LUXEMBURG
SVEN WOHL

Literaturkritik: „Witfraeclub“ von Guy Rewenig

Satire läuft oft Gefahr, ihre Gegenstände übermäßig zu reduzieren. Das hat auch damit zu tun, dass man oft die Dinge vereinfachen muss, bevor man sich über sie lustig machen kann. „Witfraeclub“ von Guy Rewenig ist zwar gelungene Satire, weil bissig und pointiert, doch es kommt dann doch schnell der Verdacht auf, dass es sich dabei um ein „One Trick Pony“ handeln könnte, also um ein Werk, das nur eine Karte zu spielen weiß und diese immer wieder aufs Neue spielt. Doch es ist unter anderem der Kürze des Werkes zu verdanken, dass dieser sich wiederholende Spielzug sich nicht zu Tode läuft.

Gesunder Cocktail

Die Zielscheibe in diesem Fall ist oft genug weibliche Sexualität im höheren Alter. Vor allem im ersten Teil, wo es um eine Rentnerin und ihren Liebhaber Emil geht, steht Sex oft im Mittelpunkt. Doch meistens ist er nur der Motivator für die einzelnen Episoden, eigentlich steht dieses Element nie im Zentrum, auch wenn der eine oder andere Witz schon in diese Richtung geht und diese nicht immer das Kaliber erreichen, das im Rest des Werkes zu finden ist. Die zentralen Themen sind jedoch schnell ausgemacht: Alter, Liebe, Beziehungen, Sex und der alltägliche Irrsinn werden hier mit einem kleinen Schuss politischer Satire angereichert, um einen humorvollen Cocktail zu schaffen.

Direkte Einblicke

Es handelt sich glücklicherweise nicht um die einzige Zielscheibe, aber oft genug muss sie dann doch herhalten. Vielleicht liegt es an der Struktur des Buches, die ein wenig darüber hinweg hilft, dass oft auf die gleichen Noten gesetzt wird. Mit einer Ausnahme sind nämlich sämtliche Texte auf ein bis zwei Seiten beschränkt und jeweils in einer Ich-Perspektive gehalten. Dadurch wirkt nicht nur das Erzählte jeweils direkter, sondern auch der Humor bleibt dabei immer eine Spur schärfer als gewohnt. Einige Stücke profitieren enorm von dieser Perspektive, wie etwa „Vinotherapie“ wo die Erzählerin während einer Weinverkostung die Lächerlichkeit des Benehmens anderer bloßstellt, in dem sie einfach behauptet, dass der Wein eine Spur von „Vullekack“ enthalte. Andere Stücke, wie etwa „Porno“ überzeugen nicht wirklich. Solche Stücke sind zwar derb, es fehlt ihnen aber die wirklich zündende witzige Pointe, die der Situation einen wirklichen Reiz geben würde. Zum Glück überwiegen die guten Stücke hier eindeutig.

Skurrile Situationen

Das Ganze wird von einer Sprache getragen, die nicht an Direktheit spart, ohne dabei vulgär zu sein. Rewenig setzt gekonnt Wiederholungen und Sprachwendungen ein, um eine typische Redensart zu imitieren, ohne dabei seine Erzählerinnen als beschränkt darzustellen. Seine Figuren sind intelligent und sie wissen, die teils dann doch sehr skurrilen Situationen um sie herum gekonnt mit einer gesunden Prise Sarkasmus darzustellen. Dass es dabei gelegentlich zum Einsatz von Floskeln kommt, dient auch dem Zweck, typische Muster zu wiederholen, nur um sie durch die sprachlich etwas derberen Vorstöße zu brechen.

Allein diese Note würde Rewenigs Werk lesenswert machen, doch die Abwechslung, die Kurzweil der teils scharfe Humor machen es umso attraktiver. Selbst beim mehrmaligen Lesen kann noch die eine oder andere Facette entdeckt werden.
Guy Rewenig „Witfraeclub. Satiren“, erschienen bei éditions ultimomondo. ISBN 978-2-919933-91-4