LUXEMBURG-HOLLERICHPATRICK VERSALLL

Tomás Tello organisiert am Samstag ein Event für Freunde experimenteller Musik

Lieber nicht mit der Tür ins Haus fallen, dachte sich Musiker und Festivalorganisator Tomás Tello und verzichtete peinlichst darauf, den Terminus „experimentell“ aus dem Namen seiner kommenden Musikveranstaltung rauszuhalten. Beim „Ooh-Festival - Luxembourg’s
crazy music Festival“ handelt es sich eindeutig um ein Festival für experimentelle Musik.

Den Namen „Festival für Experimentelle Musik“ habe man vermeiden wollen, da der Begriff „experimentell“ hierzulande noch viele Menschen abschrecke, erklärt Organisator Tomás Tello lachend. Der experimentellen Musik wurde jahrelang vorgeworfen, sie wäre elitär; ein Umstand, der sich maßgeblich geändert habe, so Tomás Tello. Das Arbeitsmaterial ist erschwinglicher geworden, die Anschaffung der Geräte ist nicht mehr nur jenen Musikern vorbehalten, die das nötige Kleingeld dazu besitzen. Allerdings, und dies merkt Tello mehrmals während des Gesprächs an, könne man die luxemburgische Szene bei weitem nicht mit jener aus anderen europäischen Staaten vergleichen.

Internationale Hochkaräter

Der Peruaner, den es vor vier Jahren nach Luxemburg gezogen hat, glaubt, dass es für dieses Genre ein Publikum in Luxemburg gibt. Er hat das eintägige Festival, das im Exit07 über die Bühne geht, nahezu alleine binnen ein paar Wochen aus dem Boden gestampft. Als Mitdenker und-organisator hat sich Musiker und Labelchef Tello den Luxemburger Steve Kaspar an die Seite geholt „wer, wenn nicht Steve, kennt sich hier in Luxemburg bestens in der Szene aus?“, bemerkt Tello.

Am kommenden Samstag, den 14 Dezember, defilieren unter der Federführung der beiden Musiker einige internationale Hochkaräter aus dem Bereich der experimentellen Musik in Hollerich (siehe Kasten). Mit einigen von ihnen ist der Peruaner schon seit längerem befreundet. Finanziert wird diese erste Auflage des Festivals von öffentlichen und privaten Geldgebern; die Konzert-Location bekommen die Macher vom
CarréRotondes zur Verfügung gestellt. Das CarréRotondes stehe ihnen auch beim Bewerben der Musikveranstaltung unterstützend zur Seite, so Tomás Tello.

Publikum von morgen

Vor den Konzerten haben junge und ältere Festivalbesucher die Chance, an Workshops mit Künstlern des Festivals teilzunehmen.

Es sei halt usus in der Szene, dass die Künstler nicht nur für ihre Auftritte anreisen, sondern ihr Fachwissen auch an die Festivalgänger weiterleiten. Der Kinderworkshop mit Daniel Llermaly sei schon fast ausgebucht, so Tello, der unterstreicht, dass dank solcher Werkstätten Kinder und Jugendliche an die experimentelle Musik herangeführt werden. Die jungen Workshopteilnehmer von heute sind die potenziellen Konzertbesucher von morgen.

Tello ist zuversichtlich, dass nicht nur eine Hand voll Musikbegeisterter den Weg nach Hollerich finden werden. „Viele werden sich wahrscheinlich am Samstagabend spontan eine Eintrittskarte kaufen; darüber hinaus werden Künstler wie Robert Lippok eine paar Fans mitbringen“, blickt der Peruaner zuversichtlich auf den Festivaltag.

Sollte die erste Auflage des Ooh-Festivals von Erfolg gekrönt sein, dürfte einer zweiten im kommenden Jahr nichts im Wege stehen. Vielleicht in einer leicht abgewandelten Form. Tello könnte sich vorstellen, selbst durch Luxemburg zu touren und diese Mini-Tournee mit einem Festival abzuschließen.

Freunde experimenteller Sounds können sich die Warterei auf die kommende Ausgabe mit der Doppel-CD der diesjährigen Auflage verkürzen. Die erste Platte wird Liveaufnahmen der einzelnen Künstler enthalten, die zweite Scheibe Soundschnipsel, die die Musiker vor Ort auf dem Festivalgelände aufnehmen werden.