ETTELBRÜCK
SVEN WOHL

Das LTEtt feiert seinen 50. Geburtstag inmitten der Corona-Krise

Vor 50 Jahren fand eine der wichtigsten Institutionen der Patton-Stadt ihren Anfang: Das „Lycée technique d’Ettelbruck“ (LTEtt genannt) zählt heute über 1.700 Schüler, die in die verschiedensten Richtungen ausgebildet werden. Wir führten ein Gespräch mit dem Direktor Fränk Fries und der beigeordneten Direktorin Nadine Rassel.

In welchem Umfeld ist das LTEtt vor 50 Jahren entstanden?

Fränk Fries Die Wurzeln unserer Schule reichen bis in die Nachkriegszeit zurück. Vor 50 Jahren wurde das „Collège d’enseignement moyen et professionnel d’Ettelbruck“ (CEMPE) gegründet. 1969 konnte die erste Schulklasse hier in das errichtete Gebäude in der Salentiny-Straße einziehen. Den Namen LTEtt erhielten wir erst zehn Jahre später, als 1979 durch das Gesetz das Lycée Technique gegründet wurde.

Viele Lyzeen nehmen das T mittlerweile aus ihrem Namen heraus, wir dagegen schreiben es groß. Wir sind stolz darauf, aus dem Bereich der Berufsschulen zu kommen und darauf, dass das Handwerk bei uns einen hohen Stellenwert genießt. Dabei vergessen wir nicht, dass wir allen Schülern eine Perspektive bieten wollen.

Wie sieht das Angebot des LTEtt aus?

Fries Bei uns findet jeder etwas. Unser Angebot fußt auf vier Sockeln: Die „Classes inférieures“, wo wir die normalen Klassen der Unterstufe des Technique sowie „Preparationsklassen“ führen. Da arbeiten wir hauptsächlich an der Berufsorientierung der jungen Menschen. Wir haben so zum Beispiel extra Kurse von ein bis zwei Stunden die Woche, in denen der Schüler bis zur 5ième herausarbeiten kann, welche Berufe zu seinen Fähigkeiten passen.

Danach kann sich der Schüler etwa für unsere Säule „Commerce, Gestion, Économie“, also den wirtschaftlichen Teil, entscheiden. Die Säule „Éducation, Santé, Social“ kann die Schüler später zum Studium im sozialen Bereich führen. Wichtig ist auch die Säule „Technologie, Environnement, Énergie“, wo man in Richtung Ingenieursberufe weitergebildet wird. Hier ist auch unsere Sektion Umweltwissenschaften zu finden, mit welcher wir in Luxemburg einzigartig sind. Wir geben den Schülern innerhalb von zwei Jahren alles mit auf den Weg, um in den Umweltberufen bestehen zu können. Wir unterrichten in diesem Bereich nicht in Fächern, sondern in Themen: Abfall, Boden, Luft, Wasser, Mobilität und Energie.

Wie ist dieser Fokus entstanden?

Fries Wir haben Arbeitgeber gefragt, was sie von ihren Arbeitnehmern hier in Zukunft erwarten und  haben dabei ein Rundtischgespräch organisiert, an dem die Umweltministerin ebenfalls teilgenommen hat. So sind wir dann bei unserem Konzept der Umweltwissenschaften angelangt. Dabei hat sich eben auch herausgestellt, dass dieser Unterricht themenbasiert sein soll. Die Spezialisten aus den unterschiedlichen Bereichen sollen ein Thema von allen Seiten belichten können und es so den Schülern ermöglichen, dieses ganzheitlich zu sehen.

Wie ist es dem LTEtt gelungen, mit der Entwicklung Schritt zu halten?

Fries Dadurch, dass unsere Schüler Praktika machen und unsere Schüler im engen Kontakt zu den Unternehmen stehen, da wir hier eine Berufsausbildung anbieten. Damit erhalten wir die Möglichkeit, der Berufswelt von heute und der von morgen gerecht werden zu können. Vor 20 Jahren haben wir mit Umweltprojekten begonnen, wobei das Windmobil erarbeitet wurde.

Nadine Rassel Die Brennstoffzelle ist zum Beispiel ein Fokus, der vom Lehrpersonal gesetzt wurde. Unsere Themen werden nicht von oben herab diktiert.

Fries Das ist auch im Zusammenhang mit dem Pedelec-Port, der sich aus erneuerbaren Energien speist, zu sehen. Da sprechen wir vom „Smart Grid“, wo jeder bei sich zu Hause eine Batterie im Keller haben könnte, wo der selbsthergestellte Strom gespeichert wird und umsonst abrufbar ist. Das setzen wir bereits in unserem Lyzeum um.

Gemeinschaftsgefühl muss komplex sein bei so einer breit aufgestellten Schule.

Fries Das Bindeglied ist unser Lehrpersonal. Im Fokus unserer 50-Jahrfeier steht deshalb der Mensch, da er die wichtigste Rolle in unserem System spielt.

Rassel Jeder, der hier arbeitet, lernt mit der Zeit seine Schüler kennen. Vielleicht nicht alle 1.700 auf einen Schlag, aber auf jeden Fall jene aus den Klassen, die er betreut. Jeder Schüler findet hier letzten Endes seine Peer-Gruppe, seinen Halt, sei es durch das Lehr- und Erziehungspersonal oder andere Schüler.

Wie feiert man 50 Jahre mit Corona?

Fries Die Séance Académique konnte am 11. März noch stattfinden. Ich habe zwei Wochen schlecht geschlafen, weil ich Angst hatte, wir könnten zum Ischgl Luxemburgs werden. Gott sei dank ist das nicht passiert. Für die Schüler hatten wir vorgesehen, Feste zu organisieren. Leider musste das eingestampft werden. Bestimmt kann man aber das eine oder andere zum 51. nachholen. •