ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

Martin Luding begeistert mit „Auf und davon! Nackt über die Alpen“

Das Escher Theaterpublikum kennt den Schauspieler Martin Luding aus „Caveman“, einem Solo-Stück von Rob Becker, das Kristian Bader ins Deutsche übersetzte.

Er war ebenfalls mit „Männerabend“ zu Besuch in der Minett-Stadt, einer Komödie, die er zusammen mit Roland Baisch und Michael Schiller schrieb. Im Januar 2014 feierte „Auf und davon! Nackt über die Alpen“ seine Premiere im Hamburger Theater Schmidts Tivoli. Am Anfang spielte Kristian Bader sein selber geschriebenes Solo-Programm, ehe Kollege Luding ihn ersetzte. Am Freitag und Samstag brachte Luding das Escher Theaterpublikum wieder an die Grenzen der Belastbarkeit seiner Lachmuskulatur.

Goethe hatte es besser

Ein gestresster Luding mit Bart und verwaschenen Jeans hetzt auf die Bühne. Er soll mit seiner Frau in Urlaub fliegen, was ein reines Martyrium für ihn ist. Koffer packen reizt seinen allerletzten Nerv, dann muss er sie schleppen, da Madame nur für das leichte Gepäck zuständig ist, und das geht an sein Gemüt. Eigentlich bräuchte er vor jedem Urlaub einen Schlichter, der die Probleme zwischen ihm und seiner Frau lösen könnte. Es wäre ebenfalls nicht schlecht, wenn man einen „Ehe-Führerschein“ machen müsste, oder sich seine Frau aussuchen könnte, mit der Hilfe eines Eheberaters. Und er denkt an Goethe, der durch Europa reiste, Spaß hatte, weil er das Glück hatte, allein zu sein! Luding beginnt in der Geschichte der Germanen und Teutonen Ähnlichkeiten mit der heutigen Zeit zu suchen, und geht auf die Völkerwanderungen ein, also eine Art Ferien anno dazumal, speziell auf die des letzten König der Teutonen, Teutobod und dessen Frau Hiltiburch, schlicht Hildimaus genannt. Teutobod zog von Dänemark nach Italien, um dann in Frankreich 101 v. Chr. von den Römern geschlagen zu werden. Ja, so eine Völkerwanderung fing damals auch im Reisebüro an, wie die Ferien der Ludings heute. Die Kranken und Alten wurden zurück gelassen, „wegen der Knochenfunde“, da sonst kein Archäologe wissen wird, dass da für Leute wohnten.

Sächsische und italienische Zollbeamten

Der gute alte Teutobod wollte nackt über die Alpen, da sein langer Bart ihn vor Kälte geschützt hätte, wäre nicht seine Frau gewesen. Eine erste Hürde ist ein näselnder sächsischer Zollbeamter in Leipzig, der Teutobod und seine 100.000 Landsleute irre führt und sie nach Ungarn schickt. Auch an der italienischen Grenze gibt es Probleme mit einem Vespa fahrenden Beamten, der sie nicht ins Land lässt. Gegen die Beamtenstörrigkeit hilft Teutebods Motto „Verhandeln ist Silber, Keule ist Gold“ nichts, und so zieht die Teutonen-Schar weiter. Immer wieder vergleicht Luding die Wanderung der Teutonen mit dem Reiseverhalten der heutigen Menschen und entdeckt viele Gemeinsamkeiten.

Mit dem Satz des Philosophen Ludwig Wittgenstein „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ belegt Luding, dass gestrichelte Landesgrenzen auf einer Landkarte nicht die Barriere der Völkerverständigung ist, sondern die Sprache. „Auf und davon!“ ist eine wahre Quelle mit lustigen Ideen und intelligenten Wortspielereien. Martin Luding trägt die Texte mit Brio vor, wie mit einem Schuss Selbstironie, die ihn ein paar Mal aus dem Konzept brachte, was dann zu Gesprächen mit dem Publikum führte.

Mit verstellter Stimme und einer nie endenden Mimik und Gestik charakterisierte er die einzelnen Figuren, machte Geräusche mit dem Mund und trällerte Musik, welche zur Geschichte der Urlauber gestern und heute passten.

Multitalent Luding ist einfach der Mann für solche brillante Solo-Programme.