LUXEMBURG
INGO ZWANK

2018 gab es 88 Anzeigen wegen schulischer Gewalt

Es ist für Fernand Kartheiser (adr) erschrecken: Man höre immer öfters vom Lehrpersonal an Grund- und Sekundarschulen, dass es immer häufiger zu Gewalttaten komme, wo sich Schüler andere Schüler oder auch Lehrpersonal als Opfer aussuchen würden. Wie groß ist das Problem Gewalt an Luxemburger Schulen also wirklich?

Was ist Gewalt?

Auf Nachfrage hin nach aktuellen Zahlen zu dieser Thematik führt der zuständige Minister für Innere Sicherheit François Bausch (déi gréng) aus, dass solche Zahlen schwierig zu erfassen seien. Denn als Definition zu „Gewalt“ würden Verhaltensstörungen, Pathologie und auch Delinquenz fallen.

Zahlen konnte der Minister da aber über die Treffen der sogenannten Disziplinarräte vorlegen, die im Schuljahr 2014/2015 186 mal tagen mussten, 2015/2016 151 mal und 2016/2017 144 mal. In rund 25 Prozent der Fälle musste der Rat sich mit Gewalttaten auseinandersetzen.

Allerdings habe die Polizei einige Fälle erfasst, die unter den Terminus „Gewalttaten an Schulen“ fallen. So seien 2014 70 Anzeigen, 2015 71, im Jahr 2016 78, im Jahr 2017 73 und im Jahr 2018 88 solcher Anzeigen aufgenommen worden.

Interventionspläne

Wenn es zu Gewalttaten an einer Schule kommt, „ haben viele Schule Interventionspläne ausgearbeitet“, wie Bausch präzisiert. Es liege dann im Ermessen des Lehrpersonals oder auch der Schulleitung, wie weit dieser Plan greifen soll, ob gegebenenfalls die Polizei oder auch medizinische Hilfe gerufen werde.

Sollte es soweit kommen, dass die Polizei informiert wird, „fährt die Polizei direkt zum Einsatzort und greift hier mit den adäquaten und verhältnismäßigen Mitteln ein, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen.“ Bausch betont dabei, dass die Polizei, „abgesehen von einem Notruf“, spezielle interne Anweisungen hat, wie sie bei Ermittlungen an einer Schule vorzugehen hat.

Sollte der Fall vorliegen, dass hier ein Kind durch regelmäßige Aktionen aufgefallen ist, so sehe das Schulgesetz von 2009 vor, dass neben der Mitteilung an die Eltern auch die Schuldirektion Kenntnis von den Taten bekommt, so dass entsprechende Hilfen, die es an der Schule gibt, wie auch spezialisierte Dienste oder Therapeuten mit einbezogen werden können. In dem Fall, „wo das Wohl vom betroffenen Kind oder Jugendlichen oder die Sicherheit von den Mitschülern oder dem Lehrpersonal in Gefahr sind, wird auch die Staatsanwaltschaft informiert“, führt der Minister aus.

Das Wohl aller im Auge

Sowohl das Ministerium als auch die Direktionen würden sich gleichermaßen dafür stark machen, für die Schulen und auch das Lehrpersonal in solchen Krisensituationen zu unterstützen. Vorrang muss der Schutz eines jeden in einer solchen Situation haben, so der Minister, der Schutz der Mitschüler und des Lehrpersonals, aber auch der betroffenen Schüler vor sich selbst.