LEUDELINGEN
CORDELIA CHATON

Peintures Robin hat eine Wandfarbe auf reiner Pflanzenbasis, die jetzt zertifiziert ist

Peintures Robin hat es geschafft. Der traditionsreiche, 1927 gegründete Farbenhersteller - immerhin der größte in der Großregion - hat als erster eine Wandfarbe auf Pflanzenbasis, die Cradle-to-Cradle zertifiziert ist. Was das bedeutet, was es im Unternehmen verändert hat und warum Robin überhaupt ein Zertifikat wollte, erklärt Generaldirektor Gérard Zoller.

In dieser Woche haben Sie das Cradle-to-Cradle-Zertifikat erhalten. Warum wollten Sie das, obwohl sie 2014 schon einen Umweltpreis erhalten haben?

Gérard Zoller Wir wollen weg aus dem Petroleumbereich und auf Rohstoffe aus Europa setzten, um unsere Abhängigkeit zu verringern. Das Konzept des „Cradle-to-Cradle“ (C2C), was so viel heißt wie „von der Wiege zur Wiege“, ist die Vision einer abfallfreien Wirtschaft, bei der Firmen keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr verwenden und alle Stoffe dauerhaft in natürliche oder geschlossene technische Kreisläufe übergehen. Das Zertifikat vergibt Michael Braungart aus Hamburg über sein Unternehmen EPEA. Jetzt haben wir die einzige Wandfarbe auf Pflanzenbasis, die dieses Zertifikat trägt. Das war ein immerhin sechsmonatiger Prozess, der auch einen fünfstelligen Betrag gekostet hat.

Was hat das Zertifikat Ihnen gebracht?

Zoller Zunächst gibt es einen Prozess, bei dem fünf Punkte untersucht werden. Bei deren Bearbeitung mussten wir sehr viel hinterfragen. Vieles ging über unser Unternehmen hinaus. Beispiel Inhaltsstoffe: Die sollen gesundheitlich unbedenklich sein. Das geht sehr, sehr weit. Wir haben nicht zwei Jahre lang an einem Produkt gearbeitet, um die Rezeptur zu veröffentlichen. Auch unsere Lieferanten mussten sehr viel offenlegen. Denn hinter unseren zwölf Rohstoffen der Verdello-Farbe stehen wiederum jene der Lieferanten. Viele wollten erst nicht mitmachen. Weitere Aspekte betrafen die biologische Verwertbarkeit oder die Energie. Wir arbeiten mit Windenergie und einem geschlossenen Wasserkreislauf. Aber auch soziale Fairness war ein Punkt.

Was gehört dazu?

Zoller Wie behandelt man die Mitarbeiter, wie geht man mit den Lieferanten um, aber auch wie groß ist der Unterschied zwischen dem kleinsten und größten Gehalt? Positiv fiel auf, dass wir 70 Prozent Mitarbeiter aus der Region haben und bei der Regionalwährung „Beki“ mitmachen. Durch die Zertifizierung haben wir uns aber auch Gedanken zu anderen Prozessen gemacht.

Erhoffen Sie sich eine Verkaufssteigerung?

Zoller Die Verdello-Farbe trägt momentan nur sehr wenig zum Umsatz bei. Wir sind in einer ersten Phase. Aber ich war bei den Vorträgen von Jeremy Rifkin und habe gelernt: Wir brauchen keine Produkte für Idealisten, sondern welche, die funktionieren und gut sind für die breite Masse. Wir haben keine Kompromisse gemacht. Die Verdello-Farbe ist genauso gut deckend und abwaschbar wie herkömmliche Produkte. Jetzt brauchen wir die Kunden, vor allem bei den professionellen Abnehmern. Da ist ein kleines oder mittleres Unternehmen oft im Nachteil.

Welche Nachteile sehen Sie denn?

Zoller Wir haben sehr viel Geld und Zeit in die Entwicklung gesteckt. Das ist für ein Unternehmen unserer Größe ungleich viel schwieriger als für einen Konzern. Jeder will, dass wir alle möglichen Label haben, aber keiner will sie bezahlen. Das ist alles andere als einfach. An dieser Stelle wünsche ich mir von der Politik mehr Unterstützung. Das könnte beispielsweise im Rahmen von öffentlichen Ausschreibungen geschehen, bei denen zertifizierte Farben verlangt werden.

Sie sind bei der Circular Economy aktiv?

Zoller Ja, wir bereiten zur Zeit den „Luxembourg Circular Economy Hotspot“ vor, der vom 20. bis 22. Juni in Luxemburg stattfindet und zu dem viele internationale Gäste kommen. Da sind wir mit Ständen präsent. Darüber hinaus arbeiten wir noch an einem neuen Produkt.

Verraten Sie schon, was es wird?

Zoller Wir wollen positive Produkte machen. Das nächste wird ein Projekt, bei dem wir mit luxemburgischen Bauern zusammenarbeiten. Sie pflanzen Öllein in Quellgebieten an, aus dem Leinöl gewonnen wird. Das wiederum ist dann ein Rohstoff für Farbe, die hier in Luxemburg hergestellt wird. Leinöl ist ein bewährtes Binde- wie auch Konservierungsmittel. Das ist ein Projekt, von dem alle Beteiligten profitieren.


www.robin.lu