ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

Theatertruppe „Geoghelli“ spielt „Cabaret“ im Escher Theater

In den 1960er Jahren erhielt das „Lycée de Garçons“ in Esch einen Festsaal und seither ist Theaterspielen ein wichtiges Nebenfach in der Schule geworden.

1992 nahm die Truppe den Namen „Geoghelli“ an, der sich vom Spitznamen „Ghelli“ des damaligen Direktors Edchen Wagner und von „Geo“, der Abkürzung des Vornamens des beigeordneten Direktors Georges Konsbrück, zusammensetzt. Es wurde ausschließlich Cabaret gespielt, um allen Interessenten die Gelegenheit zu geben, auf der Bühne zu stehen. 2007 entschied sich der Leiter der Truppe Patrick Engel, erstmals ein Musical aufzuführen, „Heiße Ecke“. Seitdem spielten die ambitionierten Jugendlichen unter anderem „Ein Sommernachtstraum“, „Canterville-Story“ und „Spamalot“. Diese Saison hat man sich eine ganz spezielles Musical herausgesucht, „Cabaret“ von John Kander (Musik) und Fred Ebb (Texte). Nach der Premiere im Juli im Festsaal des Jungenlyzeums, steht das Musical am 22. und 23. September auf dem Programm des Escher Theaters. Die Dialoge sind auf Deutsch, während die Lieder auf Englisch gesungen werden.

Berlin in der aufkommenden Nazizeit

Sylvester 1929 kommt der amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw (Philip Hoffmann) nach Berlin. Im Zug lernt er Ernst Ludwig (Rodrigo Costa) kennen, der ihn in die Pension von Fräulein Schneider (Caroline Klein) schickt, in der Fräulein Kost (Ella Bettendorf) und der jüdische Gemüsehändler Herr Schultz (Seb Baedis) wohnen, der in Fräulein Schneider verliebt ist. Am Abend feiert Clifford im Berliner Cabaret „Kit-Kat-Klub“ das neue Jahr, dort wo der „Conférencier“ Emcee (José Alves) dem Publikum gehörig einheizt. Der Amerikaner ist von der Sängerin Sally Bowles (Sarah Rossetti) angetan, die sich tags darauf bei ihm einnistet, weil sie gefeuert wurde.

Talentierte Jugendliche

Als Herr Schultz Fräulein Schneider einen Heiratsantrag macht und in seinem Laden Verlobung gefeiert wird, erscheint Ludwig mit einem Hakenkreuz am Arm. Jedem wird klar, dass die Freude bald ein Ende haben wird. Man muss schon staunen, wenn man diese Jugendliche auf der Bühne sieht und sie vor allem singen hört. Im Lyzeum standen zwei MCs auf der Bühne: José Alves und Elisa Barzotti, ein gute Idee, die auch gut funktionierte. Im Theater steht allerdings nur José Alves auf der Bühne, der durch seine Stimme und seine kühne Art überrascht. Sarah Rossetti hat eine extrem schöne und starke Stimme und eine ausgezeichnete Diktion der beiden Sprachen der Show. Caroline Klein hört man bei den deutschen Dialogen an, dass sie eine Luxemburgerin ist, aber sobald sie auf Gesang umstellt, erklingt eine wunderbare Stimme, die zudem die englischen Texte problemlos meistert. Und alle drei singen weder in einer Band oder nehmen Gesangsunterricht - Naturtalente! José Silva wird Musik studieren, und den beiden Mädels kann man nur anraten, ihr Gesangstalent nicht zu vergeuden.

Insgesamt konnte die ganze Truppe überzeugen, und so erweckt „Cabaret“ einen fast professionellen Eindruck.