes Mosaik zusammen, aus dem ich auswählen kann. Die spontanen Einfälle kommen mir meistens ganz kurz vor dem Einschlafen, wenn ich in diesem entspannten Dämmerzustand bin - dann macht es Zack und eine neue Idee ist geboren - und ich muss aufstehen und sie zumindest in Stichpunkten festhalten.

Welche Fantasy-Figur wärst Du gern und warum?

De Waard Zu allererst wäre ich gerne meine Zenay. Sie ist ein Teil von mir und für mich so real und wichtig: Sie entwickelt im Laufe der Bücher einfach unglaubliche Fähigkeiten, die ich fantastisch finde. Aber wenn ich aus anderen Büchern wählen müsste … würde ich vermutlich Geralt von Riva toll finden. Er ist der Protagonist der „Hexer“-Reihe und ein gleichzeitig starker, heldenhafter, aber doch sehr nachdenklicher und zwiegespaltener Charakter, der mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat und in einer sehr interessanten, aber auch sehr düsteren Welt lebt. Er ist zwar kein klassischer Magier in dem Sinne, aber er kann manche faszinierenden Fähigkeiten nutzen und ist ein unglaublich zäher und geschickter Kämpfer. Das hat etwas, finde ich.

Kannst Du von Deinem Schreiben leben?

De Waard Fast Ich schreibe mittlerweile schwarze Zahlen, aber der Gewinn reicht noch nicht für ein geregeltes Einkommen. Aber die Tendenz entwickelt sich gut und ich bin zuversichtlich, dass es irgendwann möglich sein wird. Zum Glück habe ich zurzeit nur sehr wenige Kosten neben den Druckinvestitionen und einen niedrigen Lebensstandard, ich bin noch das Studentenleben gewohnt (lacht)

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor?

De Waard Einerseits möchte ich gerne noch ein Studium im Umweltmanagement absolvieren, andererseits kann ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen. Ich muss also sehen, wie sich das beides kombinieren lässt. Am liebsten wäre ich eine schreibende Nationalpark-Rangerin. Ich weiß nicht, ob das möglich sein wird, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen.

Warum glaubst Du, dass Deine Bücher so gut ankommen?

De Waard Erfolg ist ja immer relativ. Ich habe vielleicht mehr verkauft als manch ein anderer Fantasy-Autor, aber da ist schon noch viel Platz nach oben. Was oft gelobt wird, ist die Liebe zum Detail und wie konsequent und realistisch ich meine Fantasy-Welt aufgebaut habe. Das war mir sehr wichtig, denn ich wollte, dass die Welt und ihre Gesetze verständlich und nachvollziehbar sind, und dass das Handeln der Charaktere entsprechend dazu passt. Außerdem loben viele Leser meine Beschreibungen der Magie. Es ist also wohl die Mischung aus der erschaffenen Welt, den Details und den logisch handelnden Charakteren.

Was machst Du, wenn Du keine Ideen hast?

De Waard Das passiert mir zum Glück sehr selten - aber wenn ich einmal nicht so kreativ bin oder mir die Energie oder Muse zum Schreiben fehlt, dann versuche ich mich davon nicht unter Druck setzen zu lassen. Ich stelle als kleines Extra für meine Leser noch Schmuck her, in dem Fall „Bilure“ - das sind magische Speichersteine aus meiner Fantasy-Welt. Es macht sehr viel Spaß, die Amulette herzustellen und ich kann meinen Lesern etwas Reales zum Anfassen geben. Meistens lasse ich dabei meine Gedanken ziehen - und dann kommen mir auch wieder neue Ideen.


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