PARIS
DPA

Ex-Premierminister François Fillon (62) zieht für die französischen Konservativen in die Präsidentschaftswahl. Sein Stichwahl-Gegner Alain Juppé (71) räumte am Sonntagabend seine Niederlage ein. “Ich wünsche ihm viel Erfolg für seinen bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf”, sagte Juppé. Nach Auszählung von rund zwei Dritteln der Wahllokale holte Fillon 68 Prozent der Stimmen.

Die bürgerliche Rechte kürte ihren Präsidentschaftskandidaten erstmals mit einer Vorwahl, bei der alle Anhänger abstimmen konnten. Der Sieger hat laut Umfragen gute Chancen, bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr in die Stichwahl zu kommen.

Überraschungsfavorit

Für den früheren Staatschef Nicolas Sarkozy war er lediglich ein “Mitarbeiter”, Kreml-Chef Wladimir Putin lobte ihn als “anständigen Mann”: François Fillon ist der große Überraschungsfavorit der französischen Konservativen für die Präsidentenwahl im kommenden Jahr.

Der 62 Jahre alte Staatsrechtler kam bei der Kandidatenkür der bürgerlichen Rechten erst in letzter Minute aus der Deckung. Der nüchtern und ernsthaft auftretende Notars-Sohn will bei Wirtschaftsreformen besonders weit gehen, um Frankreich im internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Er sieht dies auch als eine Voraussetzung an, um mit dem wichtigsten EU-Partner Deutschland wieder auf Augenhöhe sprechen zu können.

Traditionelle Werte

Der Vater von fünf Kindern setzt auf traditionelle Werte. Das kommt bei konservativen Wählern gut an, insbesondere in der Provinz. Im Wahlkampf verteidigte er sich gegen Vorwürfe, er stelle das Recht der Frauen auf Abtreibung in Frage. Stimmt nicht, das Thema werde er nicht anrühren, entgegnete er in dieser emotional geführten Debatte.

In der Außenpolitik will Fillon ein Verbündeter der USA bleiben, gleichzeitig aber die Beziehungen zu Russland stärken. Das riesige Land müsse enger an Europa gebunden werden, lautet sein Credo. Fillon diente unter Sarkozy von 2007 bis 2012 als Premierminister - aus dieser Zeit kennt er Putin persönlich. Fillon zog bereits mit 27 Jahren als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten. Er gilt als Automobilsport-Fan.