LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Drei Frauen haben sich in einem Kunstprojekt zusammengefunden

Die eine bemalt Körper in leuchtenden Farben, die andere illustriert ihr Innerstes mit Acrylfarben, Pastel- und Ölstiften auf Leinwand und die dritte realisiert Gemälde mit ganz unterschiedlichen Materialien, die fast immer einen Blick auf Frauen werfen. Als Künstlerinnen könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Doch drei Dinge verbanden die drei Frauen: eine Verbundenheit mit mehreren Ländern, Liebe zur Kunst und Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen. Sie taten sich zusammen und gründeten „Trio-Frauen-Art“.

„Entstanden ist das, weil wir uns für Esch 2022 beworben haben“, erzählt Dr. Hilly Kessler. Sie ist Deutsche und Luxemburgerin und ihr Lebenslauf ist so facettenreich wie ihre Bilder: Kessler machte zunächst eine Ausbildung als technische Zeichnerin im Maschinenbau, holte das Abitur nach und studierte Medizin. Als Frauenärztin kam sie 1997 ans CHL und öffnete zwei Jahre später ihre eigene Praxis. Dort hängen ihre Bilder von Frauen, die oft wie aus den 30er Jahren wirken, manchmal auf Stoff oder Holz gemalt. „Ich experimentiere gern“, lächelt Kessler, die ihre Werke schon quer durchs Land, aber auch in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Österreich und Italien ausgestellt hat - und einige Preise einheimsen konnte.

Ausstellung in der Europäischen Investitionsbank

Das macht auf eine gewisse Art und Weise auch Eva Fayaud gern. Die Frau mit französischer, norwegischer und Luxemburger Staatsangehörigkeit folgt vor allem ihrem eigenen Stil. Nach dem Studium der „Arts plastiques“ in Straßburg folgten noch viele Jahre an der „Ecole d’Art Contemporain“ in Luxemburg. Zwischen grafischen Formen und angedeuteten Szenen in kräftigen Farben bleibt es dem Betrachter selbst überlassen, was er daraus liest. Zurzeit sind ihre Werke wieder in der Europäischen Investitionsbank auf Kirchberg ausgestellt.

Den außergewöhnlichsten Lebenslauf des Künstlerinnen-Trios hat sicher Rasha Sawas. In Syrien geboren, wo sie in Damaskus Kunst studierte, bevor sie in Paris sowohl einen Abschluss an der bekannten ESMOD-Modeschule erwarb, als auch ein Diplom als Innenarchitektin, das vom Luxemburger Staat anerkannt wurde. International gut vernetzt arbeitet Sawas mit verschiedenen Künstlergruppen zusammen; auch in Luxemburg, wohin sie 2014 als Flüchtling mit ihrem Mann und den drei Kindern kam. Ihre wahre Liebe gilt dem Bodypainting, doch sie plant auch schon mal Hochzeiten oder Modeschauen im Mittleren Osten. Schließlich hat sie zehn Jahre in den Golfstaaten gelebt. Für ihre bunten Körperwerke wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

„Ich habe in Österreich an einem Festival zum Bodypainting teilgenommen – und bin direkt fünfte geworden. Das war der Start meiner Leidenschaft“, berichtet Sawas. „Ich liebe es, Körper zu bemalen, das ist immer wieder etwas ganz anderes – und die Bemalten fühlen sich gut, als Kunstwerk!“

Fayaud nickt. Auch sie hat abseits des Mainstreams angefangen, mit Graffiti. „Ich will nicht irgendetwas kopieren, sondern frei arbeiten. Das Kunststudium damals hat mir nicht zugesagt. Am Ende habe ich hier einen Lehrer gefunden, der mir geholfen hat, auf meine innere Stimme zu hören. Heute leiten mich die Farben“, beschreibt sie ihren Stil.

Kessler wiederum, der Feminismus und Frauen ein besonderes Anliegen sind, hat jahrelang neben der Arbeit Kurse besucht und inspiriert sich immer wieder an verschiedenen Stilen und Materialien. Kein Wunder, dass die drei sich über die Kunst kennenlernten. „Eva war auf einer meiner Ausstellungen und mit Rasha hatte ich schon ausgestellt“, erzählt Kessler.

Konzept für viele Gelegenheiten

Das Trio-Frauen-Art bewarb sich für Esch 2022. Dann erhielt es die Absage. Doch mit der Coronavirus-Krise ist ohnehin unklar, wie das Kunst-Event ablaufen wird. Performances, so wie sie sie geplant hatten, sind sicher schwierig. „Aber das Konzept war nicht nur für Esch 2022 gedacht“, sagt Kessler. „Das können wir auch noch später umsetzen.“ Die Zusammenarbeit hat den Künstlerinnen in jedem Fall Spaß gemacht. „Und wer weiß, was mit der Normalisierung kommt“, lächelt Sawas. „Wir wollen einfach nur unsere Kunst bekannter machen.“