SAARBRÜCKEN
KATJA SPONHOLZ (DPA)

Erstes Filmfestival „Max Ophüls Preis“ unter Svenja Böttger startet in Saarbrücken

Sie weiß nicht, wie viele Filme sie sich in den vergangenen Monaten angeschaut hat. „Viele“, sagt Svenja Böttger lächelnd. „Sehr viele.“ Fakt ist: 950 wurden für das 38. Filmfestival „Max Ophüls Preis“ (MOP) in Saarbrücken, das am Montag mit der luxemburgischen Koproduktion „Die Nacht der 1.000 Stunden“ von Virgil Widrich eröffnet wird, eingereicht. Mehr als die Hälfte hat die 28-Jährige selbst gesichtet. Doch neben der Arbeit bedeutet das für die neue Festivalleiterin vor allem eines: Freude. „Es ist ein unglaublicher Luxus, dass man so viele Filme anschauen darf“, sagt sie. „Es ist spannend, weil man einfach neugierig ist, was die Themen sind, die die Filmemacher in diesem Jahr interessiert haben.“

Eine Vorliebe, mit der die Medienwissenschaftlerin nicht alleine da steht: Mehr als 40.000 Besucher lockt das Filmfestival jedes Jahr im Januar in die saarländische Landeshauptstadt, rund 160 Filme stehen wieder auf dem Programm. Das MOP gilt als eines der wichtigsten Treffen der Branche und als Karrieresprungbrett für den deutschen Filmnachwuchs. Und nicht zuletzt auch als ein Kulturfestival, das weit über das Saarland hinaus Strahlkraft hat.

Wettbewerb unverändert

Die Unkenrufe von vor einem Jahr, als Kritiker befürchteten, das MOP stünde wegen des Weggangs der langjährigen Leiterin Gabriella Bandel nun vor dem Aus, sind längst verhallt. „Das Festival steht auf stabilen Beinen und so soll es auch bleiben“, bilanziert die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). „Mit Svenja Böttger haben wir eine Festivalleiterin gewonnen, die ein klares Gespür für Trends und Entwicklungen der Filmbranche mitbringt und gleichzeitig sehr genau um die Bedeutung des Max Ophüls Preis - seit inzwischen Jahrzehnten - für die deutschsprachigen Nachwuchstalente weiß.“ Dies spiegle auch die Neuausrichtung des Konzepts wieder, „mit der klaren Fokussierung auf die jungen Talente und ihre Karrieren.“

Die Sorgen, dass die Finanzierung nicht gesichert sei und das Festival womöglich ganz ausfallen könnte, haben sich nicht bestätigt. Tatsächlich beträgt das Budget wieder rund eine Million Euro - wobei die Stadt Saarbrücken rund 330.000 Euro gibt und Bund und Land ihre Unterstützung dieses Mal sogar auf je 50.000 Euro aufgestockt haben. Hinzu kommen zahlreiche große Sponsoren, aber auch private Spender.

Ganz bewusst hat Böttger bisher nur an wenigen Stellschrauben des Festivals gedreht. Unverändert bleibt der Wettbewerb mit seinen Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm, ebenso die Konstellationen mit Ehrenpreis und Ehrengast. Neu ist der Programmbereich „MOP-Klassiker“. Hier werden prämierte Filme aus 37 Jahren Festivalgeschichte präsentiert, die in Saarbrücken entdeckt wurden. Deren Macher kommen nun als etablierte Künstler zurück, um ihr zum Klassiker gewordenes Debüt erneut aufzuführen. Neu sind zudem die MOP-Visionen mit neuen Technologien (wie Webvideos, Games, 360 Grad, Virtual Reality), die die mediale Vielfalt abbilden sollen.

„Ich erfinde das Rad nicht neu“, sagt die Berlinerin, die seit einigen Monaten auch eine Wohnung in Saarbrücken hat. „Ich übernehme ein tolles Fundament mit tollem Renommee. Das wurde in den letzten 37 Jahren geschaffen - und das hat sich unglaublich entwickelt.“ Natürlich bringe jede neue Festivalleitung, unabhängig vom Alter, frischen Wind mit. „Ich bin aber kein Freund von höher, schneller, weiter“, sagt die 28-Jährige. „Ich finde, man muss sich besinnen, wofür etwas steht.“

Tolle Ophüls-Erzählungen

Deshalb ist es auch nicht ihr Hauptanliegen, den Besucherrekord von 43.000 Gästen vom vergangenen Jahr zu knacken oder die Zahl der Filme oder die Preisgelder zu erhöhen. „Mein Ziel ist es, die Qualität der Filme hochzuhalten und eine Auswahl zu schaffen, die sehr interessant ist. Und zugleich, den Filmemachern eine Plattform zu bieten. Das ist das Wichtigste“, sagt sie.

Dass das gelingen kann, dass hier viele Filmemacher und Schauspieler ihre ersten Schritte gegangen sind, weiß Böttger. „Es gibt so viele tolle Geschichten von den Festivalgängern, seit Jahrzehnten. Alle haben tolle Ophüls-Erzählungen auf Lager. Und wenn man dann die leuchtenden Augen dazu sieht, merkt man: Das möchte ich auch schaffen. Das ist eine super tolle Motivation, solch ein Filmfestival zu organisieren.“

Erfahrungen mit derartigen Veranstaltungen hat die 28-Jährige bereits - wenn auch in kleinerem Maße. So leitete sie das Internationale Studentenfilmfestival „Sehsüchte“ in Potsdam-Babelsberg. Zuvor hatte sie das Selbstfilmfest „durchgedreht 24“ in Braunschweig geleitet. Zudem lag in den beiden vergangen Jahren die Gesamtleitung des Empfangs der Filmhochschulen während der Berlinale in ihren Händen.

Angst vor der Herausforderung hat sie nicht. Eher genießt sie es und freut sich darauf, viele Filmemacher persönlich kennenzulernen und auch in Zukunft begleiten zu können. „Eine Umgebung zu schaffen, wo sich jemand wirklich entfalten kann und den Filmemachern die Energie mitzugeben: Was du da machst, ist total richtig, geh deinen Weg! Auch das ist der Grund, warum ich dieses Festival ausrichte.“

Weitere Infos zum Festival unter http://www.max-ophuels-preis.de