LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Marco Godinho vertritt Luxemburg mit seinem „Written by Water“ bei der Kunstbiennale in Venedig

Mit seinem Projekt „Written by Water“ wird der luxemburgische Künstler mit portugiesischen Wurzeln, Marco Godinho, Luxemburg vom 11. Mai bis zum 29. November bei der 58. „Biennale di Venezia“ vertreten. Künstler aus der ganzen Welt zeigen in der Lagunenstadt ihre Werke in den verschiedenen Länderpavillons. Die Teilnahme ist natürlich auch für das Großherzogtum von Wichtigkeit, verschafft sie der luxemburgischen Kunst auf internationaler Ebene doch Sichtbarkeit und Anerkennung.

Erste Kunstbiennale im neuen Pavillon

Gestern gab Marco Godinho nun im „Casino Luxembourg- Forum d’art contemporain“ erste Details zu seinen Plänen für diese wichtige internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst, die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindet. Kulturministerin Sam Tanson sprach derweil von einem spannenden Jahr, immerhin sei es das erste Mal, dass der Luxemburger Kunstbiennale-Beitrag in den neuen Räumlichkeiten präsentiert werde. Zur Erinnerung: Ab 1990 nutzte Luxemburg das 125 m² große Pavillon in der etwas abgelegenen „Ca‘ del Duca“, das 2018 gegen Räumlichkeiten von 250 m² in der viel zentraleren „Sale d’Armi“ auf dem Areal des Arsenale eingetauscht wurde. Zum ersten Mal wurde der Pavillon letztes Jahr anlässlich der Architekturbiennale genutzt. „Zentraler gelegen und eine größere
Fläche“, listete Tanson erneut die Vorteile des neuen Austragungsorts auf.

Jury traf einstimmige Wahl

2017 durfte Marc Bourscheid das Großherzogtum mit seinem Projekt „Thank you so much for the flowers“ in Venedig vertreten. Diesmal fiel die Wahl der Jury einstimmig auf Marco Godinho. Im Auftrag des Kulturministeriums organisiert und koordiniert das „Casino Luxembourg- Forum d’art contemporain“, genau wie 2017 bereits, die luxemburgische Teilnahme. „Für uns als Institution ist es eine einzigartige Gelegenheit, die ersten künstlerischen Schritte in diesem neuen Raum zu unternehmen“, sagte Direktor Kevin Muhlen. „Der Veranstaltungsort stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen und erfordert andere artistischen Überlegungen. Was die praktische Organisation anbelangt, müssen mehr Regeln befolgt werden, weil wir uns hier mitten im Biennale-Geschehen befinden. Der Vorteil ist ganz klar, dass wir ein größeres Publikum erreichen“, erklärte er.

„Jeder Künstler hat seine Besonderheiten, sodass jede Teilnahme an der Biennale auch immer anders ist. Marc Bourscheid befand sich damals noch am Anfang seiner Karriere. Durch die Biennale hat er internationale Aufmerksamkeit erlangt. Diesmal schicken wir einen bereits etablierten Künstler nach Venedig, mit dem wir seit längerem regelmäßig zusammenarbeiten. Entsprechend anders gestaltet sich die Begleitung“, beschrieb der Direktor des „Casino Luxembourg“. Für sein Projekt „Written by Water“ hat sich Godinho ausführlich mit der Faszination der Menschen für das Meer beschäftigt. Dieses Thema spiele seit längerem eine Rolle in seiner Arbeit, sagte der Künstler. Gerade mit dem Mittelmeer würden viele ältere Erzählungen in Verbindung gebracht, genau wie Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit sowie der Gegenwart. Immerhin sei das 21. Jahrhundert geprägt von einem Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer nach Europa. Dem Thema Migration räumt er deshalb einen großen Platz ein.

Immer auf der Suche nach neuen Horizonten

An sich ist der Künstler permanent auf der Suche nach neuen Horizonten und will die Welt sowie ihre geografischen, politischen und philosophischen Grenzen erkunden. Genau das spiegelt sich in seinem Biennale-Beitrag wider, der sich durch verschiedene einzelne Projekte zusammensetzt. Für eines hat er beispielsweise Bücher ins Meer eingetaucht, um das Wasser in gewisser Weise Geschichten erzählen zu lassen. Aus den wieder getrockneten Heften sind Skulpturen entstanden. Für ein anderes hat er mit seinem Bruder Fábio Godinho, der Schauspieler ist, zusammengearbeitet. Überhaupt habe er versucht, möglichst viele Leute einzubeziehen, so etwa von der „Blannevereenegung“ oder der ASTI. Eine sonore Installation sowie eine Art Langzeit-Performance gehören ebenfalls zu „Written by Water“.

Politische wie poetische Reflexionen seien bei der Ausarbeitung seines Projekts von Wichtigkeit gewesen. „Es geht in die Tiefe, wir tauchen auch in die Erinnerung ein“, versprach Godinho. „Ich habe letztlich eine Ausstellung entwickelt, die man eigentlich nie in ihrer Gesamtheit sehen kann, egal wie viel Zeit man darin verbringt. Ich habe sie wie eine unvollständige Vision konzipiert“, führte Godinho weiter aus. Den ihm zur Verfügung stehenden Raum habe er derweil wie „einen organischen Raum mit eigener Temporalität“ behandelt, „in den man eintaucht“.

Am 9. Mai findet die Vernissage im Luxemburger Pavillon statt, ab dem 11. Mai ist die Kunstbiennale dann für das Publikum geöffnet. Weitere Infos unter www.luxembourgpavillon.lu