LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gemeinsame Graffiti-Kunst von Luxemburgern und Asylsuchenden am „Foyer Don Bosco“

Das „Foyer Don Bosco“ in Limpertsberg dient als Erstaufnahmeunterkunft für Asylsuchende. Sein Zustand, grau und trist, zeigt den Ankömmlingen, dass Luxemburg ein bitterarmes Land ist. Geduscht wird vor der Tür in einem Container, geht ein Fenster kaputt, wird es kurzerhand zugemauert. Das Haus aus den 1970ern ist sowieso keine Schönheit, krumme Wellblechplatten und schwarze Folie hinter einigen Fenstern vertiefen den Eindruck der Schäbigkeit noch mehr. Eine bauliche Ansammlung von Traurigkeit.

Seit wenigen Tagen hat sich die Sache zumindest optisch etwas gebessert. Auf drei Seiten wird der Eingang nun von Graffiti in den dominierenden Farben Rot, Gelb und Orange flankiert.

Drei Sprachen in drei Schriften

Über dem Eingang werden die Menschen jetzt dreisprachig mit einem gesprühten „Moien“ begrüßt. Neben dem luxemburgischen Gruß findet sich ein arabisches „Salam“ (Frieden) und eine Begrüßung in Tigrinisch (Tigrinya), einer der neun Sprachen Eritreas, verfasst im äthiopischen Alphabet. Die Auswahl dieser beiden Sprachen geht auf die hohe Zahl der Heimbewohner zurück, die aus diesen Sprachräumen kommen.

Zurück geht die Umgestaltung dieses Fassadenteils auf eine Idee des Vereins „Mir wëllen iech ons Heemecht weisen“, der einen interkulturellen Austausch mit Asylsuchenden ermöglichen will. Die künstlerische Leitung hatte Raphael Gindt, erfolgreicher luxemburgischer Street-Art-Künstler, der zusammen mit zwölf anderen „Sprayern“, sieben Luxemburgern und fünf Heimbewohnern, die Fassade umgestaltete.

Engagierte Mitstreiter

Angesichts der schreienden Hässlichkeit des Gebäudes hätte Raphael Gindt am liebsten die gesamte Fassade des Don Bosco neu gestaltet, aber man beschränkte sich dann doch auf den Eingangsbereich. Eigentlich war damit gerechnet worden, dass die farbliche Neufassung des Eingangs etwa fünf Tage dauern würde. Dank der zahlreichen Teilnehmer und deren Engagement konnte das gewaltige Wandbild in drei Tagen realisiert werden. Der erste Tag war dabei für die Grundierung der Wand und das Erlernen der Techniken aufgewandt worden. Finanzielle Unterstützung für Gerüst und Farben kamen von der „Fondation Losch“ und der Stadt Luxemburg.

„Mir wëllen iech ons Heemecht weisen“ wird vom Herbst an auch finanziell vom Kulturministerium für seine Arbeit unter dem Stichwort „Interkultureller Austausch“ unterstützt.

Zur Arbeit des Vereins, dessen Vorsitzender der Musiker Serge Tonnar ist, gehören Konzerte mit in Luxemburg lebenden Künstlern, Nachbarschaftsfeste, Frauenabende („Dammentour“), Kunst-Workshops aller Art, Kultur-Exkursionen und gemeinsames Kochen.

www.onsheemecht.lu