LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Die Fanfare Ciocarlia war am Dienstag Gast des „Printemps Musical“

Seit rund 20 Jahren sind sie auf Tournee, die zwölf Musiker einer rumänischen Dorfkapelle, die Anfangs auf traditionellen einheimischen Dorffesten wie Hochzeiten, Begräbnissen oder Taufen aufspielte und nach ihrer Entdeckung in den 1990er Jahren weltweit Furore macht und internationale Erfolge erzielt. Schon der Auftakt des Konzerts in Neimënsterwar effektvoll inszeniert, trat zuerst doch die Hintergrundmannschaft, bestehend aus einer vierköpfigen Hornsektion mit Bass-, Bariton- und zwei Tenorhörnern, gefolgt von Snare- und Bassdrum, in Erscheinung, ehe das Ensemble der Solisten mit vier Trompetern und zwei Saxofonen - beziehungsweise Klarinetten - das harmonische Klangbild vollendete.

Einmalige Energie der Bläser

Überzeugend professionell demonstrierte die Kapelle aus Rumänien, wie sehr das Tempo in eindeutiger Weise die Aussage- und Wirkungskraft eines Musikstücks beeinflusst. Besonders in den rasanten folkloristischen Beiträgen, die den größten Teil des abwechslungsreichen Programms ausmachten, zeigten die virtuosen Solisten mit ihrer überragenden Technik, was man aus manchmal simplen Themen oder harmlosen Melodiefragmenten der Volksmusik aus den verschiedenen Balkanländer durch geschickte Arrangements und ihre sagenhafte, spektakuläre Schnelligkeit herausholen kann.

Charakteristisch für den typischen Sound und die effektvollen Highlights waren in erster Linie die unermüdlichen Bläser im Hintergrund. Mit einer einmaligen Energie schuf die Begleitcrew mit den vier Hornisten ein musikalisch aufregendes Klanggerüst, was den adäquaten Rahmen für immer neue Achterbahnfahrten der übrigen Bläser bot.

Publikumsnahes Entertainment

Den Zugang zu dieser für unsere Ohren doch ungewohnten und fast exotisch klingenden Musik erleichterte die zwölfköpfige Formation durch publikumsnahes Entertainment, das zum Mitsingen, Marathonklatschen und sogar zu Tanzbewegungen auf engstem Raum anspornte. Allerdings kam die bei dieser Musik normalerweise angestrebte Partylaune nicht auf. Dies könnte jedoch eventuell auf das eher konzertmässige Ambiente des vorzüglichen Auditoriums „Robert Krieps“ in der Abtei Neumünster zurückzuführen sein, das für musikalische Fiestas dieser Art doch etwas zu steril sein mag, was aber der euphorischen Stimmung keinen Abbruch tat. Brillante Stakkatoattacken der Trompeter als Solist oder im Satz, sprudelnde Saxofonpassagen ausgelöst durch sagenhafte Fingerfertigkeit, die dynamischen Einwürfe der schrillen Klarinette und die treibende Kraft der Rhythmussektion, all diese Elemente vereinten die verschiedenen Parts der folkloristischen Kleinjuwelen in eine kompakte Suite mit farbigen Impressionen aus der bezauberten Atmosphäre der Welt des Balkan mit türkischen und arabischen Einflüssen.

Repertoire an Hörgewohnheiten angepasst

Natürlich hat das Ensemble, das schon einige Male in Luxemburg gastierte, sein Repertoire im Lauf der Jahre den Hörgewohnheiten der modernen globalen Konsumgesellschaft angepasst. Dass jedoch Ohrwürmer, die eher im Bereich des Jazz heimisch sind, wie Gershwins „Summertime“ oder das durch das Duke Ellington Orchestra bekannt gewordene „Caravan“ aus der Feder des Posaunisten Juan Tizol im Repertoire der Folklorefanfare zu finden sind, ist nicht unbedingt eine musikalische Bereicherung, da die eingefleischte Zigeunerkapelle dann eher nach der Fanfare von „Hintertupfingen“ klingt. Schuster bleib bei deinen Leisten!
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