LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Die „Sons Of Kemet“ stellten ihr neues Album im „opderSchmelz“ in Düdelingen vor

Das Festival „Touch Of Noir“, das am vorherigen Wochenende mit einem Spektakel der Sonderklasse, der vorbildlichen Inszenierung des Lebenswerks von „Moondog“, einem bekannten New Yorker Straßenkünstler, mit einer sechsköpfigen Formation um die Saxofonisten Sylvain Rifflet und Jon Irabagon begann, bietet an sieben Tagen eine gelungene Auswahl an originellen Musikevents und skurrilen literarischen Produktionen.

Ebenfalls eine Show mit wertvollem Seltenheitswert lieferte am Samstag das in ungewohnter Besetzung auftretende Quartett „Sons Of Kemet“.

Wahre Herausforderung

Die Mini-Bläsersektion mit Tenorsaxofon und Tuba stand der zahlenmäßig gleichstarken Perkussionsunität gegenüber, was eine wahre Herausforderung in punkto Energieaufwand und Einfallsreichtum an die einzelnen Solisten bedeutete.

Mit voller Kraft voraus startete das Quartett das anderthalbstündige Konzert und brachte die farbenreiche Palette folkloristischer, tanzbarer Eindrücke verschiedener Kulturen voll zur Geltung und bot durch eine perfekt ausgeglichene Balance zwischen beiden Teams einen Ohrenschmaus an mitreißenden solistischen Einfällen und manchmal wilden kollektiven Parts.

Saxofonist Shabaka Hutchings faszinierte mit seinen rauen Phrasen, die oft riffartig an Elementen der primitiven Folklore Afrikas orientiert waren und vermittelte gekonnt, sowohl mit seinen chaotischen Ausbrüchen in bewährter FreeJazz-Tradition, wie mit überzeugender Demonstration der klanglichen, weit ausgeholten Ausdrucksmöglichkeiten seines Instruments, die friedliche Botschaft einer freien Musik, die heute in dieser Form nur noch selten praktiziert wird.

Die richtige Mischung

Dass er die alten Schulen der Saxofonkultur intus hat, bewies Hutchings besonders mit dem Anspielen von Themen aus dem Bereich des karibischen Raums. Hier gab er seiner Vorliebe für die vitalen Phrasen eines Sonny Rollins freien Lauf, während bei den eher sensiblen Momenten eine Mischung aus teils revolutionärem, teils traditionellem Ambiente dominierte.

Obschon die Musik sich klanglich und stilistisch nicht an die neue, modische Welt des Jazzgeschehens heranwagte, hatten die temperamentvollen Suiten nichts museales an sich und versuchten auf eine freizügige Art und Weise die Traditionen verschiedener Kontinente in eigenem Gewand zu präsentieren.

Der Ablauf des Konzerts, das anfangs Anzeichen einer gewissen Monotonie aufkommen ließ, entwickelte sich durch ein lang streckiges Spannungsschaffen, zu dem der unermüdliche Tubaspieler Theon Cross mit seiner urigen Begleitfunktion und beweglichen, solistischen Melodielinien maßgeblich beitrug, zu einer kurzweiligen Reise durch verschiedene Kulturlandschaften.

Sicher lebt die perfekt aufeinander eingestimmte Band vom faszinierenden Drive der beiden Perkussionisten, die durch ihr perfektes Kommunikationssystem bestachen und für etliche aufregende Momente im Hintergrund sorgten, aber bestimmend für die originelle Botschaft der originellen Combo war Saxofonist Shabaka Hutchings mit seiner Marathonleistung an cleveren Collagen aus New und Ol‘ Times Jazz, zu denen auch Fragmente von Volkstänzen oder Zirkusmusik à la Albert Ayler gehörten.

Unüberhörbares Highlight des Konzerts war das Zwiegespräch der Schlagzeuger Sebastian Rochfort und Tom Skinner, das sich zeitweise vom routinemäßig Dialog zum explosiven Duell entwickelte

Im Gegensatz zu Rifflets subtiler, intellektueller Inszenierung, die durch solistische Meisterleistungen bestach, haben die „Sons Of Kemet“ uns mit ihrer Musik die Wurzeln einer volksnahen Kultur näher gebracht, einer Musik, die durchaus ohne das Element Swing auskommt und dennoch dies durch die Stärke und Intensität einer ekstatischen Dichte an dem groovendem Drive des Free Funk ausglich.

www.opderschmelz.lu