SEVILLA
PASCAL STEINWACHS

Der luxemburgische Militärtransporter nimmt langsam Form an

Mit einem belgischen Militärflugzeug von Luxemburg zum Militärflughafen Melsbroek bei Brüssel, von dort aus mit einem um einiges größeren Militärflugzeug ins spanische Sevilla, um dort zweieinhalb Stunden lang direkt am Flughafen die Produktionsstätte des von vielen sehnsüchtig erwarteten Airbus A400M zu besuchen, ehe es schon wieder zurück nach Luxemburg und Brüssel geht, und das alles an einem einzigen Tag. Knapp 100 Leute beteiligten sich am Dienstag dann auch an der militärisch-aeronautischen Bildungsreise nach Andalusien, von denen die meisten indes eine Uniform trugen, handelte es sich bei den Besuchern der Airbus-Fabrik doch hauptsächlich um belgische und luxemburgische Militärs.

Foto: Airbus - Lëtzebuerger Journal
Foto: Airbus

Luxemburgischer A400M soll in Melsbroek bei Brüssel stationiert werden

Dabei waren aber auch der belgische Außenminister Didier Reynders sowie eine aus Mitgliedern der parlamentarischen Kommission für Innere Sicherheit und Verteidigung bestehende Delegation der Abgeordnetenkammer, nämlich Stéphanie Empain (déi gréng), Gusty Graas (DP), Jean-Marie Halsdorf (CSV), Fernand Kartheiser (adr) und Marc Goergen (Piraten). Nicht dabei war jedoch der luxemburgische Verteidigungsminister François Bausch, der sich, wie es hieß, ausgerechnet an dem symbolträchtigen Tag, wo sich die Luxemburger erstmals ein Bild von ihrem bereits in Teilen fertiggstellten Militärtransporter machten, einem medizinischen Eingriff unterzogen haben soll.

Die Anwesenden, darunter der Generalkoordinator des Verteidungsministeriums, Gilles Feith, sowie General Alain Duschène, konnten ihrerseits feststellen, dass der Militärtransporter langsam Form annimmt, auch wenn es bis zur Auslieferung noch einmal ein Jahr dauern soll, und der luxemburgische A400M gar erst Anfang 2021 einsatzbereit sein soll. Der luxemburgische A400M ist Teil einer insgesamt acht Flugzeuge umfassenden belgisch-luxemburgischen A400M-Flotte, die alle auf der bereits erwähnten „Melsbroek Air Base“ stationiert werden sollen.

Ein entsprechendes Kooperationsabkommen zum Kauf und Betrieb von acht A400M-Militärtransporter wurde indes bereits vor 18 Jahren mit Belgien unterzeichnet, doch dann kam es immer wieder zu Problemen und Verspätungen seitens von Airbus, so dass der A400M auch als „Pannenflieger“ bezeichnet wird, insbesonders nachdem das neu gebaute Transportflugzeug bei einem Testflug im Mai 2015 kurz nach dem Start nahe Sevilla abstürzte, wobei vier Personen ums Leben kamen. Inzwischen sollen aber 77 der 174 von Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Spanien, der Türkei und dem Vereinigten Königreich bestellten A400M -Flugzeuge ausgeliefert worden sein.

Das luxemburgische Flugzeug, das momentan in Sevilla zusammengebaut wird, soll derweil das erste fertiggestellte Flugzeug der belgisch-luxemburgischen Flotte werden; bis 2022 sollen dann die anderen sieben Flugzeuge folgen. Dabei soll Luxemburg für insgesamt drei Mannschaften verantwortlich zeichnen, was sechs Piloten und sechs Ladungsmanagern entspricht. Auch ist bereits seit 2017 ein luxemburgischer Offizier bei der belgischen Luftwaffe tätig, um sich um das Projekt A400M zu kümmern, und sind bereits jetzt vier Piloten und drei Ladungsmanager der Luxemburger Armee in Melsbroek stationiert.

Dem Wunsch der Luxemburger Regierung zufolge soll der A400M-Transporter vor allem für humanitäre Missionen eingesetzt werden, aber das dürfte ab 2021 dann eher Sache des Militärs sein. Die luxemburgischen Abgeordneten, die der vorgestrigen Visite in Sevilla beiwohnten, sehen den Lauf des Militärtransporters jedenfalls eher pragmatisch: Das Kooperationsabkommen zwischen Luxemburg und Belgien wurde im Jahre 2001 unterschrieben, daran lässt sich nicht mehr rütteln und nun heißt es eben das Beste daraus machen...