SCHIFFLINGEN
MARCO MENG

Pfeifer-Sogequip erweitert seinen Markt

Pfeifer Sogequip aus Schifflingen exportiert seit kurzem Premiumqualität „Made in Luxemburg“ nach Frankreich. Mit Seil- und Hebetechnik hat das Luxemburger Unternehmen seinen Markt Richtung Frankreich erweitert. Warum dieser Schritt? „In Luxemburg haben wir einen Marktanteil von 90 Prozent, also war es für uns ein logischer Schritt, den französischen Markt anzupeilen“, erklärt Karsten Rüba, Geschäftsführer von Pfeifer Sogequip S.AR.L.

Im Premiumbereich für Seil- und Hebetechnik für besonders große Lasten mit mehr als 20 Tonnen rechnet sich das Unternehmen gute Marktchancen aus. Für den Neukunden „Tata Steel Frankreich“ wurde eine spezielle Hebezange geliefert, um die produzierten Hochleistungs-Schienen manövrieren zu können. Rund 30 Großkunden, vorwiegend in der französischen Schwerindustrie in den Gebieten Lille, Metz, Straßburg, Lyon, im Großraum Paris und auch in den wichtigen Häfen Frankreichs zählen die Luxemburger inzwischen: Ziel ist es, die Anzahl der französischen Kunden mittelfristig auf 100 zu steigern.

Der französische Markt ist sehr interessant für das Unternehmen, auch wenn es dort auch zwei starke Konkurrenten gibt. „Aber das ist eher belebend“, so Rüba. „Seit Generationen befasst sich unser Unternehmen mit Seilen. Bedeutende Hersteller und Betreiber von Kränen, Baumaschinen und Aufzügen zählen zu unseren Kunden“, erklärt er. Seile Made in Luxemburg werden auch von den Energieversorgern CREOS oder SEO verwendet; das Unternehmen stellt aber auch Seile für Seilbahnen, Bergbau oder für die Tiefseeforschung her.

Neuausrichtung

Die Finanzkrise hatte das Schifflinger Unternehmen 2009 extrem gespürt, weil der Hauptkunde ArcelorMittal einige Niederlassungen in der Umgebung schloss. „Inzwischen ist die Talsohle durchschritten, und für kommendes Jahr erwarten wir wieder den Vorkrisenumsatz von 3,8 Millionen Euro. Nach ArcelorMittal, die 70% Anteil an unseren Aufträge hatten, mussten wir radikal umstrukturieren. Allerdings sind wir immer noch Premiumlieferant von ArcelorMittal.“

In Deutschland, dem klassischen Industriestandort, ist das Unternehmen stark, bei Stadien- und Brückenbau, war man in Südafrika anlässlich der Fußball-WM mit dabei. „Sehr gut positioniert sind wir auch in Österreich, wo wir bei Forstseilen Marktführer sind. Letztes Jahr hatten wir dort eine interessante Sache und stellten Absperrseile für das Forstgewerbe her mit einem Durchmesser von 20 Zentimeter. Durch ein spezielles Fertigungsverfahren, mit dem wir hier in Luxemburg fast schon ein Alleinstellungsmerkmal europaweit haben, können wir solche Seile fertigen“, erklärt Rüba, als er uns ins Warenlager für Zurrgurte führt. Hier lagert Ware im Wert von über 500.000 Euro, die aber kurzfristig gebraucht werde, um flexibel und schnell zu sein. „Hier haben wir unseren Lagerbestand an Seilen für die Ladungssicherung, Seile, die eine Tonne Tragkraft haben. Zugelassen für eine Tonne bedeutet, dass sie tatsächlich bis zu sieben Tonnen aushalten“. In den Regalen liegen Seile aus Dyneema, einer Chemiefaser auf Basis von Polyethylen, die bis zu 20 Tonnen tragen können. „Diese Standardware lassen wir in China herstellen und konfigurieren sie hier nach Kundenbedarf.“ Wenn es um neue Normen und Vorschriften zur Ladungssicherung gehe, arbeite man auch mit Berufskraftfahrern und Zoll zusammen.

Nun in die große Fertigungshalle, das Herzstück: Das Atelier. Hammerschläge dröhnen durch die Halle. Hier werden Stahlseile verschiedenster Durchmesser gelagert, die von der Schwesterfirma in Deutschland hergestellt werden. „Es gibt übrigens keinen Lift in Luxemburg, der nicht von unseren Seilen gezogen wird und kaum einen in Europa.“ Ein solches Stahlkabel, so Rüba, hält zehn bis 15 Jahre und wird jährlich geprüft.

Drittes Standbein: Reparaturen

An einer Spezialmaschine, mit der in Europa nur drei Firmen arbeiten, werden in der Halle verschiedene Seile zu einem verdreht, die Seilenden werden mit einer schweren Maschine verpresst. „Dieses“, so Rüba, „wird im Maschinenbau verwendet.“ Bei den riesigen Walzköpfen von ArcelorMittal beispielsweise kämen sie zum Einsatz.

Unterschiedliche Seile für unterschiedliche Anwendungen: Die Außendienst -Mitarbeiter von Pfeifer Sogequip sehen, was gebraucht wird, beraten und rechnen aus. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, nicht nur, weil es um den Verkauf der Ware geht: Man darf nicht vergessen, dass an so einem Seil immer auch Menschenleben hängen. „Unser Außendienst hat darum eine doppelte Ausbildung, eine technische und eine kaufmännische. Technisch affine Kaufleute sind darum sehr willkommen bei uns.“ Die Mitarbeiter werden kontinuierlich geschult, darunter auch eine jährliche Pflichtschulung, mit denen man die Mitarbeiter fit halte. „Bei einem Objekt ging es zum Beispiel darum, einen Transformator vom Schiff auf eine Ölbohrplattform zu heben. Da muss natürlich mit einkalkuliert werden, dass sich das Schiff bewegt. Wie ist der Wellengang, wo müssen die Haltepunkte sein, wo müssen die Seile befestigt werden. Bei einem solch besonderen Projekt kommen Spezialisten der German Lloyds zur Beratung, und wenn alles klar ist, dann stellen wir her.“

In Schifflingen befindet sich ein stationäres Prüflabor, daneben hat das Unternehmen auch ein mobiles, mit dem man Kunden besucht. Bauunternehmen zum Beispiel schicken nach Schifflingen Ketten, um zu prüfen, ob das Material noch verwendbar ist. Nach verschiedenen DIN-Normen wird dann Zugkraft und so weiter geprüft. Darf die Kette weiter verwendet werden, gibt es eine Prüfplakette, die besagt, wie lange sie noch verwendet werden darf; ansonsten wird sie zur Wiederverwendung gesperrt und muss verschrottet werden.

Das Bestreben von Pfeifer Sogequip, sich breiter aufzustellen, trägt mit dem Schritt nach Frankreich erste Früchte. Darüber hinaus hegt man die Hoffnung, künftig mehr bei Großprojekten in der Region eingebunden zu werden. „Ob Brückenbau oder Gebäudebau, solche Projekte können wir auch betreuen, da erhoffen wir uns mehr in diesem Bereich, denn wir haben für jedes Problem eine Antwort. Da braucht man nicht nach China oder irgendwohin zu fahren. Es gibt uns in Luxemburg, die das können.“