SIMONE MOLITOR

Erst vor wenigen Wochen wurde der Welttag des Buchs gefeiert, wenngleich nicht so groß wie in den Vorjahren. Dennoch wurde das Buch in gewisser Weise als möglicher Gewinner der Corona-Krise gehandelt. In Zeiten der Ausgangssperre und des allgemeinen Stillstands konnte man sich immerhin mit Lesen die Zeit vertreiben, sich in aufregende Welten flüchten und in der Fantasie auf Entdeckungsreise gehen. Der Buchbranche könnte dies zu einem Aufschwung verhelfen, wurde spekuliert. Die Autoren wurden derweil kaum als Leidtragende der Corona-Beschränkungen wahrgenommen. Sie konnten ihrem Metier – dem Schreiben - schließlich immer noch nachgehen.

Ist es wirklich so einfach? Bedeutet der Wegfall des Freizeitangebots tatsächlich das massive Zurückgreifen auf Bücher? Wird der Verkauf signifikant angekurbelt? Und setzt die Inspiration der Schriftsteller auf Knopfdruck ein? Nein, die Corona-Krise setzt auch der Buchbranche und all ihren Akteuren zu, also nicht nur den Buchhändlern, deren Läden zwei Monate geschlossen waren, sondern ebenso den Verlegern und den Autoren selbst. Ihnen fehlen wichtige Werbe- und Begegnungsplattformen. Lesungen und literarische Events sind seit Wochen gestrichen. Eine baldige Rückkehr zur Normalität ist nicht absehbar.

Die Leipziger Buchmesse bildete kurz vor der Eröffnung im März den Auftakt einer Welle an Absagen. Es folgten der „Salon du Livre“ in Paris und die Kinderbuchmesse in Bologna. Auch Luxemburg blieb nicht verschont. Während das Bettemburger Festival „LiteraTour“ im April immerhin in sehr abgespeckter Form online stattfand, fällt das „BD Festival“ in Contern im Juli aus. Überraschend brach die Gemeinde Walferdingen bereits letzte Woche die Organisation ihrer für November geplanten „Bicherdeeg“ ab. Das alles bedeutet einen herben Rückschlag für die Buchbranche. Unterdessen wird in Frankfurt noch gebangt. Die Entscheidung, ob die weltgrößte Buchmesse im Oktober stattfinden wird, soll in den nächsten Tagen fallen. Die Veranstalter stehen unter gewaltigem Druck. Diesen Druck wollte man sich in Walferdingen offensichtlich nicht antun, zu groß ist im Moment die Ungewissheit. Niemand weiß, wie die Situation im Herbst aussieht, doch es scheint klar zu sein, dass es auch dann noch Einschränkungen für größere Veranstaltungen geben wird.

Zur Frankfurter Buchmesse strömen jedes Jahr 300.000 Besucher, die „Walfer Bicherdeeg“ ziehen immerhin 10.000 an. 2020 undenkbar. Alternative Programme sollte man sich trotzdem überlegen, womit nicht unbedingt eine reine Virtualisierung gemeint ist, sondern vielmehr kleinere Formate mit weniger Publikum. Das digitale Angebot kann auf Dauer nicht alles ersetzen. Auch der Buchsektor braucht den direkten Kontakt zur Leserschaft. Der Autor braucht Lesungen und Begegnungen. Die Verlagshäuser brauchen Messestände. Luxemburgensia braucht die „Walfer Bicherdeeg“, die „LiteraTour“ und das „BD Festival“. Und letztlich konnte durch die Rückkehr von Luxemburg nach Frankfurt vor zwei Jahren eine wichtige Arbeit wieder aufgenommen werden, die nun wohl erneut unterbrochen wird: die Förderung der luxemburgischen Literatur und unserer Autoren im Ausland. Diese Schaufenster werden in diesem Jahr schmerzlich fehlen.