LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Robert Wilsons „Jungle Book“ als Musical im Großen Theater

Robert Wilson gilt sowohl als innovativer Regisseur, wie als „Enfant terrible“ in der Theaterszene. Im Großen Theater machte er 1997 erstmals als Regisseur des Musicals „Black Rider“, das als Gastspiel gezeigt wurde, auf sich aufmerksam. Die Show war damals nicht nach jedermanns Geschmack. Er inszenierte 2004 „Two Lips and Dancers and Space“ und 2008 „Oh les beaux jours“ für das Große Theater. Zusammen mit dem „Théâtre de la Ville - Paris“ produzierte das Theater nun „Jungle Book“, eine neue Fassung der Erzählungen des britischen Schriftstellers Rudyard Kipling. Das Komponistinnen- und Sängerinnen-Duo CocoRosie, alias die Schwestern Sierra und Bianca Casady, komponierten die Musik dazu, so dass man von einem Musical sprechen kann. Zusammen mit Wilson haben sie bereits die Stücke „Peter Pan“ (Berlin), „Pushkin’s Fairy Tales“ (Moskau) und „Edda“ (Oslo) kreiert.

Das Gesetz des Dschungels

Elefant Hathi (Aurore Deon), eine Frau in einem weißen Kleid mit großen angeklebten Ohren, stellt die einzelnen Figuren mit dem „Captivity Song“ vor: den Tiger Schir Khan (Roberto Jean), den Schakal Tabaqui (Naïs El Fassi), den Wolf Akela (Gaël Sall) und die Wölfin Rakscha (Nancy Nkusi), die Pantherin Bagheera (Olga Mouak), den Bär Balu (François Pain-Douzenel), einen Affen (Jo Moss) und natürlich den Menschenjungen Mowgli (Yuming Hey), der in Rot gekleidet ist. In loser Folge stellen sich die einzelnen Protagonisten vor, wie Balu mit „Treehugger“ oder Bagheera, die in „Mother Where Did You Go?“ erzählt, dass sie bei den Menschen geboren wurde und das Zeichen des Halsbandes trägt. Schir Khan will den „kleinen Mann“ für sich beanspruchen, aber die Wölfe nehmen den Jungen unter ihren Schutz. Nach einer Periode von etwa elf Jahren ist Mowgli ein Jugendlicher geworden und muss sich entscheiden, ob er dem Gesetz des Dschungels folgt und bleibt oder zu den Menschen geht.

Wenig innovativ

Dass laut Theater „Jungle Book“ auch für Kinder geeignet sein soll, scheint nach der Premiere am Freitag etwas kurios, denn Wilsons Vision von Kiplings Geschichte ist fernab von anderen Inszenierungen oder Verfilmungen, speziell den Figuren, die Walt Disney 1967 für seinen Zeichentrickfilm erfand, und welche die Kinder kennen. Außerdem sind die Lieder in Englisch gesungen und die Dialoge in Französisch gesprochen, was eine weitere Schwierigkeit darstellt.

Man wird den Eindruck nicht los, dass Wilson seit Jahren stets das Gleiche in Sachen Choreografie, Bühnenbild und Kostüme benutzt. Seine einstigen innovativen Ideen sind verstaubt und können nicht mehr richtig begeistern.

So tanzen die einzelnen Protagonisten oft mit Roboter-ähnlichen Bewegungen oder marschieren herum und fuchteln lediglich mit den Armen. Wilson vergisst komplett, die Geschichte visuell zu erzählen. So muss man dem Elefanten andächtig zuhören, um überhaupt zu verstehen, was passiert. Unverständlich ist des Weiteren, warum alle beim Rat des Wolfs-Klan so hyperschnell reden, so dass man kaum etwas versteht.

Einzig verschiedene Lieder können gefallen, wie zum Beispiel „Law of the Jungle“, „Heart of the Jungle’s Sake“ oder „Hide and Seek“. Andere Titel klingen dagegen seicht und kitschig. „Das Dschungelbuch“ ist in den verschiedensten Formen adaptiert oder verfilmt worden. Von Wilson hat man sich definitiv mehr erwartet, als dass er seinen altbewährten Stil sozusagen lediglich aufwärmt.