LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Aurelio Agliata dreht „Someone Dies Tonight“ mit Eric Roberts und Christopher Lambert

Aurelio Agliata, genannt Toni, ist ein in Luxemburg wohnender Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er wurde in Wadern (D) geboren und hat seit Oktober den luxemburgischen Pass. Zuerst studierte er Management, ehe er in Spanien eine Filmschule besuchte. 2011 drehte er in Berlin seinen ersten Spielfilm, „Lady Europa“. Er hat ebenfalls eine Produktionsfirma im Großherzogtum gegründet, Super Leone Films. Anfang des Jahres war sein Drehbuch zum Kurzfilm „Moondancer“, das vom luxemburgischen Film Fund abgelehnt wurde, Thema einer Diskussionsrunde an der Universität in Belval.

Momentan sitzt Agliata für den Thriller „Someone Dies Tonight“, mit Eric Roberts und Christopher Lambert in den Hauptrollen, auf dem Regiestuhl. Im Sommer drehte er im schweizerischen Davos, und demnächst soll es in Basel weitergehen. Der Vor- und Nachteil bei dem Projekt ist die Finanzierung, die nach amerikanischem System funktioniert, wo private Investoren Geld in ein Projekt stecken, um auch daran zu verdienen. So ist man einerseits nicht auf staatliche Subventionen angewiesen und braucht sich nicht an Auflagen zu halten. Andererseits kann es eine Zeit dauern, bis das Budget steht.

Ein eigentlich ideales System

„Someone Dies Tonight“ ist eine Produktion von Dream Team Pictures, eine deutsch-kroatische Produktionsfirma, mit Sitz in Los Angeles. Gedreht wurde bis jetzt an der kroatischen Adriaküste, der serbischen Grenze und Davos. Wenn es nach Agliata geht, sollen auch ein paar Drehtage in Luxemburg eingeplant werden.

Agliata sieht diese Art der Finanzierung, die man als Investment-Funding bezeichnen kann, als ideal an. „Das europäische Kino sollte auch so funktionieren und nicht nur über staatliche Förderungen finanziert werden“, sagt er, „es soll nicht darum gehen, einen Teil in Belgien zu drehen, einen Teil in Italien oder in einem Land gar nicht, weil man kein Geld bekommt. Wir haben die Freiheit, anders handeln zu können, die Techniker zu engagieren, die wir wollen. Das Color-Grading wird in Berlin gemacht, die Spezialeffekte in Belgrad oder der Ton in Zagreb.“

Agliata liegt derweil der Autorenfilm am Herzen. „Mit meinen aktuellen Projekten bin ich verpflichtet, Mainstream zu machen, damit die Geldgeber verdienen. Meine Liebe gehört jedoch dem Autorenfilm“, gesteht er. Doch um solche mehr intime Filme zu drehen, bleibt nur die Möglichkeit, staatliche Zuschüsse zu beantragen, wie beispielsweise beim luxemburgischen Film Fund. Dass bereits ein Kurzfilm vom Fund abgelehnt wurde, macht Agliata keine Sorgen. Er hat noch ein paar Drehbücher in der Schublade, und so stirbt seine Hoffnung zuletzt.

Vom Mainstream-Kino lernen

„Ich lerne sehr viel im Mainstream-Bereich, von Schauspielern, die seit langen Jahren im Geschäft sind, wie Eric Roberts“, sinniert Agliata weiter, „ich will zweigleisig fahren, sollte ich die Möglichkeit bekommen, mit einer staatlichen Förderung zu drehen. Wichtig ist mir, dass es ein guter Film wird, der mir Spaß macht.“

Einen anderen Film hat Agliata bereits abgedreht, den Thriller „C.L.E.A.N.“, mit Tom Sizemore und Costas Mandylor in den Hauptrollen. Der Film sollte bereits im Frühjahr Premiere feiern, doch dann gab es Unstimmigkeiten mit dem Filmmusikkomponisten.

„Die Kompositionen gaben nicht das mystische Universum des Psychothrillers wieder“, erklärt Agliata. Der Grieche Sakis Petropoulos sprang ein und schrieb die Musik nach Agliatas Vorgaben neu. So begann die ganze Postproduktion fast von neuem. Der Film soll nun im Dezember in Los Angeles erstmals gezeigt werden.

Postproduktion möglichst in Luxemburg

Ein Traum ist es, die Postproduktion für seine Filme in Luxemburg zu machen. „Die technischen Voraussetzungen sind in Luxemburg optimal“, meint er abschließend. „So brauche ich nicht weit zu fahren oder zu fliegen und kann sozusagen vor der Haustür arbeiten, zum Beispiel im Filmland in Kehlen. Ich liebe die Mentalität und die familiäre Atmosphäre, mit der hier gearbeitet wird und das auf höchstem professionellem Niveau.“ Man darf auf Agliatas fertige Filme gespannt sein, und zu hoffen bleibt, dass sie auch in unseren Kinos laufen.