LUXEMBURG
SVEN WOHL

Spielfokus: Dungeon Keeper

Viel zu oft spielt man in Videospielen den Helden. Da muss es doch mal zum Rollentausch kommen. Genau das haben sich Mitte der 1990er Star-Designer Peter Molyneux und seine Truppe bei Bullfrog auch gedacht. Das Resultat des Umdenkens war „Dungeon Keeper“, das 1997 erschien und binnen kürzester Zeit zum Kult wurde.

Das Warten auf die Helden

Bis dahin war es eigentlich vollkommen normal, in Fantasy-Spielen der Held zu sein. Als weißer Ritter ging man in unzähligen Spielen in die Kerker der Dämonen, um diese von allem Bösen zu reinigen. In „Dungeon Keeper“ ist man jedoch der Kerkermeister und baut die unterirdischen Gewölbe auf. Dazu wird zunächst Gold geschürft sowie eine Schatzkammer und Wohnraum für allerlei fiese Kreaturen gebaut. Die haben natürlich alle ihre Bedürfnisse: Eine Hühnerfarm deckt die Versorgung mit Nahrung ab, eine Bibliothek dient der Forschung, der Trainingsraum zum Ausbau der Fähigkeiten und eine Handwerkskammer zum Bau von Fallen und Türen. Die Vorbereitung ist auch bitter nötig, denn früher oder später kommt schon das Heldenpack und will einem den Tag vermiesen. Dann müssen die eigenen Kreaturen stark genug sein, um dem Ansturm abzuwehren. Aber es sind nicht nur die Helden, die sich aufmachen, um das eigene Dungeonherz zu zerstören, sondern zuweilen auch andere Oberfieslinge. Deren Verliese lassen sich genau so erobern wie die eigenen, was eine gewisse strategische Abwechslung in sich birgt.

Düsterer Humor

„Dungeon Keeper“ verrät relativ schnell, aus welchem Land es kommt, denn der schwarze Humor ist typisch britisch. Zynische Kommentare des Helfers sind normal, die eigenen Imps zu Ohrfeigen, damit sie schneller arbeiten ebenso. Die Kreatur namens „Eiserne Jungfrau“ wird zur Unterhaltung in die Folterkammer geschickt, wenn sie schon nicht von alleine dahin gelaufen ist und wer sich Skelette züchten möchte, der lässt einfach seine Gefangenen im Gefängnis verhungern. Das ist alles reichlich makaber, wird allerdings durch den Humor stimmig gebrochen.

Einzigartig wird „Dungeon Keeper“ durch seine vielen Details. So wollen etwa die Bösewichter regelmäßig bezahlt werden, wobei sie jedes Mal die Reise zur Schatzkammer antreten. Die lässt sich bei vorhandener Tür natürlich abschließen, was den Spieler glücklich, die Kreaturen aber übellaunig stimmt. Kurz: Spieler haben die Möglichkeit, richtig böse zu sein und das System zu ihren Gunsten aus zu nutzen. Wer übertreibt wird aber auch schnell bestraft.

Musik und Grafik arbeiten Hand in Hand, um die Dungeons lebendig zu machen. Der Sound ist natürlich auch stark beteiligt, so haben alle Monster eigene, charakteristische Geräusche, die sie nach einiger Zeit leicht wiedererkennbar machen. Die Steuerung ist für heutige Verhältnisse leider sehr umständlich, jedoch gibt sich das mehrstufige Tutorial sehr viel Mühe, alles zu erklären. Dann können schon nach kürzester Zeit mit Leichtigkeit die Kerker aufgebaut werden. Während die Grafik sichtlich gealtert ist, macht sie den Titel noch lange nicht unspielbar. Da es leider an einer aktuellen Version des Spieles mangelt, sind sowohl der erste und der zweite Teil der Serie die einzigen Vertreter ihrer Art. Erhältlich ist Dungeon Keeper für PC auf Good old Games (GoG.com) für sechs Euro.