TECKLENBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Deutsche Erstaufführung des Musicals „Zorro“ Open Air in Tecklenburg

Die Figur des maskierten Rächers Zorro - das Wort bedeutet „Fuchs“ auf Spanisch - tauchte erstmals 1919 in dem Groschenroman „The Curse of Capistrano“ von Johnston McCulley auf. Der Rest ist Kult. 2005 schrieb die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende den Roman „El Zorro: Comienza la leyenda“ über den Beginn der Zorro-Legende. Stephen Clark ließ sich 2008 von dieser Geschichte inspirieren und verfasste das Buch zum Musical „Zorro“, mit alter und neuer Musik der Gipsy Kings sowie von John Cameron.

Nach der Premiere im März 2008 in Eastbourne lief die Show ab Juli fast neun Monate im Londoner Garrick Theatre. In der sommerlichen Musical-Hochburg Tecklenburg war jetzt unter freiem Himmel die deutsche Erstaufführung unter der Regie von Ulrich Wiggers.

Bruderzwist

Als Teenager wird Diego von seinem Vater Don Alejandro (Reinhard Brussmann) von Kalifornien nach Spanien in die Schule geschickt, während sein Bruder Ramon als Kapitän der Armee ausgebildet wird. Zehn Jahre später lebt Diego (Armin Kahl) ein unbeschwertes Leben unter Zigeunern und hat nur Augen für die feurige Inez (Patricia Meeden). Dann sucht ihn seine alte Jugendliebe Luisa (Maxine Kazis) auf und berichtet ihm, dass sein Vater tot sei, Ramon (Kasper Holmboe) die Macht an sich gerissen hat und die Einwohner terrorisiert. So müsse Diego sofort mit ihr zurück, um die Verhältnisse zu klären. Nicht wirklich begeistert schippert Diego zusammen mit den Zigeunern in seine Heimat zurück. Dort regiert Ramon erbarmungslos mit Hilfe seiner Soldaten und Sergeant Garcia (Benjamin Eberling).

Diego erkennt, dass er seinen Bruder nie zur Vernunft bringen kann, und hat die Idee, sich zu verkleiden. Als maskierter Zorro gelingt es ihm, sich Respekt zu verschaffen und er wird als Retter vom Volk gefeiert. Diego kommt zu Ohren, dass sein Vater noch leben soll, und dass Ramon Luisa unbedingt zu seiner Frau machen will.

Heiße Musik der Gipsy Kings

Die visuellen und rhythmischen Höhepunkte des Musicals „Zorro“ sind die fantastischen Choreografien von Kati Heidebrecht zu den bekannten Hits der Gipsy Kings: „Baila Me“, „Bamboleo“ und „Djobi Djoba“, bei denen Flamenco und Rumba verschmelzen und von einer Truppe getanzt werden, die diese Rhythmen im Blut zu haben scheint. Dabei erweist sich Inez-Darstellerin Patricia Meeden als besonders feurig, zudem hat sie eine schöne klare Stimme. Die nachkomponierten Songs klingen nicht schlecht. Zum Beispiel die Ensemble-Nummer „Libertad“, „Wir“, von Diego gesungen, oder „Einmal“ von Luisa. Armin Kahl hat eine gewaltige, alle Tonlagen beherrschende Stimme und er kann in seiner Doppelrolle, als tollpatschiger Diego und als Held Zorro sein ganzes schauspielerisches Talent zeigen.

Maxine Kazis singt einwandfrei und spielt Luisa ebenfalls mit zwei Gesichtern, das der verliebten Frau und das der selbstlosen Rebellin, die sich nichts gefallen lässt und sich sogar mit Ramon vermählen lassen würde, wenn dies den Frieden für ihr Volk bedeuten würde. Kasper Holmboe lässt als Ramon keine Zweifel aufkommen, dass dieser ein Fiesling ist. Benjamin Eberling als Garcia sorgt für ein paar lustige Momente, wobei speziell die Nummer „Noch ein Bier“ eine flotte Mischung aus Flamenco-Tanz der Zigeuner und dem Flirten mit Inez ist.

Die Geschichte des Zorro kennt man aus vielen Kinofilmen oder der Disney-Fernsehserie der späten 1950er Jahre mit Guy Williams in der Titelrolle. Das Musical erzählt sicher nicht wirklich Neues, rechtfertigt aber durch das Gesamtkonzept aus brillanten Choreografien, actionreichen Fechtszenen, Humor und überzeugenden Darstellern und Darstellerinnen den unbedingten Besuch. War die Produktion im Garrick Theatre durch die kleine Bühne viel auf intime Momente ausgerichtet, so eröffnet sich die Tecklenburger Fassung dem Zuschauer sozusagen im Cinemascope-Verfahren über das ganze Gelände der Burgruine und seinen rund 2.300 Sitzplätzen.


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