LUXEMBURG
MARCO MENG

Selbstverteidigung und Selbsterfahrung - Boxen trainiert nicht nur den Körper

Schläge knallen gegen Sandsäcke, die Luft pfeift vom Seilspringen. Freitagabend, Training des Central Boxing Club Luxembourg im Centre Sportif im hauptstädtischen Luxembourg. In der Mitte des Sportsaales ist ein Boxring aufgebaut, ein Dutzend Männer und eine junge Frau arbeiten, schweißnass, an den Sandsäcken, bis die Uhr das Signal gibt: Drei Minuten vorbei, eine Minute Pause.

Wie auch die anderen beiden Boxvereine der Stadt hält der Central Boxing Club hier mehrmals die Woche sein Training ab.

Wie ist das Interesse am Boxsport? Toni Tiberi, Generalsekretär der Luxemburger Boxföderation (FLB), erklärt, vor sieben, acht Jahren, habe es nachgelassen, doch seit etwa drei Jahren verzeichne man wieder einen regen Zulauf. „Für 2013 hatten wir in den Vereinen wieder zahlreiche Neuanmeldungen, auch haben wir für dieses Jahr schon vier neue Profis und zahlreiche Anfragen wegen einer Profi-Lizenz.“

Streit mit EBU beigelegt?

Ist der Streit mit dem europäischen Profiverband EBU wegen der Lizenzen für die umstrittenen Boxer David Haye und Derek Chisora nach deren Pressekonferenz-Prügelei beigelegt? „Ich dachte mir schon, dass Sie diese Frage stellen würden“, so Pierre Back, Präsident des FLB. Die Wunde sei fast geheilt, darum wolle man nichts mehr dazu sagen. Back geht aber davon aus, dass man bald wieder Mitglied der EBU werden wird. Hatte man dem Profiboxsport im Land damals mit der Lizenzvergabe einen Bärendienst erwiesen? Andererseits dürfte das nicht der einzige Grund sein, warum die Veranstaltungen der 1990er Jahre, als im Centre Culturelle in Hollerich regelmäßig Boxkämpfe mit zum Teil hochkarätiger Teilnahme stattfanden, der Vergangenheit angehören. Eine kostspielige Angelegenheit. Und so bedauert Tiberi auch, dass man in Luxemburg nur schwer Sponsoren für Boxveranstaltungen finde.

„Was wir in Luxemburg brauchen, ist, die jungen Talente aufzubauen“. Ziel sei darum auch, einmal bei den Olympischen Spielen der kleinen Länder und später vielleicht auch wieder an den ordentlichen Olympischen Spielen teilzunehmen. Back erklärt auf die Frage, warum das die letzten Jahre so schwer gewesen sei, damit, dass man nur wenige Boxer habe, die mehr als zehn Kämpfe absolvierten.

Luxemburg hat heute laut Tiberi 132 aktive Boxer, davon neun Frauen. Ebenso viele Boxer haben die Profilizenz, darunter mit André Caroline Théa und Angela Pürringer ebenfalls zwei Frauen. „Drei unserer Amateur-Boxerinnen fahren nun im März zu einer Meisterschaft nach Frankreich, wo sie an einer Veranstaltung teilnehmen, auf der nur Frauen boxen“, erklärt Tiberi.

Wieder wachsendes Interesse

Für Luxemburger Boxer ist es sicherlich wichtig, auch im Ausland zu boxen, um nicht stets die gleichen Gegner vor die Fäuste zu bekommen. Das Interesse am Boxsport sei jedenfalls wieder am Zunehmen, so sieht es auch Yves Kasel, Präsident des Central Boxing Club. Kasel kam als Jurastudent mit dem Boxen in Berührung. Seitdem hat ihn die Faszination nicht mehr losgelassen. „Eltern machen sich zuerst Sorgen um die Gesundheit“, erklärt er. Es sei natürlich ein Unterschied, ob Amateur- oder Profiboxen. „Bei den vielen Kämpfen war die schwerste Verletzung, die ich miterlebte, dass sich jemand beim Aufwärmen die Schulter ausrenkte“, gibt es zu bedenken und betont den gesundheitsfördernden Aspekt dieser Sportart. Auch die Zuschauerzahl, die bei den Veranstaltungen etwa zweihundert betrage, zeige, dass das Interesse an diesem Sport groß sei.

Der Vater von Michel Erpelding, dem amtierenden Luxemburger Meister im Mittelgewicht, steht am Ring und sieht seinem Sohn bei der „Pratzen“-Arbeit mit dem Trainer Mounir Arramchani zu. Er selbst ist begeisterter Radsportler und war „gar nicht begeistert“, als sein Sohn, ursprünglich Basketballer, mit dem Boxen begann. „Er ist aber seitdem unwahrscheinlich diszipliniert und seriös geworden, auch in der Schule. Er trinkt nicht, raucht nicht, hat ein Ziel“.

Michel Erpelding dazu: „Boxen ist ziemlich harte Arbeit. Man muss unbedingt besser sein wollen als der Gegner, das motiviert einen.“ Erpelding ist vom Boxfieber ergriffen worden und dabei geblieben. Selbst seine Schwester Annick, die er einmal zum Training mitnahm, begeistert sich seitdem dafür. Aktiv auf Wettkämpfen möchte sie zwar nicht boxen, findet das Training aber klasse

Am 3. Mai wird mit 13 Amateurkämpfen die nächste Box-Gala im Centre Sportif in Luxemburg stattfinden.